Der kleine Barockengel, der seit 1826 die prächtige Scherer-Orgel der Marienkirche bewacht, ist von seinem mehrwöchigen Genesungsaufenthalt in der Werkstatt von Diplom-Restauratorin Kerstin Klein aus Halle/Saale zurückgekehrt. Er machte einen sichtlich erholten Eindruck.

Stendal. Der abgebrochene rechte Unterarm – wieder dran; der herabgefallene linke Flügel – wieder angewachsen; Füße und andere Gliedmaßen, die scheinbar rettungslos von Holzwürmern perforiert waren – jetzt wieder fest und von glatter Haut überzogen. Mit dem kleinen Engel vom Rückpositiv der Marienorgel ist ein Wunder geschehen. Mitte Dezember hatte ihn Kerstin Klein in ihre Werkstatt geholt, gestern brachte sie ihn zurück: wieder vollständig mit all seinen Körperteilen ausgestattet, gründlich gebadet und frisch geschminkt.

Die Restauratorin hat ihm seine auffällig rosige Gesichtsfarbe, den knallroten Mund und die stark nachgezogenen Augenbrauen zurückgegeben. "Das ist alles auf Fernwirkung ausgerichtet", begründet sie die kräftige Farbfassung, die das Flügelwesen, wohl aus dem 18. Jahrhundert stammend, mindestens seit 1826 hat, als es hoch oben auf die Scherer-Orgel gesetzt wurde. Seine Flügel, das wallende Haar und der Gürtel seines Gewandes sind nun wieder vornehm und gleichmäßig vergoldet. Kerstin Klein hat sie gereinigt und die Fehlstellen mit sogenanntem Muschelgold, einem hochkarätigen Goldpulver, abgedeckt. Rund 2500 Euro kostete die mehrwöchige Kur in "Bad Halle an der Saale".

Der Engel kehrt nicht sofort auf die Orgel zurück. Wie Fördervereinsvorsitzende Bärbel Hornemann gestern sagte, sollen ihn die Besucher für eine begrenzte Zeit unten in der Kirche aus der Nähe betrachten können. Der genaue Standort stehe aber noch nicht fest.