Stendal. Der dem historischen Stendaler Gefängnis drohende Abriss ist abgewendet. Das vom Land als bisherigem Eigentümer aufgegebene Gebäude wurde an eine Stendaler Unternehmerfamilie verkauft. Sie will das Backsteingemäuer zwischen Hallstraße und Dom zu Wohnzwecken umbauen.

Nachdem eine erste Ausschreibung des landeseigenen Liegenschafts- und Immobilienmanagements (Limsa) erfolglos geblieben war und in Magdeburg schon offen von Abriss gesprochen wurde, bot das Land die Immobilie doch noch ein zweites Mal an. Da griffen die Stendaler zu.

"Angesichts vieler verschwundener Bauten in Stendal wie Hansa-Brauerei oder Bertram-Speicher wollen wir das historische Gebäude vor allem vor dem Abriss retten", sagte der Investor, der nicht genannt werden möchte, gestern der Volksstimme. Seine Pläne gehen im Wesentlichen in Richtung Wohnnutzung, auch ein Café an der Seite zum Dom soll entstehen. Er könnte sich auch vorstellen, einige Gefängniszellen als Erinnerung an die Geschichte des Hauses zu Anschauungszwecken zu erhalten.

Er sei zuversichtlich, sich mit den Denkmalbehörden einigen zu können. Die Bausub-stanz soll möglichst erhalten bleiben, allerdings wolle er die hohen Mauern schleifen, um Sichtachsen zum Dom zu öffnen.

Nach mehr als hundertjährigem Betrieb ist das 1906 eröffnete Gefängnis im Januar vergangenen Jahres überraschend geschlossen worden. Das Justizministerium begründete den plötzlichen Schritt damit, dass die Dachkonstruktion nicht mehr standsicher sei.