Die Fraktion Die Mitte (SPD/FDP/Piraten) möchte, dass in der Innenstadt ein drahtloses Internet empfangen werden kann. Der Hauptausschuss beauftragte nun den Oberbürgermeister, die Möglichkeiten abzuklopfen.

Stendal l Es mag utopisch klingen - Freies WLAN für die Bürger der Hansestadt Stendal. Doch Olaf Lincke (Piraten) betonte im Hauptausschuss am Montagabend, dass es sich bei dem Antrag der Fraktion Die Mitte nicht um einen Schnellschuss handelt. "Wir haben uns über ein halbes Jahr mit der Thematik beschäftigt", sagte er. Konkret geht es um die Unterstützung der Freifunkinitiative, die sich deutschlandweit unkommerziell um kostenlosen Internetzugang bemüht. "80 Kommunen unterstützen derzeit die Initiative", sagte Lincke. Die Verwaltung soll die technischen und organisatorischen Voraussetzungen zur Unterstützung der Freifunkinitiative prüfen. "Dabei geht es um Räumlichkeiten, Router und Stromkosten", nannte er Beispiele für eine Kooperation.

Kosten sollen überschaubar sein

Router kosten 20 Euro pro Stück, verursachen pro Jahr Stromkosten in Höhe von zehn Euro. Zudem könnten Aufstellplätze an öffentlichen Gebäuden zur Verfügung gestellt werden. Mit geringem technischen Aufwand und überschaubaren Kosten könne so ein freies Netz in den Innenstadtbereichen Stendals zur Verfügung gestellt werden. Jüngster Unterstützer ist das nordrhein-westfälische Moers. Dort werden 5000 Euro investiert. Dafür werden unter anderem 100 Router angeschafft. Die Router sorgen für die Verbreitung des drahtlosen Netzwerkes, so dass im Innenstadtbereich ohne Probleme E-Mails abgefragt und Internetseiten aufgerufen werden können. So wie es mit Hotspots auf Bahnhöfen oder in Restaurants möglich ist. "Ich finde es nicht gut, dass es nur um die Innenstadt geht und die Ortsteile überhaupt keine Berücksichtigung finden", kritisierte Christel Güldenpfennig von der Fraktion CDU/Landgemeinden.

"Da muss ich mal etwas klarstellen", griff Norbert Wesling, Leiter des Beteiligungscontrollings der Stadtverwaltung, ein. WLAN sei nicht gleichzusetzen mit einem Internetanschluss, sondern sichere nur einen Empfang über einen Radius etwa 300 Metern. "Was Sie hingegen brauchen, ist DSL", erläuterte er.

Anreiz für Händler und Touristen

Der Gedanke hinter der Freifunkinitiative ist allerdings vorrangig auch, Gastronomen und Einzelhändlern, der Stadt und ihren Besuchern neue Möglichkeiten durch ein gemeinsames Datennetz zu bieten.

Die Mitte-Fraktion sieht im frei zugänglichen Internetzugang eine Steigerung der Attraktivität für Anwohner und Touristen gleichermaßen, sieht ihn als Standortförderung. Die Unterstützung der Initiative fördere zudem die digitale Teilhabe, biete jedem Menschen Zugang zu moderner Kommunikation, nennt die Fraktion auch eine soziale Komponente in der Unterstützung der Initiative.

Hardy Peter Güssau, Fraktionsvorsitzender von CDU/Landgemeinden, war zum Scherzen aufgelegt. Sein Lieblingsschokoriegel Kitkatwirbt in den Niederlanden für WLAN-freie Zonen. "Man muss doch auch mal seine Ruhe haben und Pause machen", meinte er.

Die Hauptausschussmitglieder zeigten sich mehrheitlich nicht überzeugt von dem Antrag. Mit fünf Ja-Stimmen bei sechs Enthaltungen wurde er aber schließlich befürwortet. Die Entscheidung trifft der Stadtrat bei seiner Sitzung am 1. Juni.