Stendal l Tolerant, innovativ, nicht ängstlich, stark, kämpferisch - Hardy Peter Güssau sparte nicht mit Attributen, um die CDU-Fraktionen früherer Stadträte und die des aktuellen zu beschreiben. "Wir sind die stärkste Fraktion, und wir wollen es bleiben", nannte er das Wahlziel. Auch als stärkste Fraktion "hatten wir nie die Mehrheit, aber wir haben uns immer Mehrheiten organisiert", reagierte der Fraktionsvorsitzende erneut auf Aussagen von Reiner Instenberg, OB-Kandidat der SPD und deren Spitzenkandidat zur Stadtratswahl, dass "die Mehrheit der CDU und der Ortsbürgermeister" im Stadtrat die SPD "zu oft abgebügelt" hätte.

"Unsere Fraktion ist nicht ängstlich gewesen. Wir sind mit Argumenten nach vorn gegangen und haben für unsere Themen gekämpft", beschrieb Güssau die bisherige Arbeit. Beim Beispiel dafür ging er zurück ins Jahr 2002: zum Verkauf von Stadtwerke-Anteilen. Viele Dinge, die sich die Stadt heute leisten könne, basieren auf der damaligen Entscheidung der anwesenden Stadträte - PDS- und SPD-Fraktion waren der Sitzung ferngeblieben (bis auf Lars Schirmer). Das TdA und andere Einrichtungen gäbe es ohne den Anteilsverkauf nicht mehr, vermutet Güssau: "Stendal hätte eine Entwicklung genommen wie leider viele andere Kommunen."

"Wir sind in Stendal wer, wir brauchen uns nicht zu verstecken"

Hardy Peter Güssau, Spitzenkandidat

Als Beispiel für die Innovation seiner Fraktion nannte er den Einsatz für den Netto-Markt, "denn damit haben wir Arbeitsplätze erhalten". Und dass die CDU "die toleranteste Gruppe im Stadtrat" ist, belegte Güssau am Beispiel Sylvia Gohsrich. Als parteilose Spitzenkandidatin war sie 2014 für die Bündnisgrünen in den Stadtrat eingezogen, hatte sich der Fraktion CDU/Landgemeinden angeschlossen. Vor der anstehenden Wahl haben die Grünen aber festgelegt: Eine weitere Zusammenarbeit mit der CDU-Fraktion soll es nicht geben. "Gerade die Grünen, die sonst für alles eintreten, sind an dieser Stelle überhaupt nicht tolerant", sagte Güssau und erwähnte die Überlegung, den Zusatz "Grüne" aus dem Fraktionsnamen zu streichen. Sylvia Gohsrich möchte die Zusammenarbeit gern fortsetzen - und kandidiert diesmal als Parteilose auf der CDU-Liste.

Mit Blick in die Zukunft "sage ich mit Zuversicht: Wir sind eine starke Gruppe, denn wir sind in Stendal wer. Wir brauchen uns nicht zu verstecken", schwor ein selbstbewusster Stadtverbandsvorsitzender seine Parteifreunde auf den Wahlkampf ein. Güssau: "Wir wollen uns auch weiter um unsere Stadt kümmern, wir mischen uns weiter ein. Wir wollen als Stadträte gestalten und nicht verwalten." Wenn er heute von seiner Fraktion spreche, dann bewusst von CDU und Landgemeinden, betonte Güssau, "denn Stendal ist mehr als nur die Stadt, auch die Ortsteile wollen vertreten sein".

Nach dieser Einstiegsrede ging es an die Kandidatenkür. Bereits am Vorabend hatte der Stadtvorstand eine Liste zusammengestellt, die den 35 anwesenden Mitgliedern - insgesamt hat der Verband 117 - vorgeschlagen wurde. Ohne Diskussion wurden die Platzierungen akzeptiert, so dass in geheimer Wahl nur noch darüber abstimmt werden musste, wer es auf die Liste schafft - jeder, der mehr als die mindestens 18 notwendigen Stimmen bekam. Alle Bewerber nahmen diese Hürde. Mit 34 von 35 Stimmen fuhr der Stadtratsvorsitzende Thomas Weise das beste Ergebnis ein, Spitzenkandidat Güssau erhielt 32 Stimmen. Als Versammlungsleiter hatte der CDU-Kreisvorsitzende Wolfgang Kühnel zuvor nur die Namen der Kandidaten verlesen, eine kurze Vorstellung - wie bei anderen Parteien gehandhabt - gab es nicht.

Die Liste basiert auf den Funktionen im aktuellen Stadtrat: Dem Fraktions- und Stadtverbandsvorsitzenden folgen die beiden stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden, dann die weiteren CDU-Mitglieder im Hauptausschuss, der Stadtratsvorsitzende, die Ausschussvorsitzenden, dann Sylvia Gohsrich und anschließend in alphabetischer Reihenfolge die anderen Fraktionsmitglieder. Danach kommen, ebenfalls alphabetisch geordnet, die weiteren Bewerber.

Die 31 Männer und Frauen auf der offenen CDU-Liste "machen sich jetzt auf, die Fahnen hochzuhalten", gab Güssau verbal den Startschuss für den Stadtratswahlkampf - den Blick nach vorn gerichtet. Noch einmal zurück soll er kommende Woche gehen. Dann trifft sich der Stadtverband, um darüber zu sprechen, warum die Wiederholungswahl überhaupt notwendig wurde: Wahlfälschung und Verwaltungspannen bei der Wahl und der Briefwahl-Nachwahl. Am Mittwochabend wurde das Thema komplett ausgelassen.