Die Wüste ist Inspirationsquelle für zwei israelische Künstler, deren Bilder und Fotografien in der neuen Sonderausstellung im Winckelmann-Museum zu sehen sind. Am Sonnabend wurde sie in Anwesenheit des israelischen Schriftstellers Chaim Noll eröffnet.

Stendal. Als ob ein heißer Wüstenwind weht, wirbeln die lichten Farben auf Sabine Kahanes Bildern ineinander. Wie durch einen Schleier schaut man auf Dünen, Felsen, Oasen stimmungsgeladene Himmel. Und verharrt dort nicht gerade ein Reiter im gleißenden Licht? Knapp 100 Gemälde - strukturreiche Acrylbilder, in die zum Teil Sand eingearbeitet wurde - zeigen eine Landschaft, die sich die gebürtige Berlinerin zur Heimat gewählt hat: die Negev-Wüste in Israel.

Aber es ist nicht einfach nur die omnipotente Natur, die sich des Betrachters ermächtigt. Es ist Geschichte, in die man sich ziehen lassen kann. "Sabine Kahane hat die Geschichte des israelischen Volkes und also die der Menschheit in diese Landschaft imaginiert", sagte Professor Max Kunze bei der Ausstellungseröffnung am Sonnabend. "Sie fängt Jahreszeiten, Tageszeiten, Lichtverhältnisse ein, und vereint die Schönheit der Natur mit der Gefährdung des Menschen darin."

Wie winzig und ohnmächtig der Mensch ist, zeigt sich eindrücklich nicht nur in den Bildern zum Thema Wasser in der Wüste, sondern insbesondere in den wiederkehrenden Motiven des Reiters. Die Figuren sind kaum wahrnehmbar, hier wird klar, dass ein "Wiedersehen angesichts der Unwägbarkeiten des Wüstenlebens nicht sicher ist", wie in einem der Begleittexte von Chaim Noll zu lesen ist. Die Verlorenheit und Einsamkeit des Einzelnen in dieser machtvollen Natur verdeutlicht Noll durch eine ethymologische Erklärung: Das Wort Fels ist stammgleich mit dem für Enge, Bedrängnis, Bedrückung. Gegen dieses Manifest steht der leichte, wie dahingewischte Stil der Künstlerin. Chaim Noll: "Meine Frau malt sehr bewegt, sehr impulsiv."

Sabine Kahane, die ihre Bilder zum ersten Mal überhaupt öffentlich zeigt, setzt sich auch mit biblischen Themen auseinander. Chaim Nolls begleitenden Texten ist es zu verdanken, dass der Betrachter die Motive erkennt und versteht.

So erfahren wir auch, was es mit dem vollkommenen weltlichen Motiv "Baustelle in der Wüste" auf sich hat. Die Wüste verändert sich, durch den Menschen. Der Versuch, sie zu bändigen, manifestiert sich in Rohbauten und Kränen, die sich aus dem Wüstensand erheben.

Schönheit, Bedrohung, Leben mit der Wüste - all dies liegt in den Gemälden dicht beieinander oder wenigstens doch nebeneinander.

Ganz anders die Fotografien von Arie Bar Lev. Hier gibt es kein Aufwühlen, sondern allein friedvolle Momente. Wie menschlich die Wüste hier doch wirkt, amüsante Assoziationen drängen sich auf: Winden sich da nicht menschliche Schenkel im Sand, und streckt sich dort nicht ein knackiger Po dem Betrachter entgegen? Und wer mag den Kussmund im Sandstein hinterlassen haben? Eine Ästhetik des Kargen im Wechselspiel mit der nüchternen Unwirklichkeit der Wüste.

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