Eine Statistik kann langweilig sein. Doch es geht auch anders. Das bewies Stadtwehrleiter Michael Classe am Mittwochabend mit seiner Präsentation vor dem Stadtrat. Er machte mit dem Thema Feuerwehr in Stadt und Ortsteilen vertraut.

Tangermünde l Wann lässt ein Feuerwehrmann alles stehen und liegen? Wenn der Alarmmelder auslöst. Doch wann ist das? Der normale Bürger würde es unchristliche Zeit nennen, zu der niemand freiwillig die warme Stube verlässt. Aber wer sich als Mitglied einer Feuerwehr verpflichtet hat, für den gibt es eine solche Ausrede nicht. Deshalb rückten die Wehren unter anderem am 24. Dezember 2013 nachmittags und am 25. Dezember 2014 morgens aus. Die Brandmeldeanlage im Seniorenwohnzentrum Jägerstraße war ausgelöst worden, weil jeweils eine Bewohnerin den Bratendunst in den Flur und nicht nach draußen abziehen ließ. Nachts löschten die Kameraden ein brennendes Autos am Kiesloch, fegten eine Stunde lang im Mai nachts die Straße in Tangermünde, weil Öl ausgelaufen war, sperrten drei Stunden das Areal um eine Tankstelle wegen Gasgeruch ab - bis eine verweste Maus gefunden wurde. Am Neujahrsmorgen befreiten Kameraden eine eingeklemmte Person aus einem Unfallwagen. Um dieser helfen zu können, hatten sie darauf verzichtet, das neue Jahr mit Alkohol zu begrüßen.

Wenn sie nicht der Arbeit nachgehen, gilt fast immer jeder freie Minute der Allgemeinheit. Bei Alarm lassen sie alles stehen und liegen. "Auf dem Papier haben wir 31 Kameraden, die die Tageseinsatzbereitschaft leisten könnten", sagte Classe. Doch bei Urlaub, Krankheit oder Schichtwechsel könnten aus den 31 auch viel weniger werden. "Deshalb muss diese Zahl unbedingt größer werden." Dass auch das Verständnis der Arbeitsgeber dabei eine große Rolle spielt, weiß der Stadtwehrleiter und hofft, dass diese ihre Mitarbeiter im Ernstfall ziehen lassen.

Um den Ratsmitgliedern im Beisein der Verwaltung die Augen für Dringendes zu öffnen, hielt Classe auch mit den Sorgen nicht zurück. Er sprach vom "Investitionsstau" im Bezug auf Gerätehäuser und Fahrzeugtechnik. "Uns rosten die Autos zum Teil weg. Ein Auto haben wir aktuell nicht durch den TÜV bekommen", erklärte er. "Wir haben viele Autos, die älter sind als ich. Es muss ja nicht die neueste Technik sein, aber schon solche, die Anreiz schafft, Nachwuchskräfte anzulocken", machte er deutlich. Erfreut verkündete er, dass die Stadt 2016 die beantragte Förderung für die Drehleiter vom Land bekomme. Doch damit sei das Technikproblem längst nicht behoben.

Er forderte auf, nochmals darüber nachzudenken, Kameraden freien Eintritt ins Freibad zu gewähren, für sie die Nutzung der Bibliothek unentgeltlich zu machen. "Das wäre nicht viel, aber immerhin eine Wertschätzung für die Kameraden."