Zwei Wochen sind seit der Bürgermeisterwahl in Tangermünde vergangen. Jürgen Pyrdok, Hauptamtsleiter der Stadtverwaltung, siegte im ersten Wahlgang. Noch immer gibt er sich nicht als der strahlende Sieger. Zunächst geht der Alltag für ihn im Stadthaus weiter.

Von Anke Hoffmeister

Tangermünde l Wer meint, im Stadthaus von Tangermünde würden seit zwei Wochen die Sektkorken knallen, ausgelassene Stimmung würde den Arbeitsalltag nach dem Sieg des Hauptamtsleiters um den Bürgermeisterstuhl bestimmen, der irrt. Für Jürgen Pyrdok hat das einen einfachen Grund: "Es gibt Formalien und Fristen, die abgewartet werden müssen. Darum renne ich hier nicht freudestrahlend durch die Gänge." Einsprüche gegen die Wahl gebe es zwar nicht. Dennoch zeigt sich Pyrdok sehr zurückhaltend.

"Vernunft sollte an erster Stelle stehen."

Und dafür hat der langjährige Mitarbeiter der Verwaltung Gründe. "Die Zeiten ändern sich", sagt er vorausschauend. "Und wie ich es schon einmal gesagt habe: Auch das bisherige Miteinander zwischen Rat und Verwaltung hat sich geändert." - nicht zum Positiven, empfindet der Hauptamtsleiter.

Davon will er sich allerdings nicht abschrecken lassen, habe sich erste Gedanken darüber gemacht, wie die Arbeit zwischen ihm als Bürgermeister und den Fraktionen aussehen könnte. "Der Bürgermeister lädt die Fraktionsvorsitzenden zu Vorgesprächen ein, um bestimmte Vorhaben eingehend zu erläutern. Es geht um unsere Stadt. Das steht bei allem, was wir tun, im Vordergrund." Es liege ihm fern, Ratschläge zu geben. Vielmehr hoffe er auf Kompromissbereitschaft auf beiden Seiten, darauf, dass alle bereit sind, aufeinander zuzugehen und sich zuzuhören, "dass Vernunft und Verstand an erster Stelle stehen".

Sowohl die Verwaltung werde weiterhin Papiere erarbeiten, aber auch bereit sein, auf Vorschlag aus den Fraktionen Dinge zu erarbeiten, "wenn man uns die Zeit dafür gibt", macht Pyrdok deutlich. "Es gab Zeiten, da kamen die Ausschussvorsitzenden zu uns in die Verwaltung", erinnert sich der künftige Bürgermeister Tangermündes an die Vergangenheit. Diese Gespräche seien wichtig, um viele Fragen vorab zu klären. Das wünsche er sich auch für die Zukunft wieder, denn "das ist ein Weg, um wieder Ruhe in die Ratsarbeit zu bringen, keine Mauern aufzubauen, Dinge, die hier beschlossen werden, richtig nach außen zu tragen, dort für Verständnis zu werben".

Wie der ganz persönliche Weg vom Arbeitstisch des Hauptamtsleiters an den des Bürgermeisters aussehen soll, darüber habe sich Jürgen Pyrdok noch gar keine großen Gedanken gemacht. "Bestimmt werde ich am ersten Tag mit einigen Kollegen im Haus sprechen, mit ihnen die innere Organisation in der Verwaltung besprechen", nennt er eine erste Handlung. Gleichzeitig macht er deutlich, am Drei-Ämter-Modell (Hauptamt, Kämmerei und Amt für Soziales, Ordnung, Kultur und Sport) festhalten zu wollen. Das habe sich bewährt. Wer künftig den Stuhl des Hauptamtsleiters besetzen soll, stehe noch nicht fest, sagte Pyrdok. Allerdings gebe es innerhalb der Verwaltung einige Kollegen, die aufgrund ihrer Qualifikationen dazu in der Lage wären, diese Aufgabe zu übernehmen.

"Muss mein Arbeitsverhältnis kündigen."

Am Dienstag, 7. Juli, wird Jürgen Pyrdok nicht mehr Hauptamtsleiter, sondern Bürgermeister sein. Um eine weitere Voraussetzung dafür zu schaffen, muss der Tangermünde noch etwas tun: "Ich muss mein jetziges Arbeitsverhältnis kündigen."

Rückblickend bedankt sich Jürgen Pyrdok bei allen, die ihn im Wahlkampf unterstützt hatten - allen voran bei seiner Ehefrau Andrea, der Fraktion der SPD, der Fraktion Die Linke und der Fraktion der Freien Stadträte.