Der Chinesische Staatszirkus in Stendal – einer der grandiosen Höhepunkte des Jahres in der Hansestadt. Die Artisten aus Asien boten atemberaubende Akrobatik, viel fürs Auge und sorgten somit für reichliches Staunen unter dem Publikum, im ausverkauften Theater der Altmark am vergangenen Freitagabend.

Stendal. Vollendete Artistik, in der Gesetze der Elementarphysik aufgehoben scheinen, poetische Geschichten in dramatischem Gewand gekonnter Darstellung, harmonische Ballettkunst in durchdachtem Mix von europäischer Revuekunst und chinesischer Tanzgestaltung. Drei Komponenten miteinander verwandter Künste finden sich zusammengefasst im Terminus – Chinesischer Staatszirkus.

Harmonisch zwischen Frenost und Europa

In dieser Konstellation entstand ein harmonischer Bogen des Verstehens mit- und untereinander zwischen Fernost und Europa. Hier wurde deutlich, was es bedeutet, von Weltkultur zu reden. Im Programm des chinesischen Staatszirkus‘ ist dieses voluminöse Wort greifbare Realität.

Nachdem Buddha, Konfuzius und Tao den Inhalt vergangener Tourneen bestimmten, reisen die bewundernswert präzisen wie ebenso jungen Künstlerinnen und Künstler in diesem Jahr unter dem Zeichen des chinesischen Mythostieres: dem Panda.

Die Geschichte des jungen Mädchens, das von einer Pandabärin aufgefunden und aufgezogen und den Mönchen zur Ausbildung übergeben wird, das, erwachsen, die Bärin schwer verwundet wiederfindet und nunmehr sich um deren Junges kümmert. Dieses also zieht sich als roter Faden durch die reichlich zweieinhalbstündige Vorstellung.

Der chinesische Zirkus kommt ohne Tiere aus. Hier sind es acht Herren, die im Pandakostüm je zu zweit vier dieser Tiere darstellen und Meisterleistungen körperlich perfekt ausgeführter Tierparodie liefern. Sprünge übereinander, vom Podest herab, Aufrichten auf zwei Beine des Hintermannes, den Anderen auf der Schulter, verdeutlichten die Beweglichkeit dieser nationalen Symbolfiguren.

Um sie herum vollzogen junge Menschen von 15 Jahren und jünger, kaum älter als maximal 25 Jahre Schauleistungen, bei denen man vor Staunen den Atem anhielt. Dass bei jeder Darbietung aus dem vollbesetzten Theatersaal der Beifall aufbrauste, der auch zum Schluss nicht enden wollte, bestätigt die Beschreibung. Worte können ohnehin nur unvollkommen wiedergeben, was da an Atemberaubendem auf der Bühne vor sich ging.

Stühle auf kippligem Glasgrund

Hier seien einige Beispiele genannt. Da wurden Stühle auf kippeligem Glasgrund bis in den Bühnenboden hinein aufeinander gestapelt von zwei Artisten, die auf dem obersten turnten. Turnen aber beschreibt kaum, was da vor sich ging vom einarmigen Handstand über Körperdrehungen um die eigene Achse. Dann wieder stand der Artist ganz unten, über sich auf der Stirn ein sicher mehrere Zentner schweres Konstrukt aus Stühlen und Bänken balancierend.

Junge Damen sprangen federleicht vom Rücken einer Radlerin, die auf der Bühne ihre Runden drehte, auf die vor ihr fahrende Mitartistin, bis schließlich zehn Damen auf einem Fahrrad in einer Pyramide Platz fanden. Ein Clown erfreute nicht nur das Publikum mit gekonnten artistisch anmutenden Späßen. Er spielte auch direkt mit Zuschauern zum Vergnügen der anderen Anwesenden. Alles vollzog sich harmonisch von einer Darbietung zur anderen durch Tanzartistik ausgefüllt. Die Stunden verflogen bei Weltartistik unübertroffener Zirkuskunst.

   

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