Um die Pläne des Landkreises, auf städtischem Gelände an der Mühlenstraße einen provisorischen Parkplatz fürs Hildebrand-Gymnasium anzulegen, ist in Stendal eine Diskussion entbrannt. Gegner befürchten die Verschwendung öffentlicher Gelder, Befürworter sehen eine sinnvolle Zwischennutzung bis zur endgültigen Gestaltung des Geländes.

Stendal. Sylvia Gohsrich ist unmittelbare Anwohnerin der Mühlenstraße und hat nichts gegen Parkplätze in ihrer Nachbarschaft. Aber sie hat etwas dagegen, dass öffentliches Geld für ein Provisorium ausgegeben wird, das in wenigen Jahren im Zuge der endgültigen Gestaltung des wüsten Geländes wieder aufgelöst wird. Plant doch die Stadt an der Südseite der Mühlenstraße für mehrere hunderttausend Euro die Schaffung von 90 "ordentlichen" Stellplätzen. Die Pläne dafür stellte das Tiefbauamt bereits im vergangenen Jahr dem Ausschuss für Stadtentwicklung vor. Wann sie realisiert werden, ist indes noch völlig offen. "Das Projekt ist noch in der Planungs- und Entwicklungsphase, einen konkreten Zeitplan gibt es noch nicht", so die Auskunft von Stadtsprecherin Sybille Stegemann.

Nun hat sich die Stadt, wie in der jüngsten Sitzung des Hauptausschusses bekannt wurde, zusammen mit dem Landkreis Gedanken über eine Zwischennutzung des an den Schulhof des Hildebrand-Gymnasiums grenzenden Geländes gemacht. Wie bereits kurz berichtet, will der Landkreis hier auf städtischem Grund und Boden, aber auf eigene Kosten, provisorische Parkplätze für die Lehrer des Gymnasiums einrichten. "Etwas Geld müsste der Landkreis für die Herrichtung des Platzes schon in die Hand nehmen", räumt die Schul- und Kulturamtsleiterin der Kreisverwaltung, Dr. Ulrike Bergmann, ein. Genauere Summen seien ihr aber nicht bekannt.

Anwohnerin Sylvia Gohsrich hat von 8000 bis 9000 Euro gehört. Das wäre kein Vermögen, aber in ihren Augen zuviel ausgegebenes öffentliches Geld. "Ich wäre dafür, lieber gleich die endgültige Lösung ins Auge zu fassen", sagt sie. Zumal das Parkplatzprovisorium die Probleme des Geländes nicht aus der Welt schafft. "Das Gullysystem ist total kaputt", so die Stendalerin. Bei Regen stehen hier große Flächen unter Wasser." Sylvia Gohsrich hat selbst große Pläne mit der Mühlenstraße. Wie die Volksstimme bereits im vergangenen Jahr berichtete, möchte sie die Nordseite der zu DDR-Zeiten abgerissenen und aufgelösten Straße mit kleinteiligen Häusern neu bebauen und die Mühlenstraße damit in Stendals Stadtplan zurückholen.

Sylvia Gohsrich hat eine Rechnung aufgemacht. Eine Jahresparkkarte für den unmittelbar benachbarten bewirtschafteten Parkplatz Wüste Worth kostet 70 Euro. Wenn das Hildebrand-Gymnasium 20 Plätze für zwei Jahre mieten würde, ergäbe das Kosten von 2800 Euro. "Damit erheblich weniger als die Kosten fürs Provisorium", sagt Sylvia Gohsrich.

Bereits Ende April stellte SPD-Stadtrat Reinhard Weis eine Anfrage zu den Hintergründen von Erdarbeiten an der Mühlenstraße an das Planungsamt, deren Beantwortung noch aussteht. Wenn dort Parkplätze für die Hildebrandschule entstehen - was Tiefbauamtsleiter Rainer Burmeister inzwischen im Hauptausschuss bestätigte -, fragt Weis verwundert: "Womit ist gerechtfertigt, dass mit den knappen öffentlichen Mitteln (unabhängig, ob aus dem städtischen oder kreislichen Haushalt) kostenlose Parkplätze für eine ausgewählte Berufsgruppe geschaffen werden?"