In reichlich einem Jahr verlässt Intendant Dirk Löschner das Theater der Altmark in Richtung Ostseeküste (die Volksstimme berichtete). Er wird die Intendanz des Theaters Vorpommern mit den Standorten Stralsund, Greifswald und Putbus übernehmen. Wie kam diese überraschende Nachricht in Stendal an? Die Redaktion befragte Verantwortungsträger in der Stadt.

Stendal. Die Ankündigung von Dirk Löschners vorzeitigem Weggang hat in Stendal Überraschung, Bedauern und zumindest teilweises Unverständnis ausgelöst. Am 1. August 2012 übernimmt der 44-Jährige die Intendanz des Theaters Vorpommern mit Bühnen in den Ostseestädten Stralsund, Greifwald und Putbus auf Rügen. Damit würde er - vorausgesetzt, die Stadt Stendal stimmt dem zu - ein Jahr früher als geplant aus dem Vertrag mit der Hansestadt aussteigen.

Eingeweiht in die Bewerbung Löschners um das Drei-spartenhaus mit viermal mehr Mitarbeitern als in Stendal - 280 dort statt 71 hier - war als einer von wenigen Oberbürgermeister Klaus Schmotz. Er äußerte gestern Bedauern, aber auch Verständnis für die Entscheidung des Intendanten. "Uns verlässt ein sehr engagierter und in kurzer Zeit schon sehr erfolgreicher Intendant", so Schmotz gestern im Gespräch mit der Volksstimme. Er sehe Löschners Weggang mit einem weinenden Auge; andererseits sei die Tatsache, dass er von einem vergleichsweise großen Theater eingestellt wird, auch ein gutes Zeichen und spreche für die Qualität des TdA. Schmotz: "Der Schritt ist ihm nicht übel zu nehmen. Dirk Löschner nutzt eine Chance, die größer ist als bei uns."

Auch Daniela Frankenberg, Vorsitzende des Vereins Freunde und Förderer des Theaters der Altmark, war vorbereitet. "Er hat mich angerufen, bevor es in der Zeitung stand", sagte sie gestern der Volksstimme. Sie findet seinen Weggang "sehr, sehr schade. Weil er seine Arbeit ganz toll macht und dem Theater gut tut".

Holger Gebhardt (CDU), Mitglied der größten Stadtratsfraktion, hätte Löschner gern länger in Stendal gesehen. "Er hat hier gute Arbeit geleistet, und ich hätte mir gewünscht, dass er noch länger bleibt, um von ihm angeschobene Entwicklungen weiterzutreiben", so der Stadtrat. Stattdessen sei nun zu befürchten, dass auch Chefdramaturg Sascha Löschner das Haus verlässt.

Als bekennende Theatergängerin, die kaum eine Gelegenheit auslässt, in der Öffentlichkeit für das TdA zu werben, hat die Nachricht von Löschners vorzeitigem Vertragsausstieg Linke-Fraktionsvorsitzende Helga Zimmermann "sehr traurig" gestimmt. "Ich schätze seine Arbeit sehr hoch ein", sagt sie. Dass die Qualität des Hauses auch über die Grenzen Stendals hinaus wirkt, hätte die Beachtung von Stendaler Inszenierungen in überregionalen Zeitungen bewiesen, zum Beispiel "Warten auf Godot". Löschners Erfolge seien umso höher zu bewerten, als er 2009 einen "nicht so günstigen Start mit finanziellen Problemen hatte, für die er nichts konnte". "Jetzt kommt es darauf an", so Zimmermann, "das wir bei der Auswahl seines Nachfolgers möglichst ein ebenso glückliches Händchen haben."

Der vorzeitige Weggang Löschners werfe nach Meinung von Reiner Instenberg, SPD-Fraktionsvorsitzender, eine Reihe von Fragen auf, unter anderem die: "Wie attraktiv ist eine Intendantenstelle in Stendal?" Er hätte sich gewünscht, dass Löschner die Vertragslaufzeit einhält. "Die vorzeitige Kündigung", sagt Instenberg, "schwächt unsere Position bei den anstehenden Verhandlungen mit dem Land über die künftige Theaterfinanzierung." Die SPD werde sich aber nicht in den Weg stellen.

Laut OB soll die Stelle, wenn der Hauptausschuss zustimmt, sehr kurzfristig, in den nächsten 14 Tagen, ausgeschrieben werden, um das Bestellungsverfahren eines Löschner-Nachfolgers möglichst bis September zu erledigen.