Stendal l Die Anfrage vor fast acht Jahren löste großes Erstaunen aus. Das in Halle/Saale ansässige Landesamt für Denkmalpflege wollte wissen, ob das Bild "Maria mit Kind vor Landschaft" nach fast 50Jahren wieder in die Stendaler Marienkirche zurückgeschickt werden sollte.

"Hier wusste keiner etwas von dem Bild", erzählte Reinhard Creutzburg am Sonnabend bei der offiziellen Vorstellung des Kunstwerks. "Dieses Bild wird nirgends erwähnt. In keinem Kunstführer, keinem Inventarverzeichnis!", sagte der ehemalige Pfarrer der Stadtgemeinde und mittlerweile ehrenamtlicher Kunstbeauftragter des Kirchenkreises Stendal.

1957 wurde beschädigtes Kunstwerk wiedergefunden

Und dabei wird es immerhin - auch ohne erkennbare Signatur - der Cranach-Schule zugeordnet und auf die Zeit zwischen 1525 und 1550 datiert. Die bekannten Maler Lucas Cranach der Jüngere (1515-1586) und Lucas Cranach der Ältere (1472-1553) - Vater und Sohn - unterhielten in Wittenberg eine florierende Malerwerkstatt.

Wie kann so ein Bild übersehen werden? Warum weiß keiner davon? Reinhard Creutzburg kann auch nur Vermutungen anstellen: "Ich denke, dass es bereits Ende des 18. Jahrhunderts aus dem Kirchenraum in irgend ein Nebengelass verbannt wurde. Es traf nicht den Zeitgeschmack."

Erst 1957 wurde das arg beschädigte Kunstwerk wiedergefunden - wahrscheinlich im Zuge von Renovierungsarbeiten - und nach Halle geschickt. Dort wurde es mehrmals bearbeitet. Und geriet wieder in Vergessenheit. Bis 2007, als im Landesamt aufgeräumt wurde. So kam das Marienbild zurück, nur um 2012 noch einmal zur Schönheitskur geschickt zu werden, da sich Blasen gebildet hatten.

Seit Herbst 2014 ist es endgültig wieder in Stendal. Und mittlerweile hat man auch einen schönen Platz gefunden: Das Kunstwerk hängt - hinter speziellem, UV-Licht abwehrendem Glas - in der "Marienzeitenkapelle", der ehemaligen Taufkapelle und jetzigen Andachtskapelle. Dort finden im Sommer die Familienkurzgottesdienste statt, die besonders für Familien mit kleinen Kindern gedacht sind. Ebenfalls passend für eine "Maria mit Kind vor Landschaft".

Das Alter des Werkes bleibt unklar

Unter diesem Namen ist das Bild in Georgs Dehios "Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler" gelistet. Sehr nüchtern, aber eben auch sehr beschreibend. Restauratorin Katrin Brinz, die das Werk zuletzt bearbeitete, meint übrigens, Anzeichen gefunden zu haben, die darauf deuten, dass das auf Kieferholz gemalte Bild Teil eines Epitaphs sei und aus der Zeit vor der Reformation stammt. Die Meinungen über das Alter des Werks gehen auseinander, eines ist für Creutzburg gewiss: "Es gibt wieder etwas mehr in Stendal zu bewundern!"

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