Stendal l Die Umstellung der Leichtverpackungs-Entsorgung von gelbem Sack auf gelbe Tonne hat in den ersten zwei, drei Monaten landkreisweit für einigen Wirbel gesorgt. Inzwischen scheint so manche Irritation ausgeräumt und die Botschaft bei den "Verbrauchern" angekommen: Natürlich werden sie den Verpackungsmüll, den sie bei jedem Einkauf mitbezahlen, auch wieder los, nachdem dieser seinen Zweck erfüllt hat.

Allerdings zwingt die nun nur noch vierwöchentliche Entsorgung der Tonnen und das damit limitierte Verpackungsmüll-Volumen, bewusster zu entsorgen. Nur das, was auch wirklich als Verpackungsmüll gilt, gehört in die Tonne.

Das klingt einleuchtend. Doch gibt es nach wie vor Leute, die den Begriff Leichtverpackung sehr frei interpretieren. Zumindest ist das die Erfahrung von Thomas Müller, beim Entsorger Cont-Trans für dieses Thema zuständig. Das Paar ausgetretene Schuhe diente zwar mal zum "Verpacken" von Füßen und leicht mögen die Treter auch gewesen sein. Dennoch sind es keine Leichtverpackungen. Die Entsorger nennen das Fehlwürfe, ebenso wie den alten Teppich oder einen nicht mehr gebrauchten Balkonkasten. Auch fünf Monate nach der Einführung der gelben Tonne finden Winters Mitarbeiter das und ähnliche Kuriositäten in den Behältern, die dann von den Männern, die die Tonnen leeren, reklamiert werden. Das heißt, der gelbe Container oder die Tonne in der sich besagte Fehlwürfe auf den ersten Blick sichtbar befinden, wird mit einem roten Aufkleber mit der Aufforderung nachzusortieren, versehen und bleibt erst einmal stehen. Pro Monat sei das rund 4000 Mal der Fall, berichtet Winter. Zwar relativiert er: "Bei monatlich rund 50000 Entleerungen der gelben Tonnen und Container sind wir damit noch immer im einstelligen Prozentbereich." Aber das ändert nichts an den Konsequenzen, die solche Fehlwürfe nach sich ziehen. Und die sind glasklar. Zweimal "warnt" der Entsorger mit einem roten Zettel an der gelben Tonne. Werden zum dritten Mal im selben Behälter Fehlwürfe entdeckt, werde ein Abholtermin mit dem Nutzer dieser Tonne oder des Containers vereinbart, "und dann ist die Tonne weg", schildert Thomas Winter die Verfahrensweise, die Cont-Trans bislang etwa ein Dutzend Mal praktiziert habe. Diese Konsequenz sei nötig, so Winter, denn auch die Cont-Trans GmbH werde von den System-Betreibern, in deren Auftrag sie die Leichtverpackungen einsammelt, auf die Qualität ihrer Arbeit hin kontrolliert, bekäme unsaubere Lieferungen zurück.

Gerücht: Verpackungen in der Müllverbrennung

Apropos liefern. Der Inhalt aller im Landkreis geleerten gelben Tonnen kommt zuerst einmal nach Tangerhütte. Auf dem dortigen Cont-Trans-Gelände wird aller Verpackungsmüll in sogenannte Containerzüge umgeladen. 80 Tonnen fasst eines dieser Aufliegerfahrzeuge, die ihre Fracht zum Beispiel nach Oppin bringen. In der zu Landsberg im Saalekreis gehörenden Ortschaft steht eine der modernsten Sortieranlagen für Leichtverpackungen in Deutschland. Der andere Teil des Verpackungsmülls aus dem Landkreis Stendal wird in Braunschweig sortiert. In der Regel, so Thomas Winter, verbleiben danach noch etwa zehn bis 15 Prozent Abfälle. Nur dieser Restanteil werde, weil nicht weiter sortier- und verwertbar, in Müllverbrennungsanlagen gefahren. Das Gerücht, der Verpackungsmüll aus dem Landkreis Stendal werde in Rothensee verbrannt, sei genau das - ein Gerücht.