Stendal l Das Amtsgericht Stendal hat Ende April einen 55 Jahre alten Mann aus Tangermünde wegen Beihilfe zum Handeltreiben mit Drogen in nicht geringer Menge zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Das Schöffengericht folgte damit weitgehend der Staatsanwaltschaft.

Die Richter setzten die Haftstrafe antragsgemäß für zwei Jahre zu Bewährung aus. Als Bewährungsauflage muss der Angeklagte, der bereits 16 Einträge im Strafregister hat, 3000 Euro an einen gemeinnützigen Verein zahlen.

Allein 719 Cannabispflanzen in Tangermünde entdeckt

Der Angeklagte besitzt über Firmen, bei denen er als Geschäftsführer agiert, Grundstücke in Tangermünde und Haldensleben. Im Januar 2014 hob die Polizei zeitgleich zwei jeweils von einem Vietnamesen als sogenannte Gärtner sowie von unbekannten Mittätern betriebene Cannabis-Plantagen zur Drogenproduktion auf diesen Grundstücken aus. In Tangermünde sind bei der Durchsuchung in der Bahnhofstraße fast drei Kilo Rauschgift sowie 719 Cannabispflanzen, Setzlinge und abgeerntete Pflanzen gefunden worden. In Haldensleben entdeckten die Ermittler 1800 Cannabispflanzen sowie Säcke mit Cannabispflanzenteilen.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Angeklagte, der jegliche Kenntnis von den Indooranlagen bestritt, zumindest in Tangermünde von dem illegalen Treiben auf seinem Grundstück wusste. Als Indiz dafür wertete das Gericht, dass aus seiner Werkstatt, die sich ebenfalls auf dem Grundstück befindet, ein Stromkabel ins ansonsten vollkommen abgeschottete Vorderhaus verlegt worden ist.

Der Mann hatte angegeben, dass er über eine Zeitungsanzeige das Objekt in Haldensleben an einen Magdeburger vermietet hätte. Dieser und sein "chinesischer Geschäftsfreund" hätten das Haus "für die Lagerung von Waren" gemietet. Der chinesische Geschäftsfreund sei es auch gewesen, der das Objekt in Tangermünde von Mai bis Dezember 2013 für 500 Euro im Monat gemietet habe. Der in Tangermünde bei der Razzia im Objekt festgenommene Vietnamese ist 2014 zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Er hatte zugegeben, in mehreren Ernten 60 bis 70 Kilo Marihuana im Verkaufswert von mehreren Hunderttausend Euro hergestellt zu haben. Nach seiner Verurteilung war der sich illegal in Deutschland aufhaltende 53-Jährige, der vorgab, nichts von den Hintermännern des Drogengeschäftes zu wissen, untergetaucht.

Das jetzt gesprochene Urteil gegen den Tangermünder wird nicht rechtskräftig und der Fall am Landgericht in Bälde neu aufgerollt. Sowohl die Verteidigerin, die Freispruch "wegen nicht erwiesener Schuld" beantragt hatte, als auch die Staatsanwaltschaft haben Rechtsmittel eingelegt.