Am 19. April wählen die Tangermünder ihren neuen Bürgermeister. Die Volksstimme gab den Bürgerinnen und Bürgern am Donnerstag die Gelegenheit, die vier Kandidaten um das Amt näher kennenzulernen. Thomas Staudt (CDU) sowie die parteilosen Bewerber Marcus Ippisch, Regine Schönberg und Jürgen Pyrdok waren der Einladung in den Grete-Minde-Saal gefolgt.

Tangermünde l Mit einem Dank an die Tangermünder, die ihm "innerhalb von vier Tagen 100 Unterschriften gaben" startete Marcus Ippisch (53), Diplomkaufmann, am Donnerstag seine Vorstellung vor den 125 Interessenten. Jürgen Pyrdok (57), seit 25 Jahren Hauptamtsleiter der Stadt, betonte: "Ich bringe mit, was von Nutzen sein kann, um die Stadt wirtschaftlich zu entwickeln." Regine Schönberg (55), Leiterin des Tangermünder Tourismusbüros, erklärte: "Ich möchte in die Fußstapfen von August Ulrichs treten, bürgernahe Verwaltung schaffen." "Eine Schippe drauflegen", will Thomas Staudt (41), Geschäftsführer der Firma Busse, wenn es darum geht, die Stadt wirtschaftlich voranzubringen, die Bürger in Stadt und Ortsteilen anzuhören. "Ich weiß, wie man täglich um Geld kämpfen muss. Doch wir haben eine gute Basis, auf die wir aufbauen können."

"Nicht erst anfangen, wenn Autobahn fertig ist."
- Thomas Staudt

Um Wirtschaftsansiedlungen zu erreichen, Bestand zu pflegen, würde Regine Schönberg auf einen Unternehmerstammtisch setzen. Jürgen Pyrdok möchte auf "die zugehen, die es auch wollen". Wirtschaftsförderung passiere schon, "wir reden mit den Unternehmern, aber im Verborgenen". Für Thomas Staudt besteht oberste Priorität darin, "aus dem Flächennutzungsplan einen Bebauungsplan zu machen, um Industrieflächen vorweisen zu können. Ich kann nicht erst damit anfangen, wenn die Autobahn fertig ist."

Zur Innenstadt und einer hier möglichen Fußgängerzone befragt, erklärte Staudt: "Die Händler müssen die Entscheidung zu einer Fußgängerzone übernehmen." Sein Vorschlag: zeitweise an den Wochenenden eine verkehrsfreie Innenstadt testen. Ippisch nannte dies "eine clevere Idee", wusste zudem, dass sich etliche Tangermünder einen Lebensmittelladen und eine Drogerie in der Innenstadt wünschen. "Um festzustellen, wo man steht, sollten wir ein Einzelhandelskonzept erstellen lassen", sagte Pyrdok, was Regine Schönberg "als ein Konzept von außen eher kritisch", sieht. "Es muss sich von innen heraus entwickeln", forderte sie.

Auf die Kultur in der Stadt angesprochen, sagte Jürgen Pyrdok: "Wir haben ein Angebot, um das wir von vielen beneidet werden." Regine Schönberg sieht Potenzial für Open-Air-Veranstaltungen, auch Ippisch denkt, "dass die Stadt in der Lage ist, mehr Menschen aufzunehmen, was unter anderem das Marathonwochenende zeigt". Thomas Staudt erhofft sich "wichtige Impulse für dieses Thema aus dem neuen Ausschuss für Wirtschaftsförderung und Tourismus, der, auch wenn er nicht erwünscht war, jetzt arbeitet und wichtig ist".

Rüdiger Gebhardt aus Tangermünde wollte von Thomas Staudt wissen: "Wollen Sie das Burgfest abschaffen?" Dessen Antwort: "Ich stehe zu diesem Fest, allerdings sollte es qualitätsreicher werden, sich wieder mehr um die Burg und Mittelalter drehen, was vielleicht auch aus freiwilligen Einnahmen finanziert wird."

Renate Adloff erkundigte sich nach der geplanten Zusammenarbeit mit den Senioren. Schönberg sagte: "Die Seniorennachmittage dürfen auf keinen Fall dem Rotstift zum Opfer fallen." Jürgen Pyrdok stellte in Aussicht, "einen lockeren Seniorenbeirat zu entwickeln und regelmäßig daran teilzunehmen". Dass Thomas Staudt "schon seit Jahren an das Wohl der Senioren denkt", erklärte er mit seinem Engagement als Stadtrat für einen fußgängerfreien Ausbau der Langen Fischerstraße und Nebenstraßen, "was allerdings nicht gelang, weil es dafür keine Stimmenmehrheit gab".

"So viel können wir nicht falsch gemacht haben."
- Jürgen Pyrdok

Auf das Kinderbetreuungs- und Bildungssystem in der Stadt angesprochen, betonte Pyrdok, dass "wir die Kita-Betreuung aufrechterhalten müssen". Ippisch unternahm in seiner Antwort einen verbalen Ausflug in die Bildungslandschaft der Altmark, wurde dafür von Regine Schönberg in die Schranken gewiesen. "Wir müssen im Kita- und Hortbereich nachbessern", forderte sie angesichts der fehlenden Kapazitäten und Wartelisten. Thomas Staudt nutzte die Gelegenheit, Buchs Ortsbürgermeister Günter Rettig für dessen Engagement um die Kita in Buch zu danken. "Das hat uns 40 Kita-Plätze gerettet", betonte er. Er erwähnte die Hugo-Meyer-Nachfahren-Stiftung, "ohne die es in diesem Bereich düster aussehen würde".

Bernd Paasche wollte wissen, welche großen Fehler in der Vergangenheit in Tangermünde gemacht wurden. "So viel können wir nicht falsch gemacht haben", erwiderte Pyrdok. "Das unflexible Standesamtwesen, die fehlende Wirtschaftsförderung und zu viel privatisierte Kultur" fielen Schönberg ein. Staudt nannte die Stadt "ein Stück weit geblendet vom Alltag, weil gebaut wurde, ohne an die Erhaltung zu denken". Außerdem würden Konzepte für Wirtschaft und Tourismus fehlen, die Ortschaften vergessen worden sein, "denn niemand, der auf dem Elbdeich unterwegs ist, wird darauf hingewiesen, dass in nur drei Kilometer Entfernung in Buch ein Roland steht".

Ein "klares Ja" zur Zukunft aller Feuerwehren gab es von Thomas Staudt, Regine Schönberg und Marcus Ippisch. "Wir werden Prioritäten setzen und schrittweise das Geld zum Erhalten einsetzen müssen", sagte Jürgen Pyrdok.

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