Das Biosphärenreservat "Mittelelbe" hat in der Zellstoff Stendal GmbH einen Partner gefunden, mit dem sie gemeinsam ein Weidenmutterquartier anlegt. Es dient zum Erhalt der Elbauenwälder und bietet die Möglichkeit, genetisch wertvolles Steckholz zu erhalten. Das Areal auf dem Zellstoffwerk-Gelände ist 30 mal 30 Meter groß.

Arneburg.Auf einem Areal von 900 Quadratmetern übergab die Zellstoff Stendal GmbH gestern dem Biosphärenreservat "Mittelelbe"Platz für ein Weidenmutterquartier. Dort werden verschiedene Weidenarten -Korbweide, Silberweide, Mandelweide und später Bruchweide - angepflanzt, deren Stecklinge nach zwei bis drei Jahren erstmals "geerntet" werden können. Mit diesen Stecklingen werden weitere Weidenbestände aufgebaut. Wie Peter Oestreich vom Biosphärenreservat erklärt, können aus einer Weide bis zu 100 Stecklinge gewonnen werden.

Vor zirka einem Jahr startete das Biosphärenreservat anlässlich des Jahres der biologischen Vielfalt ein Projekt zum Erhalt vom Aussterben bedrohter Weidengehölze der Elbtalaue. Ziel ist es, drei bis vier Pflanzgärten, sogenannte Mutterquartiere zu errichten. Geschützt sollten dort Pflanzen herangezogen werden. Dazu wurden Flächen und Mitstreiter gesucht.

Ein Partner istdie Zellstoff Stendal GmbH. Sie bot ein entsprechendes Grundstück an, das eine durchgängige Wasserversorgung bietet und zudem unabhängig vom Wasserstand der Elbe ist,und stellte junge Gehölzpflanzen kostenlos zur Verfügung. Gestern wurde das erste Mutterquartier mit einer symbolischen Baumpflanzung übergeben. Die Zellstoff Stendal GmbH sprach sich für die Unterstützung von Mutterquartieren aus. Eberhard Schmidt, bei Zellstoff Stendal Leiter im Bereich Umweltschutz und Genehmigungen, nannte den Grund:Das Unternehmen sieht sich als Teil der Umwelt. "Wir nehmen von der Umwelt. Wir entnehmen zur Produktion Wasser aus der Elbe. Wir benötigen Luft für unsere Verbrennungsanlagen. Nun können wir etwas zurückgeben", erklärte Schmidt. Neben der Herstellung von "grünem Strom" aus Biomasse ist die Ansiedlung eines Weidenmutterquartiers ein weiterer Schritt in diese Richtung.

Außerdem verriet Schmidt persönliche Ambitionen. Er selbst ist südlich von Leipzig aufgewachsen "Den Wald kannte ich nur aus dem Märchenbuch", berichtete er. Da sein Großvater Korbflechter war, hatte Schmidt als Kind Gelegenheit, ihn auf die Weidenfelder zu begleiten. "Als ich erfahren habe, dass das Biosphärenreservat Mitstreiter sucht, wusste ich, dass wir einen Beitrag leisten können", so Schmidt. Warum Mutterquartiere wichtig sind, erklärte der Leiter des Biosphärenreservats Guido Puhlmann: Im Überschwemmungsbereich der Elbe im nördlichen Sachsen-Anhalt gibt es nur noch wenige Vorkommen an Auewaldgehölzen. Der Erhalt könne nur noch durch künstliche Neuanlagen ermöglicht werden, etwa in Mutterquartieren. Vorteil dieser Quartiere ist es, dass das Geschlecht der Gehölze bestimmt und so optimal für die Vermehrung angewandt werden könne.