Stendal l Im Juni 1999 wurde das Postgebäude an der Hallstraße geschlossen, seit fast 16Jahren steht der denkmalgeschützte Bau leer. Damit das Gebäude nicht verfällt, soll ab Mitte des Jahres mit Sicherungsmaßnahmen für die Substanz begonnen werden. Der Stadtrat hat dafür bereits im Jahre 2012 städtebauliche Fördermittel freigegeben. 150000Euro stehen für dieses Jahr bereit, 2016 sind es weitere 50000 Euro. Das Geld stammt aus Bundes- und Landesmitteln und wird durch einen Eigenanteil der Stadt ergänzt.

Für eine Fassadensanierung sind für das kommende Jahr 84000 Euro vom städtischen Bauamt an Fördergeld für den privaten Investor eingestellt worden. Dem Bauaufsichtsamt liegen bislang keine Anträge und Anfragen vor, wie aus einem städtischen Schreiben an die Stadträtin Birgit Köpke (Linkspartei) hervorgeht. Sie hatte sich in der Stadtratssitzung am 23. Februar nach dem aktuellen Stand erkundigt. Der Stendaler Investor, der das Gebäude im Februar 2014 erworben hat, möchte dort spätestens ab 2016 bauen, wie er gestern der Volksstimme bestätigte.

Zu DDR-Zeiten gab es Senkungen am Gebäude

"Schon zu DDR-Zeiten hat es Senkungen am dem Gebäude gegeben", sagt der Stendaler Hermann Kuhlmann. Das Hochbauamt in Magdeburg habe in den 1980er Jahren die Statik untersucht und sogar eine vorübergehende Schließung erwogen. Der 89-Jährige, der selbst rund 30Jahre dort arbeitete, hat die Postgeschichte der Stadt aufgearbeitet und kennt sich in dem ab 1877 in mehreren Etappen gebauten, repräsentativen Gebäude an der Hallstraße bestens aus. "Das Uchtetal verlief an der Stelle des heutigen Gebäudes", sagt Kuhlmann. Dieser feuchte Untergrund sei die Ursache für die Versackungen und möglicherweise auch der Grund, warum dort nicht längst etwas Neues gebaut worden sei.

Immerhin hat das Gebäude eine Nutzfläche von 2200Quadratmetern. Schon 2003 plante ein Magdeburger Architekt dort einen kleinen Supermarkt, der über eine Passage Verbindung zur Breiten Straße haben sollte. Spätere Ideen waren ein Seniorenheim und auch Studentenwohnungen. Der jetzige Investor möchte dort "ganz normale" Wohnungen einrichten, wie er gestern der Volksstimme gegenüber bestätigte. Ziel sei es, spätestens 2016 damit zu beginnen. "Die Zinsen sind günstig. Wann, wenn nicht jetzt, sollte man damit anfangen", so der Investor. Allerdings habe er bedingt durch andere Projekte derzeit nicht die ausreichende Zeit, sich mit Hochdruck um das Postgebäude zu kümmern.

Parkplatzvertrag muss verlängert werden

Auch der Bau der Parkplätze auf dem ehemals zur Post dazugehörenden Gelände wird sich weiter verzögern (die Volksstimme berichtete). Die Parkplätze sind eine Auflage für die Firma C A, die vor vier Jahren ihre Ladenfläche an der Breiten Straße erweitert hat. Nach einem Vertrag vom 21. Juli 2011 sollten bis spätestens 30. Juni 2014 insgesamt 61 Parkplätze geschaffen werden. Bis jetzt seien "noch nicht alle baurechtlichen Voraussetzungen gegeben", teilte die Verwaltung gestern mit, so dass eine Verlängerung der Vereinbarung notwendig sei. Auf weitere Nachfrage hieß es, dass bestimmte Gutachten wie Schallgutachten noch nicht fertig seien, was vom Investor nicht zu verantworten sei.

Der Investor des Postgebäudes sagt: "Vielleicht muss man noch mal grundsätzlich überlegen, ob der Parkplatz an der Stelle sinnvoll ist."

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