Stendal l Derzeit leben rund 660 Asylbewerber und Flüchtlinge im Landkreis - zur Hälfte in der Gemeinschaftsunterkunft, zur anderen in Wohnungen in Stendal. Bis zum Jahresende wird sich die Zahl voraussichtlich verdoppeln.

Diese Menschen zu integrieren, sei "eine sehr komplexe Herausforderung, die wir gern meistern wollen", versicherte Björn Malycha, Integrationskoordinator in der Kreisverwaltung, den Mitgliedern des Sozialausschusses während deren jüngster Sitzung.

Wohnungen vor allem in Stadtsee gefragt

Als Beleg dafür hatte er den Maßnahmekatalog zur Sicherung der Aufnahme / Betreuung von Flüchtlingen im Landkreis Stendal im Gepäck. Zu den darin festgeschriebenen Maßnahmen gehört zuerst einmal die Unterbringung der Asylbewerber. Zum Ende des Monats sollen die Bauarbeiten in der Gemeinschaftsunterkunft am Möringer Weg abgeschlossen sein. Danach können dort 480 Personen leben. Derzeit sind es rund 330. Wohnungen suchen die Asylbewerber vor allem in Stendal-Stadtsee. Malycha sieht dafür vor allem zwei Gründe.

Zum einen die Infrastruktur des Wohngebietes, zum anderen die Tatsache, dass dort meist auch Landsleute von ihnen bereits Wohnungen haben. Doch werden diese Kapazitäten auf Dauer nicht reichen, um den Menschen, die im Landkreis eine neues Zuhause suchen, ein solches auch anzubieten. Dankend weist Malycha auf die Angebote mehrerer Bürgermeister aus dem Kreisgebiet hin, Asylbewerber und Flüchtlinge in ihrem Kommunen aufzunehmen. Sozialausschussvorsitzende Helga Paschke (Die Linke) begrüßt dieses Angebot, verweist jedoch darauf, dass es "wichtig ist, die Bevölkerung auf dem Weg dahin Schritt für Schritt mitzunehmen".

"Module" sollen Situation in Kitas verbessern

Wenn Integrationskoordinator Malycha von Herausforderungen sprach, dann ist die Betreuung der Flüchtlingskinder in Stendal eine davon. Die Stadt bietet zu wenige Plätze in den Kindereinrichtungen, vor allem für Kinder ab drei Jahre. Der Landkreis sei mit den Trägern dieser Kitas im Gespräch. Angedacht sei, "Wohnmodule" auf dem Gelände der Kitas aufzustellen, um deren Kapazität zu erhöhen und so auch die Aufnahme von mehr Kindern möglich zu machen. Was nicht geplant ist: Diese Kinder sollen nicht in Kitas untergebracht werden, die sich nicht in ihrem Wohnort befinden.

Facharzttermin auch kurzfristig zu bekommen

Anders wird das perspektivisch aussehen, wenn es um die Schulkinder geht. Auch hier ist derzeit noch Stendal Ort der Wahl. In alle Schulen im Stadtgebiet sollen Kinder von Asylbewerbern und Flüchtlingern integriert werden. Ab dem nächsten Schuljahr ist das auch in den Grundschulen Lüderitz und Arneburg, sowie in der Sekundarschule Goldbeck geplant. Die Vorbereitungen, zum Beispiel die Gespräche mit den Schulen, sind gelaufen oder werden organisiert, zum Beispiel der Schüler- transport.

Entgegen anders lautender Aussagen, ist die medizinische Versorgung der Asylbewerber gesichert. Das hob Kreisärztin Dr. Iris Schubert hervor. Das betrifft sowohl die hausärztliche Betreuung wie auch die fachärztliche dort, wo sie erforderlich ist. "Ist ein Facharztbesuch notwendig", so Iris Schubert auf die Asylbewerber bezogen, "ist der auch kurzfristig zu bekommen."

Ein generelles Problem in der Kreisstadt

Ein generelles Problem in Stendal sei das Fehlen von Kinderärzten. Die Situation könnte sich etwas entspannen, wenn der Antrag der Kreisärztin genehmigt wird, eine Kinderärztin in Ausbildung einzustellen, mit der das Gesundheitsamt dann kinderärztliche Sprechstunden anbieten möchte.

Eine Lösung des Problems sieht Sozialausschuss- vorsitzende Helga Paschke darin jedoch nicht. "Es ist ein unhaltbarer Zustand, dass Eltern aus Stendal an Kinderärzte in Seehausen verwiesen werden. Ich weiß, dass es keine Patentlösung gibt. Aber an dieser Stelle müssen wir einfach lauter werden. Das kann so nicht bleiben."