Drei Kandidaten treten am 21. Juni zur Oberbürgermeister-Wahl an. Die Volksstimme hat jeden von ihnen eine Stunde lang begleitet, um ihr persönliches Stendal kennenzulernen. "Mein Stendal" zeigt heute Reiner Instenberg (SPD).

Stendal l Es ist acht Uhr morgens, die steigende Sonne setzt die katholische Annenkirche mehr und mehr ins rechte Licht. Natürliches Scheinwerferlicht für den Auftritt von Reiner Instenberg, mit dem ich vor der Kirche verabredet bin. Lange hat er nicht überlegen müssen, wo wir unsere gemeinsame Stunde beginnen wollen.

Die katholische Kirche, die Gemeinde, spielt eine große Rolle im Leben seiner Familie. Die es so ohne die Kirchengemeinde am Mönchskirchhof vermutlich gar nicht geben würde. Denn: "Während eines Praktikums dort habe ich meine Frau Beate kennengelernt", sagt der 52-Jährige und zeigt auf die Annenkirche: "Und hier haben wir am 17.Juni 1989 geheiratet." Kein zufälliger Termin: Die Verwandten aus dem Westen mussten für diesen Tag keinen Urlaub nehmen, denn der "Tag der deutschen Einheit" war damals dort ja ein Feiertag.

"Ich war immer katholisch, und ich werde es auch bleiben"

Reiner Instenberg, in Torgau geboren und aufgewachsen, zog 1989 der Liebe wegen nach Stendal. "Familie war und ist mir ganz wichtig." Denn gut funktionierende Familien seien eine gute Basis für die Gesellschaft, sagt der 52-Jährige. Und bremst sich dann selbst: "Aber heute geht es ja nicht um Politik, sondern um mein Stendal." Und dazu gehört für ihn eben die katholische Gemeinde, für die er sich über viele Jahre hinweg in deren Gremien engagiert hat. "Ich war schon immer katholisch, und ich werde es auch bleiben." Weil er seinen Glauben nicht verraten wollte, ließ er seinen großen Berufswunsch unerfüllt. Er wäre gern Förster geworden, erzählt er, doch um eine der begehrten Lehrstellen zu bekommen, hätte er drei Jahre zur Armee gemusst. "Für mich als Katholik kam das nicht in Frage." Und so ging er einen anderen Weg - der ihn, wie gesagt, in die Altmark führte.

St. Annen - für Reiner Instenberg steht das Gotteshaus auch für seinen Einstieg in die Politik. "Schon im Studium haben wir politisch gearbeitet, die Studiengruppen haben sich sogar Fraktionen genannt", erinnert sich der 52-Jährige. Als dann in der Wendezeit in der katholischen Gemeinde ein Abend stattfand, bei dem sich die neugegründeten Parteien und Bürgerbewegungen vorstellen konnten, hatte Reiner Instenberg einen Part übernommen. "Ich stellte die SDP vor, dabei war ich noch nicht einmal Mitglied." Das nur dazu, denn wie gesagt, um Politik geht es diesmal nicht.

Uns führt der Weg von der Annenkirche hin zum Marktplatz. "Das Kaffee-Kult muss auf jeden Fall dabei sein, wenn ich Ihnen mein Stendal zeige", sagt der leidenschaftliche Espresso-Trinker. Ob zuhause oder im Büro in Magdeburg - eine Espressomaschine gehört zur Ausstattung einfach dazu. Vier bis fünf Tassen am Tag, die sind ganz selbstverständlich. Den frischgerösteten Kaffee holt er - "na ja, meistens meine Frau" - in dem Geschäft am Marktplatz. Zu so früher Stunde ist es aber noch geschlossen.

Den Espresso gibt es trotzdem, wenig später in der Küche der Familie Instenberg. "Sie dürfen ruhig schlürfen, einen Espresso schlürft man", bekomme ich ganz nebenbei noch einen Schnellkurs in Espresso-Etikette. Kaum habe ich das Tässchen ausgeschlürft, steht Reiner Instenberg umgezogen in der Tür: Hatte er vorher einen Anzug an, kommt er jetzt sportlich daher. "So sehe ich aus, wenn ich aufs Fahrrad steige." Und das macht er oft, meist gemeinsam mit seiner Frau Beate, gelegentlich aber allein, "mit ein bisschen mehr Schwung, um mal Dampf rauszulassen". Gern fährt das Ehepaar zum Eisessen nach Hüselitz. Seine Lieblingssorte? "Nougateis."

Rund um Stendal gebe es sehr schöne Wege, um beim Radfahren zu entspannen, schwärmt der 52-Jährige. Einmal im Jahr unternimmt das Ehepaar einen Wochenend-Ausflug mit dem Rädern durch die Altmark, zu Spaziergängen durch Stendal geht es deutlich öfter hinaus. "Meine Frau zeigt Besuchern gern unsere schöne Stadt." Erstaunt sei er immer, was selbst Stendaler, die lange hier leben, "alles nicht über ihre Stadt wissen".

Mittlerweile hat der sportliche Ausgleich einen festen Platz im Wochenplan. "Damit man den Kopf freibekommt. Denn tagsüber sitzt im Büro sitzt man und abends, wie der Name schon verrät, auch bei Stadtrats- oder Fraktionssitzungen." Und damit ich einmal sehe, wie es aussieht, wenn der Herr Instenberg mit dem Fahrrad unterwegs ist, tritt er auf der Promenade im Villenviertel kurz in die Pedale.

"Stendal ist eine gute Mischung aus Groß und Klein"

Kurzer Blick auf die Uhr, die gemeinsame Stunde ist fast vorbei. Gern wäre er noch mit mir zum Hölzchen gefahren. Denn das Stadion, in dem er seit fast 20 Jahren seinem heute 24-jährigen Sohn Moritz beim Kicken zuschaut, gehört für Reiner Instenberg - in seiner Jugend aktiver Mittelfeldspieler bei Dynamo Torgau - ganz selbstverständlich zu den Orten, die sein Stendal ausmachen. "Bei Heimspielen bin ich immer dabei." Das war schon so, als Moritz als Kind dem runden Leder nachjagte. Hinaus zum Stadion ging es nicht nur, um seinen Jungen anzufeuern, sondern auch wegen des Miteinanders am Spielfeldrand. "Es hat immer Spaß gemacht, wenn wir Eltern uns dort getroffen haben." Sohn Moritz und auch Tochter Lisa (23) wohnen jetzt wegen ihres Studiums nicht mehr daheim.

"Stendal ist schon lange meine Heimat", bekennt Reiner Instenberg und erklärt, was er an ihr mag: "Es ist eine gute Mischung aus Groß und Klein." Meint: Es gibt die Annehmlichkeiten einer Stadt mit ihren kulturellen und sozialen Angeboten, mit der historischen Innenstadt und der Einkaufsstraße, mit ihrer Verkehrsanbindung. Dabei ist die Stadt aber klein genug, dass sich die Menschen kennen. Freunde, die hat er hier gefunden. Und Freunde, Menschen, mit denen man gemeinsam etwas bewegt, sagt Reiner Instenberg, machen sein Stendal noch mehr aus als Orte und Gebäude.

Am Montag zeigt Katrin Kunert (Die Linke) ihr Stendal, am Dienstag Klaus Schmotz (CDU). Und am Mittwoch, 3. Juni, stellen sich die drei OB-Kandidaten beim Volksstimme-Forum im Großen Haus des TdA den Fragen der Moderatoren Bernd-Volker Brahms und Thomas Pusch sowie den Fragen des Publikums. Die öffentliche Veranstaltung beginnt um 19.30 Uhr.

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