Eine am Ortsrand Uchtdorf vorgesehene Photovoltaikanlage sorgt derzeit für Aufregung. Der Stadtrat hatte bereits 2013 der Umnutzung einer alten Sandgrube und -halde prinzipiell zugestimmt, die konkrete Bauplanung soll allerdings erst jetzt beginnen.

Uchtdorf l Bereits im September 2013 beschloss der Stadtrat in Tangerhütte die Aufstellung eines vorzeitigen, vorhabenbezogenen Bebauungsplanes für ein Photovoltaik-Eignungsgebiet am Ortsrand von Uchtdorf. Seither war das Thema eigentlich kein Thema mehr, weil bisher auch aufgrund von Änderungen in der Erneuerbare-Energien-Verordnung ein konkreter Vorhabenträger fehlte.

Wie der Geschäftsführer des mit der Planung beauftragten Instituts für Umweltüberwachung (IfU) Stendal, Horst Gädke, auf Volksstimme-Anfrage informierte, habe sich das inzwischen geändert. Er macht aber auch ganz klar: "Wir sind derzeit noch dabei, im Rahmen der frühzeitigen TöB-Beteiligung (TöB - Träger öffentlicher Belange, Anm. d. Red.), zu untersuchen, ob eine solche Anlage an diesem Standort Sinn macht. Noch ist gar nichts festgelegt. Wenn der Entwurf steht, dann wird dieser noch mal förmlich ausgelegt."

Im Amtsblatt des Landkreises (Generalanzeiger) vom 4. März 2015 wurde der Stadtratsbeschluss von 2013 bekanntgemacht, am 1. April wurde über die frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit informiert. Weil dort aber eine falsche Karte abgedruckt gewesen ist, musste das Ganze gestern noch einmal neu veröffentlicht werden.

Zweiwöchige Auslegung ab heute im Rathaus

Die zweiwöchige Frist für Bürger, in der Verwaltung der Einheitsgemeinde Stadt Tangerhütte Einsicht zu nehmen, laufe von diesem neuen Veröffentlichungstermin ausgehend, vom 9. bis 24. April, informierte Bürgermeister Andreas Brohm auf Volksstimme-Nachfrage. In dieser Zeit liegen die Unterlagen der Vorplanung zu den Sprechzeiten im Rathaus aus. Er betont aber auch: "Es ist noch nichts entschieden."

Was für Aufregung unter anderem bei Nachbarn der rund zehn Hektar großen Fläche in Ortsrandlage sorgt, ist die Befürchtung, das bisher mit Fußwegen und Biotopen durchzogene Gebiet künftig nicht mehr "als grüne Lunge" für Spaziergänge nutzen zu können beziehungsweise die stromerzeugenden Anlagen künftig im eigenen Garten direkt vor der Nase zu haben.

Auch Frank Paasche ist Anlieger des zu beplanenden Gebietes in Uchtdorf und er ist mit der Umnutzung des Areals nicht einverstanden. Er sieht Baumaufwuchs, Niederwild und ein Feuchtbiotop in dem Bereich gefährdet. In Anlehnung an einen in der Volksstimme erschienenen Leserbrief vom 5. März ("Grüne Wiese - ohne Bäume") fragt er: "Wo bleibt der Respekt vor der Natur? Auf der einen Seite wird mit Plakaten und Schildern "Altmark - grüne Wiese mit Zukunft" für unsere Heimat geworben und auf der anderen Seite pflastern wir unsere Heimat mit alternativen Energiegewinnungsanlagen zu." Er berichtet auch von Zeiten, als der Bereich als Müllkippe für "den halben Kreis Tangerhütte" genutzt wurde und dass er vorher als Kiesgrube diente.

Horst Gädke vom IfU in Stendal bestätigte, dass die etwa acht Hektar große Planungsfläche, auf der nach seiner Einschätzung etwa sechseinhalb bis sieben Hektar mit Photovoltaik-Panelen bebaut werden könnten, mit einer einstigen Gießerei-Altsandhalde und ein anderer Teil als Quarzsand-Tagebau dem Bergbaurecht unterliege. Als Konversionsfläche soll das Gebiet, so die Pläne, in ein Gebiet für erneuerbare Energien umgenutzt werden. Für solche Anlagen gebe es, anders als für Windkraftanlagen, keine besonderen Abstandsregelungen, so dass - wie im Baurecht verankert - drei Meter bis zur Grundstücksgrenze eingehalten werden müssten.

Allerdings, so sagt Gädke auch: "Unsere Aufgabe ist der Interessenausgleich, wir sind bereits mit einigen Anwohnern im Gespräch." Und da ohnehin Ausgleichsflächen für die Bebauung auf dem Areal eingeplant werden, seien auch Streuobstwiesen oder Benjeshecken im Nachbarbereich zu den Grundstücken denkbar. Erst nach der Beteiligung aller Träger öffentlicher Belange werde ein konkreter Entwurf für die Bauplanung erstellt. Bis zum Baubeginn könnten, wenn alles gut laufe, erfahrungsgemäß etwa neun Monate vergehen, erläutert er.

Vorhaben noch einmal überdenken

Auch die Flächeneigentümer im betroffenen Bereich werden erst dann befragt, wenn feststeht, dass ihre Fläche für die geplante Anlage nutzbar ist. Das prüfen unter anderem Bergbauamt, Naturschutzbehörden und weitere Ämter. Es ist daran gedacht, im Bereich der alten Halde und Sandgrube Photovoltaikflächen zur Energiegewinnung von fünf bis fünfeinhalb Megawatt/Peak Strom zu errichten. Wenn die Planung steht, wird sie noch die Ausschüsse und den Stadtrat in Tangerhütte passieren.

"Aus Uchtdorf sehen wir in Richtung Osten Windräder, im Süden Windräder. Blicken wir in Richtung Westen, sehen wir ein immer größer werdendes Umspannwerk und im Norden haben wir künftig wohl einen Photovoltaikpark vor der Nase. Was kommt als nächstes? Sicher muss es Flächen für solche Vorhaben geben, aber bitte dort, wo sie nicht störend auf das Umfeld wirken, dem Ortsbild nicht schaden und dort, wo nicht Tier- und Pflanzenwelt weichen müssen. Ich spreche im Namen vieler Mitbürger und bitte alle Verantwortlichen dieses Vorhaben noch einmal genauestens zu überdenken", sagt Frank Paasche.