Bei Sanierungsarbeiten an einem Privathaus am Südwall ist der Stendaler Thomas Wartmann auf ein Stück Stadtgeschichte gestoßen. Alte Schautafeln der Grenztruppen wurden in dem Haus als Dämmstoff unter der Decke befestigt und wurden nun wieder zutage gefördert.

Stendal l Seit einigen Wochen baut der Stendaler Thomas Wartmann am Südwall eines der wenigen verbliebenen unsanierten Häuser um. Das Haus stammt aus den 1930er Jahren. "Solche Häuser sind immer für Überraschungen gut", sagt der 46-jährige Journalist und Geschäftsmann, der auch schon Häuser in der Hallstraße und in der Winckelmannstraße saniert hat. "Einmal habe ich eine voll funktionsfähige alte Walther PPK gefunden", sagt Wartmann.

Haus steht bereits seit Mitte der 1990er Jahre leer

In dem Haus am Südwall ist der Stendaler dagegen auf ein Stück Stadtgeschichte gestoßen. Mehrere Platten mit Fotos und Schriftzügen zum Grenzkommando Nord waren unter der Decke eines Raumes befestigt. "Das ist Tangermünder Spanplatte", sagt Wartmann. Das habe man sicherlich als Dämmung verwendet. Wer in dem Haus gelebt hat, weiß er nicht. "Das steht schon seit Mitte der 1990er Jahre leer", sagt Wartmann.

"Das sind bestimmt Arbeiten von Neuankömmlingen", vermutete der Stendaler. Es habe den Anschein, als wenn diese Informationstafeln in einem Aufenthaltsraum möglicherweise dem sogenannten Bibersaal oder anderweitig deutlich sichtbar platziert gewesen sind. Interessant dabei ist, dass dort nicht nur Fotos von offiziellen Anlässen, sondern aus dem Alltagsleben der Grenzer zu sehen sind, beispielsweise beim Essen oder bei der Grenzpatrouille. "Das ist zu schade zum Wegschmeißen", sagt Thomas Wartmann, der in dem Haus acht Wohnungen bis April 2016 schaffen möchte.

Wo er die Tafeln einlagern kann, weiß er noch nicht. "Vielleicht interessiert sich ja jemand dafür." Möglicherweise könne auch das Stadtarchiv etwas mit dem Material anfangen.

Den Bildtexten nach zu urteilen, stammen die Tafeln vermutlich von Anfang der 1980er Jahre. Beispielsweise steht an einem Bild "1973 Eröffnung der Grenzübergangsstelle" und an anderer Stelle: "Ehrenbesuch des Helden der Sowjetunion Genosse Kantarija im Grenzeregiment". Meliton Kantarija (1920-1993) war nach der sowjetischen Geschichtsschreibung der Mann, der 1945 die sowjetische Flagge auf dem Berliner Reichstag gehisst hatte.

Jüngste Dokumente stammen aus dem Jahr 1981

Ein DIN-A4-Zettel deutet an, dass die Informationen von etwa 1981 stammen. Unter dem Motto "Das Beste zum X.Parteitag" wird ein Gefreiter erwähnt, der eine Handgranate 54Meter weit geworfen hatte und den Inspektionsrekord hielt. Ein weiteres Dokument verweist auf Leutnant Lutz Meier, der "meuchlings ermordet" worden sei. "Den kannte jeder in der DDR", sagt Wartmann. "Ich habe sogar mal in dessen Zimmer gestanden."

 

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