Landleben ist etwas Wunderbares. Barbara Bleis aus Schönhausen lebt es nicht nur. Sie engagiert sich dafür, dass es für möglichst viele Menschen attraktiv bleibt, auf dem Dorf zu leben.

Schönhausen l Man hört ihn noch heraus, den norddeutschen Dialekt, in dem Barbara Bleis von ihrer neuen Heimat schwärmt. "Hier auf dem Land zu leben, das ist für mich wie Luxus. Die weite und schöne Landschaft, das Freie, die herzlichen Menschen..." All das fanden die junge Frau und ihre Familie in Schönhausen. 1992 kam sie aus dem nördlichen Elbe-Weser-Dreieck, aus "Fischtown" Bremerhaven, ins Elb-Havel-Land, nach Schönhausen. Dort waren einst die Großeltern von Bernd Bleis zu Hause. Landwirt war der Großvater, auf eigenem Hof. Und der sollte nun das Zuhause und die wirtschaftliche Existenz von Bernd und Barbara Bleis werden. Sie machten sich daran, den großelterlichen Familienbetrieb wiederzubeleben. Ackerbau und Milchwirtschaft.

Das ist alles andere als ein Acht-Stunden-Job. Barbara Bleis nickt mit vielsagendem Lächeln. Die Agrarmanagerin weiß, in welche Richtung die Bemerkung ihres Gegenübers geht und kommt seiner nächsten Frage zuvor: "Trotzdem ist es mir noch gut möglich, einiges nebenher zu erledigen."

Bei den Landfrauen und als Schiedsfrau aktiv

Dieses "Nebenher" ist ihr wichtig. Es ist ein Teil des Dorflebens, und Barbara Bleis hob es vor rund 20 Jahren in Schönhausen mit aus der Taufe - den Landfrauenverein. Ohne ihn wäre das Landleben auch hier in Schönhausen ein bisschen weniger bunt, gäbe es das Mäuse-im-Heu-Suchen für die Kinder während des Dorffestes ebenso wenig wie die im Rahmen des Projektes "Kunst öffnet Türen" von den Landfrauen gestalteten Pforten oder die Vortragsveranstaltungen, die nicht nur Vereinsmitglieder anlocken, die Schau-ins-Land-Ausflüge und und und. Die Schönhausener Landfrauen seien eine kreative Truppe, sagt Barbara Bleis, die auch formulieren hätte können: "Meine Landfrauen...". In den vergangenen vier Jahren war sie deren Vorsitzende, seit diesem Jahr ist sie stellvertretende Chefin. Im Kreisverband mischt sie im Vorstand mit, Schiedsfrau in der Einheitsgemeinde ist sie und seit Mitte April auch zertifizierte Demokratieberaterin des Landeslandfrauenverbandes.

Eine von neun in Sachsen-Anhalt und neben Alexandra Tinneberg aus Meßdorf eine von zweien in der Altmark. Allerdings liegt Barbara Bleis der etwas sperrige Begriff nicht so. Schließlich laufe sie nicht mit irgendwelchen schlauen Büchern von Verein zu Verein und berate in Sachen Demokratie.

Es gehe eher darum, Demokratie zu leben, zu gestalten. In den Vereinen auf dem Land schlägt das Herz des Dorfes. Man könnte auch sagen, was die Schönhausener Landfrauen und auch viele andere im Landkreis betrifft: Da pulsiert das Leben. Da kommt auch auf den Tisch, was nicht rund läuft, was nicht gefällt, was man nicht unbedingt hinnehmen sollte. Und wie geht man nun damit um? Die Antworten darauf gehören zu dem Rüstzeug, das sich die Demokratieberaterinnen des Landfrauenverbandes in den vergangenen knapp zwei Jahren auf 14 Seminare verteilt in rund 200 Stunden angeeignet haben. Da ging es um Kommunikation, um Konfliktbewältigung, um Vereinsrecht, um den Umgang mit PC und Internet, aber auch um Rechtsextremismus und -populismus und den Umgang damit.

"Das sind alles Themen, die mich interessieren und da hab ich gedacht: Da mach ich mal mit", schildert Barbara Bleis in wenigen Worten, warum sie - schon wieder dieser sperrige Begriff - Demokratieberaterin wurde. "Das Projekt heißt eigentlich PowLa - Frauenpower bringt Demokratie aufs Land. Das gefällt mir schon besser", sagt sie. Dafür sorgen, dass das Leben im Dorf lebenswert bleibt und so gut, wie sie es in Schönhausen erlebt, das will Barbara Bleis. Und dann schwärmt die Schönhauserin, zu der sie in den vergangenen 20 Jahren wurde, wieder von ihren Dorf.

Ritt durch den Wald und über Elbwiesen

"Hier ist doch vieles noch intakt. Ein Ort mit Post, mit Bank, Kindereinrichtung und Ärzten, Einkaufsmöglichkeiten. So wie man sich das wünscht. Und die Natur direkt vor der Tür. Rauf aufs Pferd und gleich hinterm Dorf durch den Wald reiten oder ein paar Stunden durch die Elbwiesen. Das ist doch Luxus pur, oder?" Damit das so bleibt, bringt Barbara Bleis gern Frauenpower aufs Land und lädt jeden, besser gesagt jede dazu ein, die es wie sie "viel schöner" findet, "sich einmal im Monat mit den Frauen im Dorf zu treffen, was gemeinsam zu unternehmen und was zu bewegen, als an so einem Abend vor dem Fernseher zu hocken".