Seit einem Jahr läuft an der Stendaler Volkshochschule ein Kurs für Erwachsene zur "Vorbereitung auf den nachträglichen Erwerb des Hauptschulabschlusses". Wir haben Teilnehmer getroffen, die seitdem dabeigeblieben sind. Sie stehen kurz vor den Prüfungen.

Stendal. Jetzt ist Daumendrücken angesagt. Für Christin Kleczka und Steffen Götz geht es um alles - um ihren Schulabschluss. Seit einem Jahr besuchen sie einen Kurs der Volkshochschule, um sich auf den grundlegendsten Schulabschluss, den man in Deutschland haben kann, vorzubereiten. Und damit die Mindestvoraussetzung für eine berufliche Ausbildung erfüllen. Jetzt sind sie mitten im letzten Semester, Ende Mai, Anfang Juni sind die staatlichen Prüfungen in der Komarow-Sekundarschule.

Auch wenn sie diese große Hürde noch vor sich haben, das Wichtigste haben Christin und Steffen schon geschafft: sie haben sich getraut und durchgehalten. Vor gut einem Jahr haben wir sie schon einmal im Kurs besucht, der ihnen die Grundlagen in Deutsch, Mathe, Biologie, Geographie und Sozialkunde vermittelt. Sie haben uns anvertraut, woran sie bislang gescheitert waren und was sie erreichen wollen.

Christin Kleczka, die nächste Woche 22 wird, hat ihr Ehrgeiz nicht verlassen. Sie weiß aber auch, wo ihre Schwächen sind. "In Geographie habe ich echt Probleme, aber Sozialkunde und Deutsch machen Spaß." Aufgeregt ist sie auf jeden Fall, die Angst vor einem Blackout in der Prüfung ist groß. Christin ist voller Hoffnung, auch ihren Berufswunsch Verkäuferin verwirklichen zu können. Und wenn sie ihren Abschluss erstmal geschafft hat, dann will sie auch noch den Führerschein machen und eine eigene Wohnung beziehen.

Ihr Mitstreiter Steffen Götz will seine Gedanken, seine Hoffnungen und auch Ängste lieber für sich behalten. "Ich warte erstmal die Prüfungen ab, vorher sage ich nichts." Er spart sich seine Energie und Konzentration für den vielleicht wichtigsten Tag seines Lebens.

Die Klasse, in der Christin und Steffen lernen, ist eine Mischung, wie sie nur das wahre Leben bereithalten kann. Außer den beiden haben es noch vier weitere Mitstreiter geschafft, dabeizubleiben - von anfangs zwölf angemeldeten Teilnehmern. Da ist zum Beispiel die junge Frau, Ende 20, die selbst schon ein Kind hat und diesem eines Tages vielleicht bei den Hausaufgaben helfen möchte. Ein junger Mann, Jahrgang 89, scheint müde zu sein - kein Wunder, er geht nebenher ja noch arbeiten. Und auch ein Mädel mit afghanischen Wurzeln ist dabei, die an einer Sekundarschule lernt und über das Migranten-Netzwerk in den Kurs gekommen ist. Und da ist die 37 Jahre alte Manuela Ulrich, die so gern Altenpflegerin werden will. "Aber ich hatte ja den Schulabschluss nicht." Nach vielen Jahren Arbeitslosigkeit hat sie sich gesagt: Jetzt reicht\'s. "Ich hab mir vorgenommen: Bevor du 40 wirst, muss das was werden."

Über jeden von ihnen weiß Bereichsleiterin Ines Müller etwas Positives zu sagen. "Jeder hat sein Päckchen zu tragen, aber sie sind alle ganz doll fleißig. Und jeder muss für sich selbst ausmachen, ob er kommt. Wir zwingen keinen." Egal aber ist es den Mitarbeitern und den Lehrern, die für den Vorbereitungskurs engagiert werden, auch nicht. Wissen sie doch, welche Mühen und Überwindung oftmals dahinterstecken, zweimal in der Woche nachmittags für eineinhalb Stunden in die Volkshochschule zu kommen.

Ines Müller ist zuversichtlich, dass sie es packen können: "Ich bin begeistert, wie gut sie klarkommen. Sie sind diszipliniert, und man merkt, sie wollen es schaffen."

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