Was ist, wenn jemand anders ist als die anderen? Sollte man auch Außenseiter integrieren? Und welche Rolle spielt dabei eigentlich die Freundschaft? - Fragen, mit denen sich angehende ErzieherInnen der Berufsbildenen Schulen eine Woche lang beschäftigten. Das Ergebnis zeigten sie gestern in einem Puppentheaterstück für Kinder.

Stendal. Wer Erzieher oder Erzieherin werden möchte, muss nicht nur die theoretischen Grundlagen erlernen, sondern vor allem praktisch mit Kindern umgehen können. Darum absolvierten die Berufsfachschüler in dieser Woche eine Projektwoche, die an der Schule organisiert wurde.

Die Aufgabe lautete, innerhalb einer Woche ein Theaterstück auf die Beine zu stellen. "Dazu wurden die 26 Schüler in vier Gruppen aufgeteilt", erklärt Fachbereichsleiterin Anja Molkenthin. Jede Gruppe musste ein eigenes Theaterstück gestalten - das Thema war Integration. "Sie haben es selbst geschrieben, die Kulisse entworfen, sich um Text und Musik gekümmert", so die Pädagogin. Eine Gruppe hat sogar selbst Handpuppen für ihr kleines Stück entworfen und selbst genäht. Die tierischen Figuren wurden gestern Vormittag auf der Bühne zum Leben erweckt.

Die Jungen und Mädchen der Kindertagesstätte Mischka in Stendal warteten gespannt darauf, dass sich der Vorhang hebt. Und schon ging es los mit dem tierischen Abenteuer: Während Hase und Eule befreundet sind, fühlt sich der Igel aufgrund seiner Stacheln als Außenseiter. Doch irgendwann helfen sie sich gegenseitig und haben viel Spaß. "Tierische Freundschaft" heißt das Stück, an dem Alina Witek (24), Marie-Christin Faber (22), Jennifer Doerks (20), Cindy Titel (21) und Nikola Lenz (22) mitwirkten. Mit ihren liebevoll gestalteten Tierpuppen brachten sie die Kinder zum Strahlen.

"Gerade in Kitas ist es wichtig, Freundschaften aufzubauen", findet Cindy, die den Hasen gespielt hat. Mit den Tieren könne man symbolisch gut erklären, was Integration und Freundschaft bedeutet. Denn auch schon im frühen Alter wird gerne Streit entfacht, weil manche Kinder anders sind als andere.

"Stärken hervorheben"

"Man sollte die Stärken hervorheben", meint Nikola, "wenn einer etwas nicht kann, kann er dafür etwas anderes." Es sei wichtig, stets Kompromisse zu finden. Zum Beispiel sollen die Kinder erfahren, dass auch behinderte Kinder integriert werden müssen. Den angehenden Erzieherinnen merkte man den Spaß an der Vorführung an. So beschäftigten sie sich auch danach noch mit den Kleinen, sangen Lieder und tanzten. Ab nächster Woche beginnen dann für alle die Praktika in Kindereinrichtungen in den Landkreisen Stendal und Salzwedel.

"Wir erhalten viel Zuspruch für die Ausbildung", sagt Anja Molkenthin. Jedes Jahr werde eine neue Klasse mit maximal 29 Schülern aufgemacht. Die Ausbildung zum staatlich anerkannten Erzieher dauert drei Jahre. Davor muss man aber bereits ein Jahr Sozialassistenz oder Kinderpfleger gelernt haben. Notwendig sei auch ein Realschulabschluss oder das Abitur sowie Fachhochschulreife unter Berücksichtigung eines einjährigen Praktikums im sozialen Bereich.

Für das Theaterprojekt erhalten alle Schüler Noten. "Wenn andere Kitas Interesse haben, es sich mal anzuschauen, können sie sich gerne bei uns anmelden", lädt die Leiterin ein.

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