Seit Jahren dabei und nun auch endlich einmal Sieger: Die Helen-Keller-Schule hat das Turnier der Geistigbehinderten-Schulen gewonnen. Trainer Jochen Diesing ist stolz auf seine Mannschaft.

Von Nora Knappe und Philip Najdzion

Stendal/Klötze. "Jahrelang haben wir immer nur den zweiten oder dritten Platz belegt, jetzt hat es endlich geklappt." Jochen Diesing ist glücklich und richtig stolz auf seine Jungs. Sieben Schüler haben sich diese Woche beim Otto-Reutter-Turnier für die Helen-Keller-Schule ins Zeug gelegt - und gewonnen.

Seit sieben Jahren wird dieses Fußballturnier der Geistigbehinderten-Schulen in der Altmark ausgetragen. Diesmal fand es in Klötze statt, wo eine ganze Woche lang sportliche Aktivitäten veranstaltet werden. Fünf Mannschaften traten gegeneinander an, neben den Stendalern kamen Teilnehmer aus Gardelegen, Erxleben, Dessau-Roßlau und Lüneburg. Die Stendaler Mannschaft war diesmal eine reine Jungsmannschaft, sieben Schüler im Alter von 13 bis 19 Jahren. "Wir hatten in den Jahren zuvor aber auch schon fußballstarke Mädchen dabei", sagt Jochen Diesing.

Den Sieg haben sich seine Jungs verdient, findet der Lehrer. "Sie waren im Spiel sehr kameradschaftlich und diszipliniert, jeder hat für den anderen mitgekämpft. In der Altmark ist dieses Turnier das Höchste für die Förderschulen." Einmal in der Woche trainieren die Hellen-Keller-Fußballer mit Jochen Diesing. Er bedauert nur, dass sie keine eigene Turnhalle haben. "Da müssen wir meist draußen spielen." Oder sie finden "Asyl" in anderen Schul- oder Vereinshallen.

Den Pokal haben die Turnier-Sieger nach ihrer Rückkehr nach Stendal mit sichtlichem Stolz vorgezeigt. "Sie sind damit durch die ganze Schule gegangen", erzählt Jochen Diesing. Auch er ist voll Freude über die Leistung. Sein Resümee: "Es gab nichts zu beanstanden am Spiel."

Normalerweise wird das Otto-Reutter-Turnier in Gardelegen ausgetragen, aber diesmal arbeitete die Gardelegener Förderschule mit dem Behinderten- und Rehabilitationssportverein (BSV) Salzwedel zusammen. Und der hat den europäischen Protesttag für die Gleichstellung behinderter Menschen, der gestern in Klötze stattfand, organisiert. Da wiederum passte das Turnier gut dazu.

Zu dem Protesttag kommen vor allem Grundschüler aus Salzwedel nach Klötze sowie Schüler mit Lern- oder geistigen Behinderungen aus Gardelegen und Salzwedel. Sie können sich an verschiedenen Stationen sportlich messen, so gibt es unter anderem eine Hindernisbahn, Fußballkicker und Galgenkegeln.

1000 Kinder wurden angemeldet. "So viele Teilnehmer habe ich nicht erwartet. Es ist eine große Freude", sagte BSV-Vorsitzender Horst Staaks. Denn ihm sei vor allem eines wichtig: die Anerkennung der behinderten Menschen in der Öffentlichkeit. "Die Behinderten sollen die Gleichstellung erfühlen." Mit ihnen sollte genauso umgegangen werden wie mit nichtbehinderten Menschen.

Die ganze Woche lädt der Verein zu Aktivitäten in Klötze ein. Zum Abschluss treten am Wochenende die Nationalmannschaften für geistig-behinderte Menschen aus Deutschland, Holland, Polen und Tschechien gegeneinander an.

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