Stendal l Der Stendaler Poetry-Slam entwickelt sich zu einem echten Event in der Kulturszene der Hansestadt. Zu Beginn eines jeden Semesters veranstaltet der Studentenverein StuVe gemeinsam mit dem Theater der Altmark diesen modernen Dichterwettstreit. Auch am Dienstagabend lockte der mittlerweile 6. Poetry-Slam wieder zahlreiche Gäste in das Theater-Café. Erstmalig fand das Spektakel unter dem Namen "Slamdal" statt, sagte der Moderator für diesen Abend, Marvin Theilig.

In zwei Runden dichteten die vier antretenden Hobbypoeten um die Gunst des Publikums, welches von den Darbietungen emotional bewegt, peinlich berührt und köstlich amüsiert war. Für die musikalische Unterhaltung sorgte die Sängerin "Sarah" mit traumhaften Balladen. Außerhalb der Wertung, aber vom Publikum mit Applaus überschüttet, strapazierte Profislammer Aida alias Andreas in der Au die Lachmuskeln der 155 Gäste. Der Erfurter ist im wahren Leben Steuerberater, hat aber, wie er berichtete, bereits 600 Poetry-Slam-Auftritte hinter sich, war sogar schon thüringischer Landesmeister.

Mit viel Selbstironie zog er über seine Körperfülle und sein vorangeschrittenes Alter, Aida ist Anfang 30, her. Dazu lieferte er gekonnt stimmakustische Untermalung.

Ebenso gekonnt punktete der Stendaler Heiko Wisny mit seiner Stimme. Zwischendurch ließ er eine Beatbox durch sein Mikrofon ertönen. In seinem Vortrag über Wände beziehungsweise Wende nahm er Bezug auf seine ostdeutsche Heimat. Den Text hatte er, wie er sagte, erst am Vorabend verfasst. Doch das reichte immerhin für den dritten Platz.

Nur drei Stunden vor Beginn der Veranstaltung hatte Fabian Januszewski seine Texte gedichtet. "Kommende Woche warten die Abiprüfungen auf mich", sagte der Gymnasiast. Der erste Platz, den er an diesem Abend belegte, werde ihm das nötige Selbstvertrauen dafür geben. Auch wenn es letztlich nur zu einem Notendurchschnitt von 2,4 reichen würde, wie der 18-Jährige in einem seiner Texte erzählte.

Knapp hinter Fabian Januszewski schaffte es der Student Markus Jürisch auf den zweiten Platz. Mit Szenen aus einer Trauerfeier stimmte er das Publikum nachdenklich. Metaphorisch malte er zudem ein buntes Herbstbild aus dem Spreewald.

Für den vierten Platz reichten an diesem Abend die zwar amüsanten, doch recht schlüpfrigen Beziehungsgeschichten, die der Journalist Kai Zuber über sich und seine fiktive Freundin Abigail vortrug. Den Applaus des Publikums hatten sich jedoch alle Hobbydichter redlich verdient.

   

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