Sie sind in Japan beheimatet oder im Amazonas-Gebiet: die Kois, Rochen und Arowana. Dank Dennis Seidel gibt es diese exotischen Fische aber auch in der Altmark, denn vor gut zwei Jahren hat er in Gohre aus einem Hobby einen Nebenerwerb gemacht.

Gohre l Dennis Seidel hat in der Szene einen guten Ruf - weit über die Altmark hinaus. Und so war er jüngst für den TV-Moderator und Tierschützer Frank Weber die erste Adresse, als der für einen Beitrag im Tiermagazin "Hundkatzemaus" nach einem neuen Zuhause für drei Rochen gesucht hatte. Nach 15 Jahren musste ein Zoofachhändler in Hanau seinen Laden schließen. Weil seine eigene Suche lange erfolglos blieb, hatte sich der Händler ans Fernsehen gewandt. Die Redaktion stieß bei ihren Recherchen auf Dennis Seidel, der in Dahlen wohnt und im Nachbarort Gohre sein Geschäft Koi Fischwelten FantastFisch betreibt.

"Ich bekam einen Anruf von Frank Weber", erinnert sich Dennis Seidel. Nachdem er seine Hilfe zugesagt hatte, folgten wenig später schon die Dreharbeiten. Dennis Seidel wurde vom Abholen der Tiere in Hanau bis zur Ankunft in Gohre begleitet. Drei Drehtage hat das Ganze gedauert. "Mittlerweile haben die Rochen aus der Sendung bei einem Stendaler ein neues Zuhause gefunden. Er hat das entsprechende Becken und die Voraussetzungen", berichtet der Fischfreund, der sein Hobby im Jahr 2012 zum Nebenberuf gemacht hat, denn er ist weiterhin für eine Versicherung tätig, hat sein Büro in Magdeburg.

Schon seit seiner Kindheit in Stendal faszinieren ihn Fische und alles, "was mit Wasser zutun hat". Aber spätestens, seit er vor einigen Jahren für seine Familie in Dahlen ein Haus gebaut, dort einen Teich angelegt und diesen mit Japan-Kois besetzt hatte, war sein Interesse an diesem besonderen Fisch geweckt. "Da kam mir der Gedanke: Da kann man mehr draus machen", sagt Dennis Seidel. So kam ihm die Geschäftsidee, und mit einem ehemaligen Autohaus in Gohre, nah an der Bundesstraße 189 gelegen, hatte er bald auch die passende Immobilie im Blick. "Im Vorbeifahren habe ich jedes Mal gedacht, dass das ein schönes Objekt ist." Einige Monate später gehörte es ihm.

"Die Rochen sind handzahm und lassen sich streicheln"

Zwischenzeitlich hatten es ihm nicht nur japanische Kois angetan, sondern auch Rochen. "Und dann hatte ich die Idee, Arowana hinzuzunehmen. Diese Süßwasser-Raubfische hat nicht jeder, die passen aber gut zum Rochen", erklärt Dennis Seidel.

Neben den großen Aquarien und Becken im Laden sowie Angeboten für Garten- und Schwimmteiche gibt es auf dem Gelände ein kleines Café mit gemütlichen Sitzecken (mit bester Sicht auf die Aquarien), einen Veranstaltungsraum für Feiern und im Außenbereich eine Minigolf-Anlage. Vor einer Woche wurde dort die Freiluftsaison eröffnet.

"Ich will mich von den Großmärkten abgrenzen. Ich möchte etwas, wo die Leute hinkommen und etwas sehen, was sie sonst nicht sehen", sagt Dennis Seidel und zeigt auf die seltenen Fische, darunter die Arowana aus dem Amazonas-Gebiet. Ihre asiatischen Artgenossen stehen sogar schon unter Schutz, weil sie vom Aussterben bedroht sind. Der sogenannte Drachenfisch gilt in seiner asiatischen Heimat als Glücksfisch, als Fisch der Glückseligkeit.

Aus dem Amazonas-Gebiet kommen auch seine Rochen. Dass die nicht ungefährlich sind, hat Dennis Seidel schon am eigenen Leib erfahren - die Narbe an einer Hand ist Beweis dafür. Denn die Rochen haben einen Giftstachel, darin ein lähmendes Gift. "Zweimal wurde ich schon gestochen", erzählt der Fischfreund und beschreibt, wie nach dem Stich das Kribbeln von der Hand immer weiter den Arm hochgekrochen ist. Das Problem: ein chemisches Gegenmittel gibt es nicht.

Zum Glück ist Dennis Seidel aber seit Jahren mit Gerd Schulz aus Meißen befreundet, der ihn für die Rochen begeistert und die ersten Tiere für die Zucht zur Verfügung gestellt hatte, der ihn auch heute noch gern berät. Von dem Sachsen kam prompt der Rat: Sofort die Hand und den Arm in heißes Wasser! Es hat geholfen. Denn Teile des Giftes sind nicht hitzebeständig und werden so unwirksam.

Jetzt haben die Rochen Plastikröhrchen über dem Giftstachel. Gut so, "denn sie sind handzahm und lassen sich streicheln. Die kleinen fühlen sich samtig an, die großen haben eine raue Haut", erklärt der Züchter. Die Amazonas-Rochen fühlen sich offensichtlich wohl, denn es gab schon mehrfach Nachwuchs. Dass der unterwegs ist, ist auf der oberen Seite der weiblichen Tiere nicht zu übersehen. Denn die Jungtiere, die lebend geboren werden, bilden unter der Haut wachsende Huckel.

"Die erste Reise nach Japan, das waren unbezahlbare Lehrtage"

Bei den Kois, die er seinen Kunden anbietet, überlässt der Dahlener nichts dem Zufall. Einmal im Jahr fliegt er nach Japan zur international bekannten Züchterfamilie Ogata. Einer der beiden Ogata-Brüder spricht gut Deutsch, betreut auch ein Geschäft in Frankfurt/Main. Von ihm bekam der Altmärker viele wertvolle Tipps, aber auch von Hans-Jürgen Ninke, Chefredakteur vom Koi-Kurier, dem Fachmann in Deutschland überhaupt. "Er hat mir vieles beigebracht", sagt Seidel. Die gemeinsame Reise nach Japan bezeichnet Seidel als "Lehrtage, die unbezahlbar sind".

Und so bietet er handselektierte Kois an, dazu gibt es ein Ogata-Zertifikat. Kunden hat Dennis Seidel in ganz Deutschland und in den Anrainerländern. Etwa die Hälfte des Umsatzes macht er mit Internetverkäufen. Mittlerweile ist der Altmärker über die Fische hinaus zum Japan-Fan geworden. Darum gehören zur jährlichen Reise immer auch Ausflüge, um Land und Leute kennenzulernen.

In einem Becken in seinem Gohrer Geschäft schwimmen ganz besondere Kois: die, die Dennis Seidel bei Ausstellungen und Shows zeigt, unter anderem in diesem Jahr bei der Expo Germany in Berlin.

 

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