Er hat türkische Wurzeln, lebt in Berlin und arbeitete zuletzt im Iran und in Bahrain: Volkan Uluc soll als neuer Trainer den 1. FC Lok Stendal aus dem Tabellekeller in der Verbandsliga holen und sich hier hiemisch fühlen.

Stendal. "Das ist genau wie im Fußball." Volkan Uluc heftet oftmals diesen Satz an seine Ausführungen. Man kann also nicht nicht mit ihm über Fußball sprechen. Der neue Trainer der ersten Männermannschaft des 1. FC Lok Stendal lebt seinen Beruf durch und durch. Seit dem ersten Januar arbeitet er in Stendal, trainiert täglich Ausdauer, Technik und Kampfgeist der Spieler. Sein beruflicher Werdegang ist beeindruckend: Neben Trainerverträgen in Sachsen und Brandenburg, trainierte er auch Profi-Mannschaften im Iran und in Bahrain.

Doch was ist Volkan Uluc für ein Mensch? Uluc lebt mit seiner Frau, seinen zwölfjährigen Zwillingstöchtern und seinem achtjährigen Sohn in Berlin-Schöneberg. Ulucs Augen glänzen, wenn er von den Seinen spricht. "Ich bin ein Familienmensch", sagt er. Gerade durch seine Arrangements im Ausland habe er gemerkt, wie wichtig ihm Familie ist.

"Mein Herz für Deutschland und die Türkei"

In Bahrain arbeitet der 41-Jährige bis zum vergangenen Herbst. Doch dann änderte sich plötzlich etwas in seinem Leben. Im Herbst starb sein Vater an Krebs. Dieser Schicksalsschlag erschütterte seinem Wunsch nach einer ganz großen Karriere: "Ich habe mich dann dazu entschlossen, zurück nach Deutschland zu gehen." Diese Entscheidung habe er bis heute zu keinem Zeitpunkt bereut. Doch hier angekommen, musste er feststellen, dass es nicht einfach war, wieder neue Trainerangebote zu bekommen. "Aus den Augen, aus dem Sinn. Im Iran habe ich im Profibereich trainiert. Hier musste ich mich wieder umorientieren und wieder auf mich als Trainer aufmerksam machen." Doch gerade durch seine Erfahrung, die wie er sagt, das A und O ist, habe er sich auch bei den Fußballern in Stendal schnell Respekt verschafft.

Volkan Uluc wurde in Istanbul geboren. Mit drei Jahren zog seine Familie nach Deutschland. "Mein Herz schlägt für die Türkei und für Deutschland. Spielen beide Nationen gegeneinander Fußball, dann freue ich mich auch für beide Seiten." Und so spannt Uluc den Bogen wieder zum Fußball – seiner großen Leidenschaft. Von Kindesbeinen an stand er auf dem Platz. Seinen Traum von einer Karriere als großer Spieler konnte er aber nie umsetzten. Eine Verletzung am Knöchel, mit der er seit seinem 18. Lebensjahr kämpfte, zwang ihn, einen anderen Weg einzuschlagen. Der beste Kompromiss: Trainer. "Ich könnte mir nichts anderes vorstellen", sagt er ruhig und lächelt dabei.

Uluc strahlt viel Wärme und Besonnenheit aus. Er redet mit weicher Stimme und wird dabei nie laut. Oft lächelt er und zeigt dadurch genau, was ihm viel bedeutet – Fußball, der zu seiner Familie gehört.

Die wenige freie Zeit, die er durch die Arbeit als Trainer und dem Pendeln zwischen Stendal und Berlin hat, nutzt er mit seinen Kindern und seiner Frau. "Erst letztens waren wir zusammen im Kino. Wir haben Rapunzel gesehen. Zu solchen Filmen lasse ich mich gern mal von meinen Kindern hinreißen." Ulucs Kinder bewundern ihren Papa sehr. Seine Fußballleidenschaft tragen sie auch. "Mein Sohn spielt schon ganz gut, und meine Mädchen fiebern bei jeden meiner Spiele mit", sagt er stolz. Eine weiteres Hobby des Berliners ist das Kochen. Doch nicht etwa türkische Spezialitäten wie Lahmacun oder Kebap bereitet er zu, die chinesische Küche hat es ihm angetan.

Die Altmark und insbesondere Stendal gefällt dem Trainer. Vor allem die Ruhe und die Beschaulichkeit, im Gegensatz zum lauten und hektischen Treiben in Berlin, trage zu einer stressfreien und konzentrierten Arbeit bei. Wenn das Wetter wieder besser wird, so hat es sich Volkan Uluc vorgenommen, will er mit seiner Familie auch die Landschaften und Orte der Altmark erkunden. Das erste Mal in Stendal war er aber schon vor vielen Jahren. Damals noch als Trainer des Spandauer SV, den er von 1997 bis 1999 trainierte.

"Ich würde auch gern hier in Stendal wohnen"

Vorerst hat Volkan Uluc beim Lok Stendal einen Vertrag bis zum 30. Juni. Doch auch darüber hinaus könne er sich vorstellen, in der Hansestadt zu arbeiten. "Dann würde ich auch gern hier wohnen", sagt er.

Sein großer Wunsch für die nächsten Monate sei es, den Klassenerhalt des Vereins in der Verbandsliga zu sichern. Das letzte Spiel haben die Stendaler gewonnen und natürlich hoffen sie auf einen ähnlichen Erfolg am Samstag gegen Halle Ammendorf. "Das wird schwierig, aber wir werden kämpfen."