Tangermünde l "Kehre dich um, von diesen Höhen, nach der Stadt zurück zu sehen. Aus dem hohlen finstern Tor dringt ein buntes Gewimmel hervor...", heißt es in Goethes "Osterspaziergang" und passt so wunderbar zu dem, was sich gestern in der Natur rund um Tangermünde abspielte.

Wenn fast 2000 Läufer an den Start gehen, wäre es allzu verständlich, dass die Ruhe in der Natur gestört ist. Doch wer gestern Zeit hatte, die Läufer ein Stück weit zu begleiten, der wird erstaunt gewesen sein, welche Stille in diesem Lauf mitschwingt. Nicht einmal das Laufen selbst verursacht störende Geräusche. Der Frühling mit seinem Vogelgezwitscher übertönt den kunterbunten Läuferpulk mit Leichtigkeit. "Schweratmer" sind die, die zu hören sind. Läufergespräche gibt es hin und wieder. Die Aktiven sind ganz bei sich, so scheint es, haben ihr Ziel vor Augen, das sie gleichmäßig ansteuern.

Durchbrochen wird diese ruhige Frühlingsidylle gut 40 Minuten nach dem Marathonstart. Während die 10-Kilometer-Läufer auf dem Weg zum Nabu-Aussichtsturm und dem dortigen Wendepunkt sind, kommt ihnen auf dem Onkel-Toms-Hütte-Deich bereits der erste Marathonläufer entgegen. Die beiden vorausfahrenden Radfahrer brüllen für ihn die Bahn frei. Von den Sportlern der kurzen Distanz gibt es für diesen Sprinter immer wieder spontanen Beifall.

Am Bölsdorfer Haken herrscht Hochstimmung. Die Triathleten des Tangermünder Leichtathletikvereins betreuen hier einen Versorgungspunkt. Aus einem Auto schallt laute Musik. Die Athleten feuern die Läufer an, verteilen Getränke. "Das ist wunderbar", freut sich eine ältere Läuferin, die ziemlich am Ende ihren Rhythmus läuft. "Die Ruhe in der Natur, und wenige Kilometer später wieder der herzliche und laute Empfang der Menschen", lobt sie die Atmosphäre.

Läufer, die Zeit haben oder sich auch nehmen, das Rundum dieses 8. Tangermünder Elbdeichmarathons wahrzunehmen, durchlaufen allesamt im wahrsten Sinne ein Wechselbad der Gefühle. Frei von Autolärm und anderen Motorengeräuschen sind sie viele Kilometer eins mit der Natur, wenn sie nicht gerade mit der eigenen Beschallung im Ohr unterwegs sind. Dann wieder gibt es Motivation durch die Menschenmengen an den Straßenrändern in Bölsdorf und Buch sowie auf dem Deich.

"Danke, danke", sagt eine Läuferin in Buch immer wieder, überwältigt von der Begeisterung, die ihr und den anderen entgegengebracht wird. Denn nicht nur in dem Elbedorf haben wieder viele Freiwillige dafür gesorgt, dass die Marathonteilnehmer motiviert über die Kilometer kommen. Auch in Bölsdorf, in Tangermünde und überall an der Strecke gibt es Helfer, Zuschauer, die jubeln, Getränke und Obst ausgeben, die Richtung weisen, sich um die Gesundheit kümmern.

Selbst gemalte Plakate, Wimpelketten, Luftballons, Musik und flotte Zurufe muntern auf und geben Schwung für die nächsten Kilometer - mal mit Wind von vorn, von der Seite, zuletzt aber auch im Rücken.

Dass Tangermündes Bürgermeister Rudolf Opitz, zum letzten Mal Schirmherr der Veranstaltung, nicht nur ein gutes Gespür für das Jahr für Jahr passend "bestellte" Wetter hat, sondern auch für die entscheidenden Momente, das zeigt er gestern ebenfalls. Als der Sieger des Marathonlaufes die Ziellinie erreicht, ist auch Opitz als Zuschauer am Zielzaun eingetroffen.

Während der Begrüßung am Morgen, zu der Innenminister Holger Stahlknecht Abteilungsleiterin Beate Bettecken in Vertretung gesandt hatte, sagt Carsten Birkholz vom Vereinsvorstand zu dem riesigen Läuferpulk: "Verzeiht uns kleine Fehler. Wir alle hier machen das neben unserem Job."

Allerdings gibt es vom Gros der Aktiven nur lobende Worte: "Es wird jedes Jahr immer noch ein bisschen besser", lobt Falk Heidel aus Genthin das "Rundum-Sorglos-Paket", das den Läufern geboten wird. "Nun ist sogar die Kleiderannahme hier am Hafen", freut er sich. Über die Duschen vor Ort staunen viele ganz besonders.

"Jetzt sehe ich erst einmal, wie viel Arbeit dahinter steckt", berichtet Dörte Wieske, die wie einige andere Tangermünder gern als Helfer dabei ist, dafür sorgt, dass sich alle Läufer gut aufgehoben fühlen. In diesem Jahr gab sie die Startnummern mit aus - am Sonnabendnachmittag und Sonntagmorgen herrschte Hochbetrieb im Zelt.

Fünf junge Männer aus Niedersachsen genießen die Entspannung nach der Anspannung. Sie haben den Halbmarathon gemeistert, sich im Zieleinlauf "verwöhnen lassen", beschreibt es einer von ihnen. "Und jetzt gehen wir noch zur Massage", freut sich der nächste. Auch dieses kostenlose Angebot gehört von Beginn an in Tangermünde dazu. Ines Nagel-Timme und ihr Team sorgen für Muskellockerung nach dem Wettkampf.