Stendal l Fischgräten, Schuppen, Knochen, Kirsch- und Pflaumenkerne, Keramikscherben, Glas, Lederstücke, Pfähle und Wandreste sowie ein Kuppelofen kamen in den vergangenen Wochen bei archäologischen Grabungen in Stendal in der Bruchstraße zum Vorschein. Wohlgemerkt, es handelt sich um Funde aus dem 12. bis 14. Jahrhundert.

"Die Funde sind jetzt an sich nicht übermäßig spektakulär, aber sie stammen aus der Anfangszeit der Stadt", sagt Grabungsleiterin Juliane Huthmann vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie in Halle/Saale.

In den letzten Wochen hätten immer mal wieder Passanten sich durch den Zaun hindurch erkundigt, ob denn schon etwas Interessantes gefunden worden sei, sagt die Archäologin. "Ich sage dann immer, das liegt im Auge des Betrachters", so Huthmann. Es seien schon ganz erstaunliche Funde, wenn man organische Gegenstände wie Fischgräten und Tierknochen aus dem Mittelalter finde. Dies liege an der Beschaffenheit des Bodens, der in Stendal lehmig ist und oberhalb eine Torfschicht enthalte.

Gebuddelt werden darf nur dort, wo bald gebaut wird

Ursprünglich stand an der letzten Grabungsstelle die Gastwirtschaft "Zur guten Quelle". "Das Haus hatte keinen Keller, daher sind die Bodenschichten unberührt", sagt die Archäologin. Sie darf exakt nur auf dem Grundriss buddeln und vermessen, wo demnächst ein neues Gebäude entsteht. Begonnen hatte die Grabungsarbeit auf dem Nachbargrundstück, wo derzeit ein Gebäude saniert und zu einem Wohn- und Geschäftshaus hergerichtet wird. Auch dort gab es Besiedlungsfunde, die 500 bis 700 Jahre alt sind.

Pfähle erlauben die exakte Datierung bis auf das Jahr

Juliane Huthmann dokumentiert die genaue Lage der Funde. "Wir arbeiten digital", sagt sie. Fotos werden mit Messpunkten versehen. Bis Mitte Mai werde die Auswertung noch dauern, wenn die Arbeit vor Ort am heutigen Freitag endet. Insbesondere die Holzpfähle sind ein wichtiges Mittel zur Datierung. "Wir haben Pfähle mit Rinde, so dass wir auf die Jahreszahl genau feststellen können, wann die Bäume gefällt worden sind", sagt Huthmann. Die Fisch- und Knochenreste gehen an einen Archäozoologen, der daraus Rückschlüsse auf Tierarten und ihre damalige Ausprägung ziehen kann.

Viele Hölzer wurden bei Resten eines Knüppeldamms gefunden. "Da das Gebiet sehr feucht war, haben die Menschen Möglichkeiten gesucht, sich möglichst trocken fortzubewegen." Mit Hölzern hätten sie Wege durch den Morast gelegt. Neben dem Holz helfen auch die Keramikscherben bei der Datierung. Form, Farbe und Brennart geben Aufschluss. "Das ist wie auf dem Flohmarkt, da weiß man auch, dass ein Geschirr aus den 1960er Jahren stammt", sagt Huthmann.

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