Viel Regen - viel Wasser im Flottgraben. Die starken Niederschläge überforderten in den zurückliegenden Monaten das wichtigste Entwässerungssystem im Süden und Osten von Stendal. Hans-Ulrich Klante, Geschäftsführer des Unterhaltungsverbandes Uchte, weist Kritik von Bürgern zurück, der Verband würde seiner Aufgabe nicht gerecht werden.

Stendal. Volle Gräben, die sonst trocken stehen, überflutete Gärten, Wasser in den Kellern - viele Eigenheimbesitzer im Osten Stendals lasteten die Folgen der starken Niederschläge dem Unterhaltungsverband Uchte an. Doch diese Kritik hält Verbandsgeschäftsführer Hans-Ulrich Klante für unberechtigt. Am Mittwoch-abend erläuterte er im Ausschuss für Stadtentwicklung die Spezifik des Entwässerungssystems Flottgraben.

Manche Leute würden zwar einsehen, dass bei starken Regenfällen das Wasser steigt, aber nicht, dass es dann in ihre Gärten läuft. "Dann verlangen sie vom Verband, dass wir einschreiten", erklärte Klante. Alteingesessene wüssten allerdings, dass solche Überflutungen im Süden und Osten Stendals wie im September und Oktober vergangenen Jahres nichts Neues seien. Klante belegte seine Behauptung mit Fotos aus den 1950er Jahren, die Anwohner in Badekleidung, bis zum Bauch im Wasser stehend, zeigen. Klante: "Wer erst wenige Jahre dort wohnt, kennt das nicht."

Der Flottgraben hat ein 63 Quadratkilometer großes Einzugsgebiet, zu dem Gräben von insgesamt 145 Kilomenter Länge gehören. Sie entwässern die nach Stendal hin abfallende Tangermünder Hochfläche, eine von der Eiszeit geformte Landschaft. Zwischen Hölzchen und Langem Weg mündet der Flottgraben in die Uchte. Um bei starken Niederschlägen den Wasserfluss in Richtung Stendal aufzuhalten, sind Verzögerungen eingebaut. Eine der jüngsten ist der Dahlener Kiessee mit seinem Speichervolumen von 80 000 Kubikmetern.

Früher totgespritzt

Um die Gräben durchlässig zu halten, werden sie vom Unterhaltungsverband Uchte zweimal jährlich gekrautet: Die erste Mahd, so Hans-Ulrich Klante, beginnt Ende Mai, die zweite Anfang Oktober. "Das Hochwasser im vergangenen Jahr hat uns vor der zweiten Krautung erwischt", sagte er. Das habe den Abfluss des Wasser erschwert, so dass größere Flächen an Kiebitzberg und Dohlenweg unter Wasser standen. Daraus hat der Verband offenbar eine Lehre gezogen. Wie Klante sagte, werde von diesem Jahr an eine dritte Mahd, allerdings nur den Flottgraben betreffend, eingeführt. Diese Zwischenmahd sei ab August ge-plant.

Der Verbandsgeschäftsführer wandte sich gegen die von Betroffenen geäußerte Auffassung, zu DDR-Zeiten hätte die Unterhaltung der Gewässer besser geklappt. "Der Bewuchs", so Klante, "ist damals zum Teil totgespritzt worden." Das käme nun nicht mehr in Frage. Heute verfüge der Verband über effektive Technik zum Entkrauten, könne sie aber dort nicht einsetzen, wo der Zugang über private Flächen nicht möglich sei.

Nach Klantes Einschätzung wird es zu Hochwassersituationen wie im vergangenen Jahr immer wieder in Stendal kommen. "Man kann nicht jeder Situation vorbeugen. Wir müssen den Leuten sagen, dass bestimmte Dinge nicht gehen", legte er dem Ausschuss für Stadtentwicklung ans Herz.

Aus dessen Reihen kam daraufhin sogleich ein Vorschlag. Katrin Kunert (Fraktion Linke/Bündnisgrüne) regte an, zu einer ähnlichen Informationsveranstaltung wie dem Vortrag Klantes im Ausschuss zielgerichtet die betroffenen Bürger einzuladen.