Das Johanniter-Krankenhaus Genthin-Stendal ist fest in der Altmarkmetropole verwurzelt. 1861 öffnete es seine Pforten, um Menschen in Not zu helfen. Die Zeiten haben sich gewandelt; der Anspruch ist geblieben. Die Volksstimme stellt in einer Serie Personen vor, die dem Krankenhaus ein Gesicht geben. Heute: Qualitätsbeauftragter Marcel Werner.

Stendal l "QM-Beauftragter" prangt auf dem Namensschild von Marcel Werner. QM steht für Qualitätsmanagement. Seit zwei Jahren zeichnet der 26-Jährige für diesen Bereich im Johanniter-Krankenhaus Genthin-Stendal verantwortlich. Dabei geht es vordergründig nicht um die richtig gesetzte Spritze oder schmackhaftes Essen für die Patienten, sondern in erster Linie um die Optimierung von Abläufen im Krankenhaus-Alltag.

"Vor allem soll unser Qualitätsmanagement dem Patienten dienen. Er steht im Mittelpunkt. Wir möchten ihm den Aufenthalt im Krankenhaus so angenehm wie möglich gestalten. Von den Wartezeiten bei der Computertomografie bis zum Mittagessen", erklärt Marcel Werner. Er nennt noch einen zweiten wichtigen Grund für einen hohen Qualitätsanspruch, einen wirtschaftlichen Aspekt: "Krankenhäuser stehen im Wettbewerb." Ein potenzieller Patient schaue heutzutage ganz genau, wo er sich beispielsweise operieren lasse, macht Marcel Werner klar.

Re-Zertifizierung wird im Sommer angestrebt

Nachweis für die Erfüllung von Qualitätsstandards ist eine Zertifizierung, die inzwischen gesetzlich vorgeschrieben ist. Erstmals erhielt das Johanniter-Krankenhaus 2005 ein Zertifikat für die Stendaler Klinik. 2009 zog Genthin nach. 2012 dann erhielt das Krankenhaus als Ganzes - also die Häuser in Stendal und Genthin sowie die Frauenklinik - das Zertifikat. "Im Sommer dieses Jahres steht nun die Rezertifizierung an. Darauf liegt derzeit ein Schwerpunkt meiner Arbeit", berichtet Marcel Werner. Zudem tragen Bereiche wie das Brustzentrum und das Darmkrebszentrum fachspezifische Zertifikate.

Was kann ein Qualitätsmanager bewirken? Man habe als Außenstehender eine andere Sicht auf die Dinge als die Mitarbeiter, die mitunter seit Jahr und Tag in den Abteilungen tätig sind. "Wir schauen, wo Veränderungen die Qualität verbessern können, wir schlagen vor, wir schieben an", sagt Marcel Werner, für den Qualitätsmanagement nur als "gelebtes System" möglich ist. "Neue Prozesse müssen von den Mitarbeitern angenommen und mitgetragen werden. Schließlich sind sie es auch, die sie letztlich umsetzen", macht der Stendaler deutlich.

Fußballer will Anregungen in anderen Kliniken holen

Dazu zählt das Kinder- und Babysicherungssystem in der Frauenklinik, bei dem Sensoren am Arm der Knirpse ihrer Entziehung vorbeugen. "Das hat das Qualitätsmanagement als Vermittler begleitet", so Marcel Werner. Ähnliches trifft auf eine Software für die Auswertung von Patientenbefragungen zu, die derzeit getestet wird, und auf eine Checkliste für Patienten vor einer OP.

Dem Beauftragten für Qualitätsmanagement macht sein Job Spaß, versichert er. "Ich habe mit vielen Leuten zu tun und die Arbeit ist abwechslungsreich", begründet er. Seit rund fünf Jahren ist er im Johanniter-Krankenhaus. 2010 begann er dort seine Ausbildung zum Bürokaufmann. Als Zivildienstleistender hatte er zwei Jahre zuvor an der Uni-Klinik Magdeburg die Vielseitigkeit der Tätigkeit in so einem großen Unternehmen kennengelernt. "Deshalb habe ich mich für ein Krankenhaus für meine Ausbildung entschieden", erzählt der begeisterte Fußballer, der einen Teil seiner Schulzeit an den Sportschulen in Halle und Magdeburg absolvierte und derzeit für Saxonia Tangermünde kickt.

Nach der Berufsausbildung übernahm er erst einmal eine halbe Stelle als Qualitätsmanager und eine halbe für Medizin-Controlling. Seit dem vergangenen Herbst konzentriert er sich voll auf das Qualitätsmanagement. Inzwischen hat er eine Zusatzausbildung absolviert, mit der er selbst Qualitätskontrollen in anderen Kliniken vornehmen darf. Das soll dem Johanniter-Krankenhaus doppelt nutzen, wünscht sich Marcel Werner. "Ich weiß, worauf es bei den Zertifizierungen ankommt", sagt er. Und er möchte zu eben solchen Zertifizierungen in andere Kliniken gehen, um "Anregungen für uns zu sammeln". Schließlich gebe es nichts, was nicht noch besser zu machen sei.