Einem Teil der Bewohner von Stendal-Süd drohen erneut Kälte und Trockenheit. Die Stadtwerke kündigten an, in den Eingängen Bremer Straße 10 bis 15 am 1. März Fernwärme und Wasser abzustellen. Die Begründung des Versorgers: ausstehende Zahlungen des Vermieters M & E Real Estate.

Stendal. Die meisten Bewohner von Stendal-Süd profitieren von der Zwangsverwaltung ihrer Wohnungen. Seitdem das Landgericht im Januar dem türkisch-aserbaidshanischen Vermieter den Zugriff auf die zwar ersteigerten, aber nicht bezahlten Wohnungen entzogen hat - etwa zwei Drittel des Restbestandes in Süd -, blieben sie von weiteren Drohungen, Fernwärme oder andere lebenswichtige Medien abzustellen, verschont.

"Wir bekommen das Geld im Moment vom Zwangsverwalter und sehen zurzeit keinen Grund, etwas abzustellen", sagte Jens Christmann, Sprecher des Versorgungsunternehmens Techem, gestern der Volksstimme. Das in Eschborn bei Frankfurt/Main ansässige Unternehmen fungiert in Sachen Fernwärme als Zwischenhändler und Dienstleister zwischen den Stadtwerken und dem Vermieter M & E.

Doch was für die Hanseallee gilt, hat an der Bremer Straße keinen Bestand. Dort, wo die Stadtwerke und die Vermieter direkt Vertragspartner sind, steht den Südlern neuer Ärger ins Haus. Den Bewohnern der Hauseingänge 10 bis 15 - das sind diejenigen Wohnungen, die M & E tatsächlich gekauft hat - kündigen die Stendaler Stadtwerke drastische Einschränkungen an. Am 1. März, so erfahren die Mieter aus einem Schreiben der Stadtwerke, würde die Versorgung mit Fernwärme und Wasser eingestellt.

Unbezahlte Leistungen

Trotz schleppender Zahlungen sei es ihnen nach intensiven Verhandlungen und der Androhung der Versorgungseinstellung bisher immer gelungen, die Bezahlung der erbrachten Leistungen durchzusetzen, heißt es in dem Schreiben. Und weiter: "Dies ist nun leider nicht mehr der Fall." Von kleineren Summen abgesehen, bezahle der Vermieter bereits seit Dezember 2010 kein Geld mehr für Wärme, Strom und Wasser.

20 000 Euro offen

Wie Stadtwerke-Geschäftsführer Thomas Bräuer im Gespräch mit der Volksstimme konkretisierte, seien derzeit fast 20 000 Euro offen. Der Kontakt zu den Vermietern sei jedoch noch nicht abgerissen. "Die Eigentümer sind davon unterrichtet", erklärt Bräuer, "dass sie die Einstellung der Versorgung abwenden können, wenn sie bis zum 1. März noch zahlen." Für die Mieter tue es ihm leid, so der Stadtwerke-Geschäftsführer, aber: "Wenn sich die Vermieter nicht an die vereinbarten Zahlungen halten, bleibt uns keine andere Wahl."

Und welche Wahl bleibt den Mietern in der Bremer Straße? "Bitte bevorraten Sie sich mit Wasser und stellen die Notversorgung mit Wärme ggf. über Radiatoren oder Heizlüfter sicher", raten ihnen die Stadtwerke in ihrem Aushang.