Vor 20 Jahren wurde er gegründet, gestern wurde beim Verein "Bürger für Bürger" Geburtstag gefeiert. Er bietet mit Selbsthilfegruppen und ambulant betreutem Wohnen Unterstützung für psychisch Erkrankte und geistig Behinderte.

Stendal. "Das Menschliche, die menschlichen Werte - das versuchen wir zu leben." Den Betreuten Ansprechpartner sein, ihnen die Sicherheit geben, dass da jemand ist, der sie versteht und für sie da ist. In Jeanette Rübeners Augen sind das die wichtigsten Aufgaben, die der Verein "Bürger für Bürger" leistet. Ziel ist, Menschen, die chronisch psychisch erkrankt oder geistig behindert sind und dauerhaft Hilfe benötigen, ein möglichst eigenständiges Leben zu ermöglichen.

Rübener ist festangestellt im Verein und verantwortlich für das ambulant betreute Wohnen, wo man sich derzeit um etwa ein Dutzend Menschen kümmert. Es sind vor allem Hilfen, um im Alltag zurechtzukommen. Sei es die Organisation des Haushalts, der Gang zum Arzt oder zur Behörde, die Zusammenstellung des Einkaufszettels oder die Erinnerung an die Körperpflege. Mit den psychisch Kranken gibt es zudem vor allem Gespräche über die eigene Situation, die eigene Krankheit, den Umgang mit Problemen und Konflikten. "Die meisten brauchen ganz viel Motivation", sagt Rübener. "Motivation zum Leben auch." Die Betreuung des Einzelnen zieht sich in der Regel über Jahre, sie geschieht zusätzlich zu der Arbeit der gerichtlich bestellten Betreuer, die vor allem die finanzielle Seite im Blick haben.

"Wenn es uns nicht gäbe", sagt Jeannette Rübener, "würden viele der Leute wieder in ein tiefes Loch fallen. Es ist wichtig für sie, einen vertrauten Ansprechpartner zu haben." Den finden sie übrigens auch in den diversen Selbsthilfegruppen, die sich im "Bürger für Bürger"-Domizil in der Nachtigal-Straße treffen und von Franziska Schumann koordiniert werden. Diese Gruppen waren der Grundstein des Vereins, der am 25. April 1991 gegründet und wenig später Mitglied im Paritätischen wurde.

Die Ursprünge des Vereins zeichneten sich indes schon anderthalb Jahre früher ab. "Im November 1989 gab es einen Aufruf, um Laienhelfer für Langzeitpatienten in Uchtspringe zu finden", erinnert sich Vereinsvorsitzende Christel Mehnert. Diese Helfer trafen sich mit der Zeit immer öfter, und es bestand Interesse, als Verein weiter tätig zu sein.

47 Frauen und Männer sind derzeit Mitglied, zum Teil ehemalige Mitarbeiter oder ABM-Kräfte oder auch Angehörige einstmals hier Betreuter. Sie waren auch gestern dabei, als das 20-jährige Bestehen in geselliger Runde gefeiert wurde.