30 Kameraden der Tangermünder Feuerwehr waren am Dienstag zum Dienstabend in ihr Gerätehaus in der Lindenstraße gekommen. Keiner von ihnen schmiss, wie befürchtet worden war, den Dienst hin. Nach dem Rücktritt von Wehrleiter Uwe Classe und der Abberufung von dessen Stellvertreter Andreas Bahr (wir berichteten) wurde die kommissarische Leitung vorgestellt. Jeder bekam die Chance, das Wort zu ergreifen.

Tangermünde. Jeden Dienstag ist bei der Tangermünder Feuerwehr Dienstabend. Auch diese Woche sollte es so weitergehen - obwohl Wehrleiter und Stellvertreter nicht mehr im Amt sind. Leiter Uwe Classe hatte nach 25 Jahren in dieser Funktion vor wenigen Tagen seinen Rücktritt bekanntgegeben. Sein Stellvertreter Andreas Bahr war vergangenen Mittwoch vom Stadtrat aus dem Ehrenamt abberufen und zugleich entpflichtet worden - unerwartet für Bahr und die Kameraden der Wehr (wir berichteten). Zeitgleich wurde auch Bernd Tangelmann entpflichtet. Das sorgte und sorgt noch immer für Unmut in den Reihen. Viele drohten damit, den Einsatzdienst hinzuwerfen. Deshalb rechnete Ordnungsamtsleiterin Birgit Herzberg am Dienstagabend mit allem.

"Ruhiger und sachlicher Abend - das hatte ich nicht erwartet"

Doch es kam ganz anders, wie die stellvertretende Bürgermeisterin gestern berichtete: "Es war ein sehr ruhiger und sachlicher Dienstabend. Das hatte ich ehrlich gesagt nicht erwartet." Natürlich seien den Kameraden die Emotionen anzumerken gewesen. Natürlich hätten sie gefordert, dass Andreas Bahr und Bernd Tangelmann wieder in der Wehr mitarbeiten dürfen. "Doch das ist ein schwebendes Verfahren. Dazu möchte und kann ich derzeit nichts sagen", fügte sie hinzu.

Anliegen dieses Abends war es, den 30 anwesenden Feuerwehrmännern die kommissarische Wehrleitung vorzustellen. Marko Mälitz, Wehrleiter von Buch, wird bis zur Neuwahl die Truppe führen. Ihm zur Seite steht als Stellvertreter Steffen Buddy, zugleich Zugführer in der Tangermünder Wehr.

Außerdem sei der Dienstabend genutzt worden, um sowohl die Trägerseite als auch die Wehr anzuhören. Birgit Herzberg: "Ich habe mir von den Kameraden gewünscht, dass die fehlende Kommunikation ab sofort aufhört, dass sofort und nicht später Probleme angesprochen werden." Nur auf dieser Basis könne es einen tatsächlichen Neuanfang geben. "Ich habe großen Respekt vor all den Kameraden, die am Dienstagabend dabei waren, denn sie sind über ihren Schatten gesprungen." Über ihren Schatten gesprungen deshalb, weil sie einerseits nicht damit einverstanden sind, dass zwei ihrer Kameraden vom Dienst suspendiert wurden, sie andererseits jedoch weiter für die Wehr arbeiten möchten.

Birgit Herzberg: "Wichtig ist jetzt, dass die Einsatzbereitschaft gewährleistet ist und alles Persönliche dabei hintangestellt wird."

Nicht nur Tangermündes Ordnungsamtsleiterin war am Dienstag in das Gerätehaus gekommen. Auch Kreisbrandmeister Dieter Bolle und die Stadträte Wolfgang von der Heide (SPD) und Thomas Staudt (CDU) nahmen am Dienstabend teil. "Die Situation, die derzeit in der Wehr herrscht, ist nicht schön", sagte Thomas Staudt gestern in einem Gespräch. Dennoch habe er einen positiven Eindruck gewonnen. "Es war eine sehr höfliche Gesprächsrunde. Niemand wurde ausfallend. Und wir haben auch einmal die andere Seite gehört", berichtete der Tangermünder Unternehmer. Auch habe niemand seinen Austritt erklärt. "Es ist jetzt wichtig, wieder Ruhe reinzubringen, nachdem dieser Schnitt gemacht wurde", so Staudt weiter. Das bedeute jedoch nicht, dass all die Dinge aus der Vergangenheit unter den Teppich gekehrt werden würden. All das müsse aufgearbeitet werden, um neu beginnen zu können. Dieser Dienstabend habe ihn als Tangermünder beruhigt, denn er sei mit dem Gefühl nach Hause gegangen, dass dies eine "eingeschworene Truppe ist", die zur Feuerwehr steht.

Mit Andreas Bahr, so Thomas Staudt weiter, sollte von Seiten der Verwaltung das Gespräch gesucht werden.

"Kameraden haben mir ihre Zusammenarbeit zugesichert"

Selbst Marko Mälitz, nun kommissarischer Wehrleiter der Tangermünder Truppe, war am Dienstagabend "positiv überrascht" von dem Verlauf des Dienstabends. "Die Kameraden haben mir ihre Zusammenarbeit zugesichert", sagte der Bucher in einem Gespräch. Doch ihm sei klar, dass niemand von heute auf morgen alles vergessen werde. Die gesamte Situation brauche Zeit und vor allem offene Aufarbeitung. "Mit Vorsicht und viel Feingefühl" müsse hier der Neuanfang gestartet werden und dabei werde er die Feuerwehrmänner und -frauen begleiten.

Ein wenig komisch sei es schon gewesen, nun vor all den Leuten zu stehen, mit denen er in der Vergangenheit immer gemeinsam bei Einsätzen und Übungen unterwegs war. Doch er hoffe ganz einfach, dass sie zusammen die nächsten Wochen und Monate bis zur Neuwahl meistern und Seite an Seite den Einsatzdienst sichern.