Stendal l "Im Vergleich zum Vorjahr gibt es in der Altmark aktuell zehn Prozent weniger Arbeitslose", informierte der Geschäftsführer der Arbeitsagentur Altmark, Markus Nitsch, am Donnerstag zur Kick-Off-Veranstaltung des Intergrationsprojektes "Vielfalter" im Stendaler Landratsamt. Vor den zahlreichen Gästen, darunter Landesarbeitsminister Norbert Bischoff (SPD), musste er jedoch eingestehen, dass Arbeitssuchende mit einer Schwerbehinderung vom konjunkturellen Aufschwung wenig profitiert haben.

Der Betriebsleiter des Jobcenters Altmarkkreis Salzwedel, Arnold Schulze, ergänzte, dass von den 470 arbeitslosen Schwerbehinderten in der Altmark 74 Prozent über eine abgeschlossene Berufsausbildung verfügten. "Hier liegt ungenutztes Jobpotenzial", betonte Schulze. "Vielfalter" soll künftig eine Verbesserung für Menschen mit Handicap schaffen. Hauptinitiatoren sind die Arbeitsagentur und das Diakoniewerk Osterburg.

Ziel sei es, neben Motivationsseminaren für Schwerbehinderte auch Netzwerkstrukturen zu schaffen und zu nutzen, erklärte Diakoniemitarbeiterin Petra Panse. "Alle Förderungen für die Integration Schwerbehinderter in den Arbeitsmarkt nutzen wenig, wenn sich kaum Unternehmen auf diese Menschen einlassen", betonte auch Minister Bischoff in seinem Grußwort und wünschte den Initiatoren einen langen Atem bei ihrem Vorhaben, Unternehmen von den Qualitäten schwerbehinderter Menschen zu überzeugen. Wenige Negativerfahrungen dürften Arbeitgeber nicht generell davor abschrecken, auf solche Mitarbeiter zurückzugreifen.

Nach einer Kennenlernrunde im Jobcenter Stendal trifft sich der erste Projektkurs künftig zu Seminaren in der Jugendwerkstatt der Diakonie in Hindenburg, informierte Sozialarbeiter Johannes Kloss. Die Kurse seien jeweils auf ein halbes Jahr angelegt. Der erste könne Anfang August beendet werden. Mit dabei ist auch Axel Ringeloth aus Bismark. Der gelernte Verwaltungsfachangestellte hatte in einem kommunalen Betrieb und später bei einem Postservice gearbeitet.

Seit fünf Jahren sucht der 40-Jährige, der durch seine Kleinwüchsigkeit körperlich stark beeinträchtigt ist, nun schon einen Job, wie er sagt. "Ich würde alles im Rahmen meiner Möglichkeiten machen, Hauptsache der Job ist abwechslungsreich", erklärt er. Von dem Projekt verspricht er sich neue Kontakte zu potentiellen Arbeitgebern. Auch Jürgen Soisson vom Landesblindenverband begrüßt das neue Projekt. Die Seminare würden Sehbehinderten helfen, Selbstvertrauen zu tanken.