Stendal. Mehr als drei Millionen Kinder in Deutschland haben psychisch erkrankte Eltern. Über 60 Prozent dieser Kinder laufen Gefahr, in ihrem Leben auch an einer psychischen Erkrankung zu leiden. Das sagte die Diplom-Psychologin Ines Lägel aus Berlin zur gestrigen Fachtagung "Einer ist krank und alle leiden" im Landratsamt in Stendal. Unter der Schirmherrschaft von Landrat Jörg Hellmuth hatten sich an die hundert Teilnehmer eingefunden, um Vorträge zum Thema Kinder psychisch erkrankter Eltern zu hören.

Bedürfnisse bleiben aus

Was kann Jugendhilfe in Kooperation mit der Psychiatrie leisten? Wie kann die Lebenssituation von Kindern von psychisch erkrankten Eltern verbessert werden? Ziel der Veranstaltung sei es, so Moderator Siegfried Hutsch, den Fokus auf die Kinder zu richten und gemeinsam an Verbesserungsvorschlägen zu arbeiten.

Die Frage, welche die Psychologin Ines Lägel stellte war, wieviel Kinder von der psychischen Krankheit ihrer Eltern mitbekommen. Kinder psychisch erkrankter Eltern gelten als Hochrisiko-Gruppe.

Die Erkrankung der Eltern wirke sich auf die Kinder aus. Deren Grundbedürfnisse wie Bindung, Zuwendung, Selbstwerterhöhung, Orientierung, Kontrolle, Lustgewinn und Unlustvermeidung würden im Leben des Kindes zu kurz kommen oder gar ausbleiben, so die Psychologin. Desorientierung, Verwirrtheit, Schuldgefühle, Scham und Zusatzbelastungen wären die Folge. "Viele Kinder meinen, sie müssen die Aufgaben der erkrankten Mutter oder des erkrankten Vaters übernehmen. Da bleibt für Hausaufgaben oder das Spielen kaum noch Zeit", sagte Ines Lägel.

"Zu diesem Thema gibt es noch wenig bekannte Projekte und noch wenig Austausch in dieser Region. Aber es ist wichtig, denn wird ein Familienmitglied krank, leiden alle, aber vor allem die Kinder", sagte Kerstin Schmidt vom Erziehungshilfeverbund Altmark.