Stendal/Awassa. Auf das Zusammentreffen haben sie hingearbeitet; um im Bild zu bleiben, sie sind hingelaufen: Die Mitglieder der Stendaler Initiative "Äthiopien Kinderhilfe" haben den äthiopischen Langstreckenläufer Haile Gebrselassie höchstpersönlich in dessen Heimatland die Hände schütteln dürfen. "Wir sind zweimal mit ihm zusammengetroffen", berichtete Gerd Engel, Chef der Stendaler Initiative, am Volksstimme-Telefon.

Dabei klingt noch immer der Stolz nach, diesem Weltstar begegnet zu sein. Denn Gebrselassi ist kein Unbekannter im Weltmaßstab. Er stellte 26 Weltrekorde auf verschiedenen Strecken auf. Über ein Jahrzehnt bildete der Äthiopier das Weltmaß aller Dinge zwischen 3000 bis 10000 Metern auf der Stadion-Tartanbahn dar und ist aktueller Weltbestzeit-Halter im Marathonlauf, bei dem keine Weltrekorde geführt werden. Zudem gewann der 38-Jährige viermal den Berlin-Marathon.

"Wir hatten ein sehr angenehmes und emotionales Gespräch mit Haile Gebrselassie", befand etwa Barbara Birkholz, Lehrerin am Tangermünder Diesterweg-Gymnasium, in einer E-Mail aus Äthiopien. "Haile hat von uns einen Kalender geschenkt bekommen, ein T-Shirt vom letzten Elbdeich-Marathon mit Medaille und allen Infos zu dem Lauf und natürlich eine Einladung, mit Schülern unserer Patenschule, zum Tangermünder Lauf zu kommen."

Ihr Zusammentreffen mit der afrikanischen Läufer-Legende kam am Vorabend des "Every One"-Volkslaufes in Awassa, der Provinzhauptstadt 270 Kilometer nördlich der äthiopischen Kapitale Addis Abeba, vorigen Sonntag zustande. Auf unterschiedlichen Strecken ging es von fünf Kilometer, über sieben bis 21 Kilometer entlang des Lake Awassa. Von der Stendaler Initiative und den Tangermündern nahmen insgesamt 22 Läufer daran teil; die meisten über sieben Kilometer. Auf einer Höhe bei gut 1500 Metern und reichlich um 30 Grad Celsius herrschten anspruchsvolle Bedingungen für die 5000 Läufer - Profis wie Amateure. "Wir sind mit unseren Schul-T-Shirts und einer Tangermünder Flagge an den Start gegangen und auch wieder durchs Ziel gelaufen", schreibt Barbara Birkholz: "Darauf sind wir alle sehr stolz." Erstmals dabei war Hermine Kaschade, mit ihrem Mann Hans-Joachim Patronin ihrer Stiftung in Stendal zur Talentförderung.

Am Montag ging es für die Gruppe weiter nach Shafamu, gestern dann zurück nach Deutschland. "Wir haben so viele Eindrücke zu verarbeiten, dass es sicher lange dauern wird, bis alles so gespeichert ist, wie es für eine konstruktive Arbeit mit all den Erfahrungen nötig ist", berichtet Barbara Birkholz abschließend.

Bei ihrem Aufenthalt in Äthiopien hat die Stendaler Initiative gleichsam außerhalb der Laufstrecken an ihren Beziehungen zu den äthiopischen Partnern gewirkt; so an der Eröffnung einer Schule, die jetzt den Namen der Hansestadt trägt. Ein weiterer Höhepunkt war die Übernahme einer Patenschaft für die 20-jährige Almaz. Sie ist eine Marathonläuferin aus Addis Abeba, die nun finanziell von den Altmärkern unterstützt wird.

 

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