Der Kleingarten-Schönheitswettbewerb der Gartenfreunde und der Volksstimme ist in jedem Jahr auch Gelegenheit, kleingärtnerische Schätze zu heben. Dieses Mal fand sich ein solcher zu Füßen des Havelberger Doms. Klein aber fein, wie die Hüter dieses Schatzes mit einem Hauch Buga-Stolz sagen.

Havelberg l Eine Bundesgartenschau ohne Gärten, in die man auch schauen kann, mit deren Besitzern man übern Gartenzaun plaudern kann? Unvorstellbar. Logisch, dass auch die Buga 2015 so etwas an einem ihrer fünf Standorte bieten sollte. Von Brandenburg bis Havelberg findet sie statt, von Dom zu Dom, wie ihr Motto verrät, entlang dem blauen Band der Havel.

Das alles in die Waagschale werfend, hatte ein kleiner Gartenverein im Buga-Nordwesten die besten Karten. Am Fuße des Havelberger Doms mit herrlichem Blick über die Havel befindet sich dieses Kleinod. Es ist der Gartenverein "Am Nußberg". Nur wussten dessen Mitglieder 2012 noch nicht, dass der Verein und seine Gärten am Nußberg drei Jahre später das Aushängeschild der Buga in Sachen Kleingartenanlagen sein würde.

Zu danken haben es die "Nußberg"-Kleingärtner dem Bundesverband der Gartenfreunde, der auf der Suche nach einer passenden Vereinsanlage über die standort-prädestinierten "Nußberg"-Laubenpieper geradezu stolpern musste. Wobei es durchaus legitim war, dass der sachsen-anhaltische Gartenfreunde-Landesverband beim "Stolpern" geholfen hat. Und dabei wiederum war es nicht von Schaden, dass an der Spitze der organisierten Kleingärtner in Sachsen-Anhalt mit dem ehemaligen Vorsitzenden des Stendaler Gartenfreude-Kreisverbandes, Peter Riebeseel, ein Kenner der Kleingartenlandschaft im Norden Sachsen-Anhalts steht.

Doch zurück zu den Mitgliedern des Havelberger Kleingartenvereins "Am Nußberg". Die waren anfangs etwas zögerlich mit ihrem Ja zu den Buga-Träumen, für die der Gartenfreunde-Bundesverband zwischenzeitlich auch die Verantwortlichen der Buga-Gesellschaft begeistert hatte. Überzeugt hat schließlich das Konzept für die Themengärten-Anlage zwischen Dom und Havel. Die "Nußberg"-Kleingärtner, inzwischen Mitglieder im Stendaler Gartenfreunde-Kreisverband, trennten sich je Garten von etwa einem Drittel ihrer Parzellenflächen, stellten sie der Buga-Gesellschaft zur Verfügung, die daraus kleine Themengärten zu machen beabsichtigte.

In einem sollten später Kräuter wachsen, ein anderer zum Bauerngarten werden, Hochbeetanlagen sollten entstehen.

"Wundert Sie das? So schön wie alles geworden ist?"

Ingrid-Ute Arndt

Doch zuvor musste einiges an Altem weichen, von dem man sich verständlicher Weise in einer in 60 Jahren gewachsenen Vereinsanlage schwer, manchmal ungern trennt. Und als die Arbeiten an der sich nun mitten durchs "Nußberg"-Areal ziehenden Buga-Kleingarten-Schauanlage ab Sommer/Herbst 2013 durch die ringsum zu beseitigenden, immensen Hochwasserschäden ins Stocken gerieten, kam Skepsis auf. Ob das alles rechtzeitig fertig wird?

Es wurde. Harmonisch schmiegen sich die Buga-Themengärten an die niedrigen Zäune der Vereinsparzellen. Es blüht und grünt, ist bestens gepflegt, loben die "Nußberg"-Kleingärtner die Buga-Mitarbeiter, und es ist wie die "Nußberg"-Gärten selbst eine ausgesprochen attraktive Werbung fürs Kleingärtnern.

Heute sind die "Nußberg"-Gärtner zugegebener Maßen auch ein wenig stolz auf dieses Schmuckstück.

"Wundert Sie das? So schön wie das alles geworden ist", sagt Ingrid-Ute Arndt. Auch sie sah die Buga-Pläne anfangs eher skeptisch. Heute sagt sie mit dem Brustton der Überzeugung und Blick auf die Bundesgartenschau: "Was hatten wir für ein Glück!"

Mit ihrem Mann Günter bewirtschaftet Ingrid-Ute Arndt einen der 16 Kleingärten am Nußberg. Das tun die beiden im Übrigen so, wie sie es immer schon taten. Ihren eigenen kleinen Garten für die Buga umkrempeln? Das hätten sie nicht gewollt, und das war auch nie von den Buga-Partnern der Kleingärtner zu Füßen des Havelberger Doms gewünscht, im Gegenteil. So sticht Wolf-Dieter Schopf dieser Tage wie in jedem Jahr seinen Spargel, wird er im August die Salanderbirnen von dem Baum ernten, der schon so lange Kleingärtner Schopf denken kann steht und so tragen die Erdbeerpflanzen der Arndts wie in jedem Frühjahr üppige Blütenpracht.

Die Buga-Besucher, die all das zu Tausenden beim Schlendern über den Nußberg hautnah miterleben, stören die Idylle der Kleingärtner nicht. Jeder freundliche Gruß wird ebenso erwidert, jede Frage geduldig beantwortet, manch lobendes Wort dankend angenommen.

"Die Kleingärtner vom Nußberg laden alle ein, sich das hier anzusehen."

Wolf-Dieter Schopf

"Und wenn es mir mal zuviel wird, kann ich mich in meine Laube zurückziehen und habe meine Ruhe", verrät Kleingärtner Schopf seinen Plan B, den er bis jetzt allerdings noch nicht aus der Schublade holen musste. Als seine Tochter, die heute in der Schweiz lebt, ihn unlängst besuchte und sah,was direkt vor dem Gartentür entstand, habe sie nur einen Satz gesagt: "Papa, das ist ein Traum".

Bis Ende Oktober wird der Buga-Traum von Dom zu Dom am blauen Band der Havel noch dauern. Und bis dahin gilt auch dieser Satz von Wolf-Dieter Schopf: "Die Kleingärtner vom Nußberg laden alle ein, sich das hier mal anzusehen."

Bilder