Im Jahr 1990 hat sich politisch viel getan in Deutschland. Doch für Ursula und Hans-Georg Eckhardt steht dieses Jahr vor 25 Jahren auch für etwas ganz Persönliches: für den Beginn einer wunderbaren, bis heute andauernden Freundschaft.

Stendal l Ein überbuchtes Hotel im griechischen Badeort Platamon und eine Suite, die sich zwei Ehepaare teilen mussten, inklusive des einen Badezimmers - So begann vor 25 Jahren eine Ost-West-Freundschaft, die bis heute ganz intensiv ist. Obwohl, das Ost und West betonen Ursula und Hans-Georg Eckhardt aus Stendal und ihre Freunde Brigitte und Horst Hiemer aus Salzgitter nicht extra. Denn das hat für ihre Freundschaft keine wirkliche Bedeutung. Es ist das Menschliche, das von Anfang an gestimmt hat und auch heute noch stimmt.

Aber zurück zum Anfang: Im Februar des Jahres 1990 feierten Eckhardts ihre Silberhochzeit. Sich selbst wollten sie mit einer Reise nach Taschkent beschenken. "Wir wollten mal den Orient sehen", sagt Hans-Georg Eckhardt, heute 71 Jahre alt. Die Reise war schon gebucht beim damaligen staatlichen DDR-Reisebüro, doch die Wende ließ das Vorhaben platzen. Und während für das staatliche Reisebüro das Aus kam, öffneten neue Reisecenter in Stendal ihre Türen. In einem von ihnen, im Stadtseegebiet, buchten die Stendaler als Taschkent-Ersatz eine 19-tägige Busreise nach Griechenland - für die Zeit vom 30. September bis zum 18. Oktober. Sie erlebten also den 3. Oktober 1990 im fernen Griechenland. "Zur Feier des Tages gab es für uns deutsche Gäste für jeden ein Glas Sekt vom Hotel", erinnert sich Ursula Eckhardt.

Angestoßen haben sie und ihr Mann besonders gern mit den Hiemers. Denn das Quartett teilte sich im Hotel eine Suite. Wie es dazu kam? Nach zwei Übernachtungen in Jugoslawien erreichten die drei Busse Platamon. Und dort hieß es dann: Die Doppelzimmer reichen nicht für alle, zwei Paare müssen sich für die ersten Urlaubstage die Suite teilen. "Mein Mann hat sich dann umgeschaut im Bus. Hiemers haben genickt, und wir haben dann genickt", beschreibt die 72-jährige Ursula Eckhardt, wie sich die Paare ganz ohne Worte und ganz unkompliziert schnell verständigt und schnell verstanden haben. Und dank prompter Organisation gestaltete sich das Zusammenleben ganz problemlos. "Der Horst hat gleich ein Schild für die Toilettentür gebastelt", sagt Hans-Georg Eckhardt.

Als dann nach zwei oder drei Tagen wieder Doppelzimmer frei wurden, konnten die Ehepaare umziehen - taten dies aber nur unter einer Bedingung: Wir nehmen nur benachbarte Zimmer! Wegen der gerade gefundenen neuen Freunde, aber auch aus praktischen Gründen. "Wir hatten einen kleinen Topf mit Tauchsieder dabei, um uns Kaffee zu kochen. Und den konnten wir dann über den Balkon zu unseren Freunden rüberreichen", erzählt der heute 71-Jährige.

In den folgenden Tagen haben beide Paare dann jede Menge gemeinsam unternommen, sind viel gewandert, haben die Abende auf der Terrasse genossen. Beim Abschied tauschten sie die Adressen und Telefonnummern aus, es wurden gegenseitige Einladungen ausgesprochen. Mittlerweile sehen sich Eckhardts und Hiemers mindestens einmal im Jahr, telefoniert wird an jedem Wochenende. Zur Tradition bei jedem Treffen gehört, zur Begrüßung mit Ouzo auf die Freundschaft anzustoßen, und manchmal geht es zum Essen auch zum Griechen.

Zum Zehnjährigen im Jahr 2000 organisierten die Stendaler mit dem Sohn der Freunde als "Komplizen" einen Überraschungsbesuch. Er lud seine Eltern zum Wochenendausflug nach Brandenburg ein. Und als die Fahrt über Stendal führte, sagte Brigitte Hiemer: Na, wenn wir schon einmal mal hier sind, dann können wir doch gleich bei den Eckhardts vorbeischauen. Die waren natürlich wenig überrascht - denn der Besuch aus Salzgitter wurde schon erwartet. Nach Brandenburg ging es nicht mehr, die Tage verbrachten sie in der Altmark - der Sohn hatte heimlich alles Notwendige eingepackt.

Zwei Jahrzehnte nach dem Kennenlernen verbrachten beide Paare einen gemeinsamen Urlaub auf Kreta, für das Jubiläum in diesem Jahr suchen die Stendaler noch nach einer Überraschung für Brigitte und Horst Hiemer, die heute 75 und 79 Jahre alt sind.

"Es ist eine schöne Freundschaft, eine sehr herzliche. Wir sind sehr stolz darauf", sagt Ursula Eckhardt und fügt hinzu: "Wir sind uns immer auf Augenhöhe begegnet." Eine Rolle mag dabei auch gespielt haben, dass das Ehepaar Hiemer immer sehr am Osten Deutschlands interessiert war. "Sie waren oft hier unterwegs, um sich etwas anzuschauen."

 

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