Landratsstellvertreter Carsten Wulfänger fasste während der Sitzung des Ausschusses für Wirtschaftsförderung, Landwirtschaft und Tourismus die Ereignisse des jüngsten Hochwassers noch einmal zusammen. Drei Schwerpunkte nannte er dabei: Das Gebiet um den Aland, Havelberg und das Gebiet zwischen Demker und Schelldorf.

Stendal. Es sei das vierte Hochwasser gewesen, das in diesem Jahrhundert kritische Ausmaße erreicht habe, sagte Carsten Wulfänger während der Sitzung des Ausschusses für Wirtschaftsförderung, Landwirtschaft und Tourismus.

"Wir haben allerdings aus den Erfahrungswerten profitiert, die wir bislang gesammelt haben. Auch die Bewohner der betroffenen Orte haben wesentlich ruhiger reagiert", fasste er zusammen. Drei Einsatzschwerpunkte habe es gegeben, sagte der stellvertretende Landrat. "Der Aland war durch die Schneeschmelze schon voll, sodass er kein weiteres Elbwasser hatte aufnehmen können." Daher seien die vorgesehenen Flächen bei Pollitz und Wanzer zur Entlastung geflutet worden. "Das hat uns rund eine Woche Zeit verschafft." Dazu musste der Deich bei Pollitz auf der Landseite verstärkt werden, damit dieser dem Druck standhielt.

Ausschuss-Mitglied Nico Schulz (CDU) erklärte, dass eine Alandüberleitung in den westlich gelegenden Fluss Seege geplant sei, um dieses Problem zu lösen. Allerdings werde gegen dieses Vorhaben gerade durch den NABU, der im betreffenden Gebiet Flächen besitze, geklagt.

Wulfänger erzählte über den zweiten Schwerpunkt, die Havelberger Stadtinsel, das auch hier die Bewohner mit Gelassenheit reagiert haben. Der Wasserstand habe "die Kanten der Straßen erreicht", sei aber dort zum Stehen gekommen. Das wirkliche Problem seien jedoch die unter der Straße verlaufenden Abwasserleitungen gewesen. "Die Rohre waren voller Wasser und unbrauchbar." Mit Abpumpen sei hier entgegengesteuert worden. "Auch bei Schelldorf haben wir abgepumpt. Allerdings ist der Erfolg nicht meßbar", sagte Wulfänger über den dritten Schwerpunkt. Die Wahrheit sei, dass während des Abpumpens der Pegel um einen Zentimeter im Überflutungsgebiet gestiegen sei. "Ob es mehr gewesen wäre, wenn wir nicht gepumpt hätten, wissen wir nicht."

Die Leidtragenden seien in jeden Falle jene Schelldorfer mit überfluteten Kellern und die Landwirte gewesen, merkte er an. Von den vier kritischen Hochwassern 2002, 2003, 2006 und 2011 war das jüngste das mit dem zweithöchstem Stand. Der Pegel von mehr als sieben Metern hätte sogar einen Katastrophenalarm gerechtfertigt, meinte er. "Allerdings war es auch vertretbar, diesen nicht auszurufen." Die Menschen und die Schutzmaßnahmen seien mittlerweile besser auf Hochwassersituationen eingestellt. "Wir waren lange Zeit davon verschont geblieben", sagte er, "aber wir werden weiter damit rechnen müssen."