Das Poker um die mehr oder weniger maroden Rudimente von Stendal-Süd geht weiter. Vier der sechs verbliebenen Plattenbau-Wohnblocks des Abrissviertels standen gestern am Amtsgericht erneut zur Zwangsversteigerung. Erwartungsgemäß endete diese erste Bieterrunde ohne Angebot.

Stendal. Den erfreulichen Aspekt des ergebnislos endenden Zwangsversteigerungstermins fasste Stendals OB-Stellvertreter Axel Kleefeldt nach der Sitzung so zusammen: "Die Wohnungen bleiben in Zwangsverwaltung. Für die Mieter ändert sich also nichts."

Das Gros der Mieter in Süd - betroffen sind rund zwei Drittel der 550 Wohnungen - muss sich also bis auf Weiteres nicht auf die Unwägbarkeiten eines neues Vermieters einstellen. Die Wohnungen bleiben beschlagnahmt und werden weiterhin von dem Magdeburger Rechtsanwalt Torsten Klinkau verwaltet. Der nächste Zwangsversteigerungstermin wird frühestens im Sommer dieses Jahres angesetzt, wie Rechtspflegerin Kathrin Gorski, die gestern das Verfahren leitete, der Volksstimme sagte.

Gleich nach der 30-minütigen Bieterstunde, die wie erwähnt keinerlei Gebote zu Tage förderte, hatte Gorski das Verfahren einstweilig eingestellt. Daraufhin beantragten die beiden Hauptgläubiger - die Wiesbadener Versicherungsgruppe Delta Lloyd und die Stadt Stendal - die Fortsetzung des Verfahrens, die nun also nicht vor dem Sommer zu erwarten ist.

Vor zwei Jahren, als die sechs Süd-Wohnhäuser der insolventen Firma Janssen & Helbing schon einmal zwangsversteigert wurden, waren drei Versteigerungstermine notwendig, um die Immobilien an den Mann zu bringen. Damals bekam die türkisch-aserbaid-shanische Firma M & E Real Estate für 2,8 Millionen Euro - die Hälfte des Verkehrswerts - den Zuschlag. Da die Orientalen aber nur zwei der sechs Wohnblocks tatsächlich bezahlt haben sollen, wurden die anderen vier nach Verstreichen von Fristen beschlagnahmt und auf Antrag der Versorgungsfirma Techem, die nichtbezahlte Fernwärmerechnungen beklagt, vom Landgericht unter Zwangsverwaltung gestellt.

Zu haben sind jetzt: Hanseallee 25 bis 39, Hanseallee 2a bis 14a, Hanseallee 57 bis 65a/Lemgoer Straße 2 bis 6 sowie Bremer Straße 2 bis 6. Ihr Verkehrswert ist mit insgesamt 4,017 Millionen Euro festgesetzt. Bei künftigen Versteigerungsterminen könnten die Wertgrenzen sinken.

Darauf hofften gestern im Saal 112 des Stendaler Amtsgerichts offenbar mehrere potenzielle Käufer.