Seit 1984 ist das Grundstück leergeräumt; bis vor kurzem wurde auf ihm mehr oder weniger legal geparkt. Das ist jetzt vorbei. Die städtebaulich nicht ganz unwichtige Ecke Winckelmannstraße/Rohrstraße wird demnächst neu bebaut.

Stendal. Die Einmündung der Rohrstraße in die Winckelmannstraße erhält an der Südseite eine neue Fassung. Sie wird, was die Proportionen und Baumassen betrifft, den 1984 abgerissenen Fachwerkhäusern Winckelmannstraße 29 und 30 entsprechen. Doch hier wird nichts rekonstruiert. Die Bauherrin, die in Stendal eine Physiotherapiepraxis betreibt, mit der sie möglichst im Oktober dieses Jahres in das neue Wohn- und Geschäftshaus einziehen will, hat sich einen zweiteiligen Neubau in modernen Formen entwerfen lassen.

Baubeginn soll demnächst sein, nachdem die Vorarbeiten weitgehend abgeschlossen sind. Unter anderem wurden 20 Bohrpfähle in den schwierigen Stendaler Untergrund getrieben, die das neue Haus auf tragfähige "Füße" stellen sollen. Neben der Physiotherapiepraxis ist im Erdgeschoss noch eine kleine Büroeinheit geplant.

Zusammen mit einem weiteren Neubau, der gegenwärtig am östlichen Ende der Rohrstraße empor wächst, wird damit der Rahmen für die Neubebauung des gesamten wüsten Areals an Rohrstraße und Karnipp gespannt. Pläne dafür liegen bereits vor; die Stadt will die Flächen zusammen mit der Kreissparkasse vermarkten.

Das Fachwerkhaus Winckelmannstraße 30 an der Ecke zur Rohrstraße wurde im Jahr 1984 abgerissen. Wann es gebaut wurde - vermutlich wie die übrige schlichte Fachwerkbebauung der Straße im 18. Jahrhundert -, ist nicht dokumentiert. 1865 stand es jedenfalls schon, wie Tilo Stolzenhain, Mitarbeiter des Stendaler Stadtarchivs, auf Bitten der Volksstimme der Bauakte entnahm. Damals gehörte es einem Herrn Lohburg. In den 1870er Jahren ist ein Fleischermeister Püttjer (andere Schreibweise: Püttcher) als Besitzer eingetragen, der 1882 einen kleinen Laden an der Straßenecke einbaut. Berta Püttcher lässt 1907/08 den östlichen Hausteil an der Rohrstraße zum Teil neu aufbauen. Bereits 1909 gehört das Haus einem Herrn Höffling. 1911 beantragt Brunnenbaumeister August Schmidt den Ausbau des kleinen Ladens an der Ecke, was auch genehmigt wird. 1935 steht der Name Karl Weber in den Unterlagen, der Veränderungen an der Hausfront und den Bau eines Kellers beantragt. 1948 schließlich baut die Konsumgenossenschaft den Laden zu einem Lebensmittelgeschäft um. Bis zum Abriss benutzt sie das Haus als Lager.

 

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