Am Sonntag, 19. April, entscheiden die Bürger Tangermündes und der Ortsteile Miltern, Langensalzwedel, Hämerten, Storkau, Billberge, Grobleben, Buch, Bölsdorf und Köckte über die Nachfolge von Rudolf Opitz. Die vier Kandidaten stellen sich am morgigen Donnerstag beim Volksstimme-Forum den Fragen der Wähler.

Tangermünde l Nach 25 Jahren im Bürgermeisteramt von Tangermünde räumt Rudolf Opitz am 6. Juli seinen Stuhl. Vier Kandidaten, drei Männer und eine Frau, wollen diesen neu besetzen. Morgen Abend stellen sich die Bewerber den Fragen der Wähler. Das öffentliche Wahlforum beginnt um 19 Uhr im Grete-Minde-Saal. Im Podium treffen aufeinander: Jürgen Pyrdok, Thomas Staudt, Marcus Ippisch und Regine Schönberg.

Thomas Staudt ist der einzige unter ihnen, der keine Unterstützerunterschriften sammeln musste. Er wurde von seiner Partei, der CDU, in das Rennen geschickt. Der 40-Jährige sitzt seit mehr als zehn Jahren im Tangermünder Stadtrat und ist seit dem vergangenen Jahr Vorsitzender der CDU-Fraktion. Als Mitglied des Kreistages sitzt er dem Ausschuss für Bau, Verkehr und digitale Infrastruktur vor.

Staudts Ziel ist eine Stadt, in der sich Einwohner und Touristen wohl fühlen. Dass die kommunalen Handlungsspielräume durch knappe Kassen enger werden, schreckt ihn nicht ab. "Wer kein Geld hat, braucht umso mehr Mut und Gestaltungswillen", so sein Credo. Aus der freien Wirtschaft kommend, sieht er sich dieser Aufgabe durchaus gewachsen. Seit 2008 leitet der gelernte Maler und Lackierer, der seinen Meisterabschluss in der Tasche hat, als Geschäftsführer das Tangermünder Unternehmen Busse. Neben der Politik hat sich der Tangermünder im Ehrenamt auch dem Sport verschrieben. Er ist Vorsitzender des Elbdeichmarathonvereins. Staudt ist verheiratet und hat einen fünfjährigen Sohn.

Regine Schönberg geht als Einzelkandidatin ins Rennen. Die Mutter dreier erwachsener Töchter lebt in vierter Generation in der Kaiserstadt. Sie machte ihr Hobby, die Stadtführung, zum Beruf. Seit 2002 leitet sie selbstständig das Tangermünder Tourismusbüro, schuf drei Arbeitsplätze.

Die heute 55-Jährige kandidierte bereits vor 14 Jahren schon einmal um das Amt des Bürgermeisters. Nun zog sie noch einmal in den Wahlkampf, weil sie von außen frischen Wind in die Verwaltung bringen und mehr Bürgernähe erreichen möchte. Sie spricht von kleinen und großen Baustellen, von einer "Vision für unsere Stadt, die wir alle gemeinsam, die Bürger, der Rat und die Verwaltung, entwickeln und umsetzen müssen".

Regine Schönberg gehörte bis vor kurzem der SPD an. Nachdem ihr diese Partei aber die Unterstützung bei ihrer Kandidatur um das Bürgermeisteramt versagte, trat sie aus und kündigte ihre Mitarbeit in der SPD-Stadtratsfraktion. Ihr Stadtratsmandat behielt sie dagegen. Sie wechselte zur Fraktion der Ortschaftsräte.

Kurz vor Ende der Bewerbungsfrist warf der parteilose Marcus Ippisch seinen Hut in den Ring. Der 53-jährige gebürtige Hamburger ist in Geestgottberg bei Seehausen zu Hause. Seit Jahresbeginn hat er allerdings einen Nebenwohnsitz in Tangermünde, um zu erholen und zu entspannen. "Vier Kandidaten sind besser als drei", begründet er seine Bewerbung um den Bürgermeisterposten. Während er seine Unterstützerunterschriften sammelte, hätte sich gezeigt, dass teilweise die Wähler Alternativen zu den bisherigen Kandidaten wollten. Dass er als Neutangermünder gegen drei Alteingesessene antritt, sieht Marcus Ippisch nicht unbedingt als Nachteil für sich. "Ich bin unabhängiger." Sein Motto laute: "Tangermünde für Jung und Alt". Ippisch, der nicht verheiratet ist und keine Kinder hat, arbeitet als diplomierter Kaufmann in Wittenberge für den Personaldienstleister Adecco. Als Redakteur für Kommunalpolitik lernte der Journalist das Feld kennen, das er künftig beackern will.

Aus Weggezogenen wieder Zuzügler machen

Der dritte Einzelkandidat, Jürgen Pyrdok, kennt die Tangermünder Verwaltung bereits von innen. Seit mittlerweile 25 Jahren ist er Leiter des Haupt- und Personalamtes der Stadt. Sein bisheriges Fazit: "Tangermünde hat seine Chance genutzt. Seit der politischen Wende haben wir viel erreicht." Diese Politik wolle er nun fortsetzen. Allerdings zeige der Blick in die Zukunft, dass es für Kommunen nicht einfacher werde. Vor diesem Hintergrund gebe er auch keine Wahlversprechen. Es müsse aber gelingen, die Lebensverhältnisse so zu gestalten, dass es sich nicht nur lohne in der Stadt zu bleiben, sondern dass aus einstigen Weggezogenen wieder Zuzügler werden.

In Zabrze (Polen) geboren, kam der heute 57-Jährige 1965 nach Tangermünde. Bis zur Wende arbeitete der studierte Bohringenieur in leitenden Funktionen im VEB Geologische Erkundung Stendal. Pyrdok ist verheiratet und hat zwei erwachsene Söhne.