#NULL#In die Reihen der Tangermünder Feuerwehr kommt keine Ruhe. Hatte Wehrleiter Uwe Classe vor wenigen Tagen seinen Rücktritt erklärt, wurde im nichtöffentlichen Teil der Ratssitzung am Mittwoch dessen Abberufung beschlossen. Aber nicht nur das. Der Rat beschloss auch die Abberufung des stellvertretenden Wehrleiters Andreas Bahr.

Von Anke Hoffmeister

Tangermünde. Aus Sicht der Kameraden der Tangermünder Feuerwehr hätte es ein ruhiger Neuanfang werden können, nachdem Wehrleiter Uwe Classe in der vergangenen Woche seinen Rücktritt erklärt hatte.

Doch statt Ruhe gibt es jetzt Aufruhr im Gerätehaus in der Lindenstraße. Der Grund: Der Stadtrat beschloss am Mittwoch unter Ausschluss der Öffentlichkeit nicht nur die Abberufung von Uwe Classe, sondern auch die seines Stellvertreters Andreas Bahr aus dem Ehrenbeamtenverhältnis. Während Classe diesen Beschluss selbst durch sein Rücktrittsersuchen auf die Tagesordnung gerufen hatte, trifft Andreas Bahr diese Entscheidung wie ein Schlag. Ihm wurde dieser Beschluss am Donnerstagabend von Ordnungsamtsleiterin Birgit Herzberg mitgeteilt. Bürgermeister Dr. Rudolf Opitz ist im Urlaub. Bahr erhielt von ihr seine Abberufungsurkunde. Doch nicht nur das. Auch wurde er entpflichtet. Gleiches passierte mit Bernd Tangelmann. Das bedeutet: Ab sofort sind die beiden nicht mehr Mitglied der Tangermünder Wehr.

"Diese Entscheidung haben wir uns wirklich nicht leicht gemacht", so Birgit Herzberg. Mit Vernunft, Ruhe und Bitten sei jedoch nicht mehr an die Kameraden heranzukommen gewesen. Die Wehrleitung sei dem Vertrauen, was die Verwaltung von ihr erwartet hätte, nicht gerecht geworden. "Deshalb haben wir uns erst einmal für die Trennung voneinander entschieden", begründet sie. "Wir erwarten von einer Leitung, dass sie loyal arbeitet, an erster Stelle Menschenleben rettet und daran primär interessiert ist", setzt sie fort.

Da die Tangermünder Wehr mit der Abberufung von Leiter und Stellvertreter ohne Führung ist, musste die Verwaltung als Träger des Brandschutzes zugleich für eine Lösung sorgen. Und die heißt für die Verantwortlichen Marko Mälitz. Der junge Mann ist im Bauhof der Stadt tätig, leitet seit wenigen Jahren die Bucher Wehr und wurde dazu verpflichtet, kommissarisch die Tangermünder Truppe zu übernehmen. "Es wird eine schwere Zeit für ihn", ist sich Birgit Herzberg bewusst. Doch die Auswahl an geeigneten und entsprechend qualifizierten Männern in der Stadt Tangermünde ist nicht groß. Steffen Buddy wird bis zur nächsten Wahl als stellvertretender Wehrleiter eingesetzt.

Für Andreas Bahr sind Abberufung und Entpflichtung ein großer Schock. In der Woche zuvor waren er und die Kameraden noch auf den Wunsch des Bürgermeisters eingegangen und hatten bereits die Einladung an Wehrleiter Uwe Classe zu einem Gespräch geschrieben. Doch bevor diese abgeschickt werden konnte, hatte dieser bereits selbst eine Entscheidung getroffen.

"Nicht auf meine Initiative hin war das Schreiben zur Einberufung einer Mitgliederversammlung im Januar verfasst worden", berichtet Andreas Bahr in einem Gespräch. Seit November hätten die Kameraden nach Veränderungen gesucht und sich letztendlich im Vertrauen an ihn als Stellvertreter gewandt. "Mein einziger Fehler war es, die Stadtverwaltung darüber nicht informiert zu haben", gesteht Bahr ein. Er hätte sich schweren Herzens damit abgefunden, wenn die Stadt ihn deshalb als Stellvertreter abberufen hätte. Doch das sei noch lange kein Grund, ihn unehrenhaft aus dem Feuerwehrdienst zu entlassen, ihn vor die Tür zu setzen.

Seit 1977 ist Andreas Bahr Mitglied der Tangermünder Wehr. Ihn und auch die Mehrheit der Kameraden auf diese Weise vor vollendete Tatsachen zu stellen, sei nicht akzeptabel. "Von uns wird verlangt, das Gespräch zu suchen. Doch niemand sucht es mit uns", so Bahr.

Nicht nur den Wehrmitgliedern, auch der Verwaltung, insbesondere dem Bürgermeister, sei seit Jahren klar gewesen, "was in der Wehr los ist". Andreas Bahr erinnert an die vielen Rücktrittsgesuche. Nie habe jemand von der Verwaltung versucht, die Kameraden zu halten. Nie wurde nachgefragt, aus welchem Grund der Truppe der Rücken zugekehrt werde. Stattdessen hatte die Verwaltung Schreiben an Männer und Frauen in der Stadt verfasst und sie darin für den aktiven Dienst in der Wehr geworben.

Andreas Bahr weiß 32 der 43 aktiven Tangermünder Feuerwehrmänner hinter sich. "Bisher sieht es so aus, dass sie alle am nächsten Dienstag ihren Einsatzdienst hinschmeißen werden", berichtet er und ringt um Fassung, weil er weiß, was das im Ernstfall bedeutet.

Birgit Herzberg: "Wir setzen mit unserer Entscheidung bewusst auf einen Neuanfang. Ich hoffe, dass die Kameraden wissen, wofür sie sich verpflichtet haben." So, wie es bisher gelaufen sei, gehe es nicht weiter. Am Dienstag wird Marko Mälitz der Truppe als der kommissarische Wehrleiter vorgestellt werden. "Bis sich die Wogen geglättet haben, wird er das Amt übernehmen", sagte sie. Dann werde es Neuwahlen geben.

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