Immer mehr Menschen, die sterbenskrank sind, entscheiden sich offenbar für eine Betreuung durch das Hospiz. Auch wenn die Anfragen zunehmen - vergrößern will sich das Stendaler Hospiz aber nicht.

Stendal. Ja, aus dem Hospiz darf man ruhig auch mal eine gute Nachricht vermelden. Eine solche ist es für Pfarrer Ulrich Paulsen, dass im vergangenen Jahr ein Bewohner wieder nach Hause entlassen werden konnte - sein Gesundheitszustand hatte sich stabilisiert. Mental sicher eine schwierige Phase für den Betroffenen - sich erst aufs Sterben einzulassen, und dann zu sehen: nein, das Leben lässt mich noch nicht gehen.

Dennoch eine schöne Ausnahme für die Mitarbeiter des stationären Hospizdienstes in Stendal. 125 Menschen haben sie im vergangenen Jahr in ihrem Haus in der Wendstraße aufgenommen, 24 mehr als im Jahr davor. In den meisten Fällen kommen die Bewohner aus Krankenhäusern oder werden von ihren Hausärzten eingewiesen, weil sie zu Hause nicht mehr umfassend betreut werden können.

Auch wenn unter den vornehmlich älteren Bewohnern auch ab und an jüngere Leute sind: in der Regel sind es Menschen jenseits der 70, die ins Hospiz kommen. Und: Es kann durchaus mal zu Wartezeiten kommen. "Aber die sind bei uns natürlich nicht planbar", sagt Pfarrer Ulrich Paulsen, Geschäftsführer des Hospizes. "Aber wir wollen auch nicht größer werden, sonst ginge der familiäre Charakter verloren."

Meist erstreckt sich der Aufenthalt auf ein bis zwei Wochen. Aber es gibt auch Bewohner, die mehrere Monate lang betreut werden. "Das Hospiz ist nicht nur für die letzten 24 Stunden des Lebens, aber wir sind auch kein Ort der Dauerpflege", sagt Paulsen. "Bei uns handelt es sich um Pflege in einer Finalsituation."

Aber selbst wenn jemand nur für ganz kurze Zeit im Hospiz ist, und sei es nur für einen Tag - für die Angehörigen sei dies in jedem Fall eine Entlastung. "Um selbst mal Termine wahrnehmen zu können, um Kraft zu sammeln, aber auch Ruhe zum Abschiednehmen zu finden", sagt Paulsen.

Die Entlastung der Angehörigen spielt insbesondere beim ambulanten Hospizdienst eine Rolle, der im Wesentlichen von Ehrenamtlichen getragen wird. Etwa 30 Prozent der Todkranken bundesweit sterben zu Hause, zitiert Paulsen aus einer Statistik. Das dichte Netz der ambulanten Versorgung des Stendaler Hospizes reicht über die gesamte Altmark bis ins Jerichower Land.

Eins steht für Paulsen fest: Ohne die vielen regelmäßigen Spenden könnte diese Arbeit nicht getan werden. "Seien es Firmen und Vereine, die uns regelmäßig bedenken, oder die liebevollen Menschen, die alle Vierteljahr fünf Euro überweisen."