Stendal l "Aufzugsschacht - GEFAHR" steht auf einer Tür, "Löschwasseranlage" auf einer anderen. Wer das Kellergeschoss im Technikzentrum der Kreissparkasse betritt, wird nicht gerade repräsentativ empfangen. Grauer Betonfußboden, weiß getünchte Wände, fahle Beleuchtung. Es geht durch zwei schwere Stahltüren. Auf der rechten Seite heißt es an einem Eingang dann in dicken schwarzen Buchstaben "Lager AV R 733".

Es ist ein Lager der besonderen Art, das eine Sparkassen-Mitarbeiterin am Dienstag um 14 Uhr für das Verfahren vor der dritten Zivilkammer des Stendaler Landgerichtes aufschließt. Dahinter verbirgt sich eine andere Welt.

Nach einem kleinen Vorraum führt plötzlich eine furnierte Tür in hellem Holz in den fast 30 Quadratmeter Raum. Richterin Elisabeth Nortmann diktiert trocken, was sie dort sieht: Terrakotta-Fließen, Wände in Ocker, zwei dunkle Holzregale für Wein, ein langer Tisch, Stühle, eine Sitzbank, himmelblaue Decke mit aufgemalten Wolken und fliegendem Pferd.

Rund 200 Weine und Sektflaschen lagern dort noch. Leinwand und Beamer hängen an der Decke, ein Korkenzieher liegt griffbereit auf dem langen dunklen Tisch.

Dieter Burmeister selbst mied dieses besondere Projekt an seiner ehemaligen Wirkungsstätte: Er setzte seinen Anwalt vor dem Hauptportal ab und wartete anschließend auf dem Parkplatz des benachbarten Discounters.

Gerade einmal fünf Minuten dauerte dieser Ortstermin. Er legte offen, wozu Nortmann am Vormittag bereits sechs Zeugen vernommen hatte. "Die Verwendung habe ich nie begriffen", sagte Vorstandsvertreter Markus Gutmann als erster Zeuge. "Herr Burmeister war von Anfang an über den Keller informiert und wusste auch über die Details Bescheid", belastete er seinen Ex-Chef.

Der Raum sei "ein Geheimnis" gewesen. Burmeister habe ihm gesagt, "dass das nicht jeder im Haus erfahren darf". Gutmann selbst habe sich nicht erklären können, "wozu wir das haben, zumal Herr Burmeister mit Wein nichts anfangen konnte".

282 Flaschen "in der Spitze" hätten dort gelegen, die Gutmann als Weinexperte im Auftrag ausgesucht habe. "Unter 10 Euro, sodass kein Einzelnachweis für die Verwendung erforderlich war - es war nichts wirklich Wertvolles darunter."

Weder der Leiter der Vertriebssteuerung noch der damalige Individualkundenberater haben den Raum für Kundenveranstaltungen genutzt, erklärten sie gestern. Als "Luxuskellerraum", der keinen sparkassenrelevanten Nutzungszweck gehabt hat, stuften ihn die Prüfer des Ostdeutschen Sparkassenverbandes bei ihrer Sonderuntersuchung ein, erläuterte ihr Leiter.

Sie ordneten der Weinkellerbar insgesamt 37 Rechnungen im Gesamtwert von 79 436,30 Euro zu. Nirgendwo sei auf ihnen jedoch der eigentliche Verwendungszeck zu sehen gewesen. Doch das angebliche Werbemittellager oder den Archivraum konnte der Prüfer bei seiner Besichtigung nicht ausmachen. Ein Möbeleinrichter aus dem Raum Havelberg habe auf Nachfrage eingeräumt, dass die Rechnung auf Anweisung des damals zuständigen Abteilungsleiters Gerhard U. umdeklariert worden sei.

Der Inhaber wollte dies vor Gericht nicht bestätigen. Er erklärte, hier nicht eingebunden gewesen zu sein. Gerhard U. möchte sich offenbar nicht selbst belasten und machte von seinem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch.

   

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