In einem Zwei-Personen-Stück arbeitet sich Regisseur Robert Grzywotz an der Welt nach den islamistischen Anschlägen des 11. September 2001 ab. Beide Hauptakteure sind keine gelernten Schauspieler - brillieren aber trotzdem.

Stendal l Amy sitzt im Flugzeug neben einem gut aussehenden Dunkelhäutigen. Sie sieht ihn ein Messer verstauen. Dann sieht sie einen Teppich im Gepäcknetz. Nein, keine Yoga-Matte, wie sie erst denkt, sondern ein Gebetsteppich. Da erst bekommt sie es mit der Angst zu tun!

Fremdländisches Aussehen, Messer und Gebetsteppich - wenn das kein Islamist ist! (Denn die laufen ja immer mit Messer und Teppich herum!)

Stück ist ein Paradebeispiel für englischen Humor

Amy sollte schreien, alle alarmieren. Stattdessen verliebt sie sich in Mohammed und lässt ihn in ihrem Londoner Loft wohnen. Sie erlebt mit ihm den besten Orgasmus ihres bisherigen Lebens und gewährt Bin Laden und weiteren zukünftigen Selbstmordattentätern (denn das ist Mohammeds "Bestimmung") Unterschlupf. Der Liebe zu Mohammed wegen vergisst sie nicht nur, dass ihr Freund 2001 im brennenden World Trade Center ums Leben kam, - nein! sie möchte sogar mithelfen, Disneyland Paris in die Luft zu sprengen!

"Das Produkt", das am Donnerstag im Kaisersaal des Theatercafés Premiere gefeiert hat, ist eine bitterböse, völlig skurrile Satire. Eine Satire auf die Katastrophenversessenheit, auf das Ergötzen am Schrecklichen (möglichst gepaart mit pornographischen Elementen) der Medien.

Denn das, was Protagonistin Amy passiert, ist das Hirngespinst eines Drehbuchautors. James hat sich diese Geschichte ausgedacht und versucht nun, die Schauspielerin Olivia zu überzeugen. Immer verrückter und absurder wird diese Geschichte, die James zu gern verfilmt sehen möchte. James steigert sich hinein, manchmal verwischen die Grenzen zwischen seinen Filmcharakteren und Olivia und ihm.

"Das Produkt" ist ein Paradebeispiel für den berühmten englischen schwarzen Humor. Kein Wunder, denn es stammt aus der Feder des britischen Autors Mark Ravenhill, der für sein "In-yer-face-theatre" (also Theater, das den Zuschauer wie eine Ohrfeige treffen soll) bekannt ist.

Protagonistin spielt ein Stunde ohne Worte

Robert Grzywotz hat diese Satire für die Stendaler Bühne inszeniert. Olivia wird von Jasmin Schubert, James von Janko Claus gespielt. Beide sind seit längerem mit dem Theater der Altmark verbunden. Schubert hat etliche Stücke als Regieassistentin begleitet, Claus ist in Produktionen des Spielclubs "Die junggebliebenen Altmärker" und als König der Sarazenen beim "Ritter Roland" zu sehen gewesen. Beide also keine "gelernten" Schauspieler. Olivia sagt nichts auf der Bühne, denn der redewütige James lässt sie nicht zu Wort kommen. Eine stumme Rolle ist übrigens nicht so leicht wie es sich anhören mag. Immerhin müssen Mimik und Körpersprache ebenfalls passen. Und das tun sie bei Jasmin Schubert auf jeden Fall.

Janko Claus alias James spielt eine gute Stunde lang einen Monolog. Er schreit, er flüstert, er gerät durch seine eigenen Ideen in Ekstase, er leckt sich lüstern die Lippen beim Gedanken an die Sexszenen. Dieser Laiendarsteller, zur Zeit mit der Abschlussarbeit in Psychologie beschäftigt, ist ein wirkliches Ausnahmetalent! Unter Grzywotz´ Leitung hat er Großartiges geleistet. Hut ab! Am Ende gab es viel und verdienten Applaus.

Das Publikum hat sich köstlich amüsiert und konnte mit dem schwarzen Humor Ravenhills mitgehen. Natürlich ist das Stück ein wenig veraltet. Denn die Medien (insbesondere die Filmbranche) hat das Thema 11. September und Folgen nicht dermaßen sensationslüstern ausgenutzt wie von Ravenhill befürchtet. Auf unsere Islamphobie müssen wir jedoch ein Auge haben.

Das Stück ist noch einmal zu sehen am Donnerstag, 16.April, 20 Uhr im Kaisersaal, Restkarten an der Theaterkasse, Telefon 03931/635777 .