Als im November 1989 die Mauer fiel, erkundeten viele Altmärker den Westen. Ab März 1990 bot die Stendal-Information Busreisen nach Uelzen an.

Stendal l "Fahrt nach Uelzen zum sensationellen Preis - Stendal-Information baut touristischen Service aus". Mit diesen Schlagzeilen kündigte die Volksstimme am 10. März 1990 die neu eingerichtete Reiseroute von Stendal nach Uelzen an. Auch am Stendaler Marktplatz wurde damals dafür geworben. Die Reise war kurz nach der Grenzöffnung nicht nur eine große Attraktion, sondern auch erschwinglich und in DDR-Mark bezahlbar. Insgesamt nicht einmal 50 DDR-Mark waren dafür fällig. Dafür wurde den Reisenden einiges geboten. Ein Stadt- und Einkaufsbummel, die Besichtigung eines Autohauses, eine Stadtrundfahrt und die Besichtigung der Esterholzer Schleuse waren Teil der für viele unvergesslichen Reise. Wie aber kam es dazu?

Der Stendaler Michael Standke bewarb sich 1988 um einen Job bei der Stadt Stendal, wurde angenommen und begann schließlich im gleichen Jahr seine Arbeit bei der Stendal-Information. Nur einige Tage nach der überraschenden Wende stand dann schließlich der Uelzener Unternehmer Uwe Tillmann, der das Busunternehmen "Uhlenköper Reisen" seit 1975 leitet, vor seiner Tür. Er war auf der Suche nach neuen Kontakten um das Netz seines Reiseunternehmens auszuweiten. "Alle wollten damals in den Westen," schildert Standke.

Tatsache war aber, dass zu dieser Zeit noch die wenigsten Leute hier im "Osten" ein eigenes Auto besaßen. So kamen die beiden relativ schnell auf die Idee, Busreisen nach Uelzen anzubieten. Die Stadt der Uhlenköper war die nächste größere Stadt, in der man den Flair des Westens erleben konnte. "Später boten wir auch Reisen nach Soltau, Hamburg und Walsrode an", erinnert sich Uwe Tillmann.

Ein Bekannter von Tillmann hatte ein Autohaus (heute Autohaus Wolter in Uelzen), und so wurde der Besuch dessen ein fester Bestandteil der Ausflüge. Dort konnten die Besucher Probefahrten machen oder gar gleich ein Auto kaufen. Damit auch für das leibliche Wohl der Kunden gesorgt war, organisierte Tillmann zu jeder Busfahrt einen großen Pott Eintopf. Die Reisenden konnten auch Wünsche äußern, was sie sehen wollten und diese wurden in die Reiseplanung einbezogen. Da Standke und Tillmann die ersten waren, die derartige Ausflüge von Stendal nach Uelzen anboten, war der Zulauf entsprechend groß. Freitag, Sonnabend und Sonntag fuhren Busse mit gut gelaunten Passagieren nach Uelzen, bis zu vier pro Tag.

Nachfrage sank - nach fünf Jahren endeten Touren

Wenn die beiden Unternehmer auf die Anfänge der Reisen nach dem Fall der Mauer zurückblicken, sind sie sich einig: "Innerhalb von einem Tag wurde alles anders, das war eine der besten Erfahrungen meines Lebens", so Standke. Die Reisen waren für beide vor allem ein persönliches Anliegen und dauerten insgesamt etwa fünf Jahre.

Irgendwann wurde die Nachfrage geringer, die Menschen hatten eigene Autos und machten selbstständig den kleinen Schritt in die große neue Welt.