Stendal. "In Deutschland haben die Kinder alles. Den äthiopischen Kindern geht es da ganz anders. Sie haben nichts, kein Spielzeug", erzählt Gerd Engel von der Äthiopienhilfe sichtlich berührt. Rund 20 Schüler starren ihn verwundert an. "Nicht mal einen Schulranzen?", fragt ein Junge. "Nein, nicht mal das. Sie klemmen sich ihre drei Bücher unter den Arm", erwidert Engel traurig.

Klassen verschiedener Schulen waren gestern beim Bücherbasar in der Bürgerhalle - organisiert von der Buchchandlung Genz, um die Äthiopienhilfe zu unterstützen. Erst um 1 Uhr ist Engel Dienstagnacht aus dem afrikanischen Land zurückgekommen - und steht einige Stunden später wieder auf den Beinen. "Die äthiopischen Kinder sind so dankbar für jede Hilfe", sagt er. Geholfen wird auch an diesem Tag: Auf einer langen Tafel sind Bücher ausgelegt.

"Die haben die Schüler gesammelt und werden für 50 Cent pro Buch verkauft. Das Geld geht dann an die Äthiopienhilfe", erklärt Lehrerin Claudia Babinsky von der Diesterweg-Sekundarschule. Das Geschäft läuft gut. "Wir haben schon fünf Bücher verkauft und stehen hier erst seit ein paar Minuten", freut sich Jessica Hele (11). Sogar eine Biografie von einem bekannten Schauspieler ist in dem Bücherhaufen: "Bruce Willis - Holywoods neuer Superstar" von 1992. Viele alte Schätzchen, findet Ingrid Genz, Leierin der Buchhandlung. Sie greift auf die Tafel und zieht ein altes Buch heraus: "Das habe ich auch zu Hause. "Bummi - Tiergeschichten für Jung und Alt von Friedrich Wolf", sagt sie und lacht. Ein paar Meter weiter drängen sich die Schüler um einen Tisch voller Butterkekse, die wie Miniaturbücher aussehen. Sie belegen sie mit bunten Kügelchen, bestreichen sie mit süßer Paste. Ein Mädchen garniert gerade einen Keks, während die Hälfte eines anderen noch aus ihrem Mund guckt - dann ist er mit einem Happs weg. Das Mädchen grinst und befindet: "Schmeckt gut."

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