Christian und Armin Schulz, Inhaber des Hotels und Restaurants Alte Brauerei, haben große Pläne. Auf dem Neumannschen Hof am Eulenturm werden sie eine Brauerei errichten. Das, was einst das Bild und die Wirtschaft Tangermündes bestimmte, soll wieder aufleben.

Tangermünde. "Wir hatten schon immer den Wunsch nach einer Brauerei", sagt Christian Schulz. Der junge Hotelchef aus Tangermünde steht vor einer Backsteinruine auf dem Neumannschen Hof. "Seit fast 100 Jahren ist dieser Teil des Anwesens sich selbst überlassen." Christian und Armin Schulz hatten im Jahre 2002 das bereits sanierte Hotel samt Restaurant übernommen und betreiben es seitdem. Im Jahre 2010 kauften sie den gesamten Neumannschen Hof. Damit war die Grundlage für große Pläne gelegt.

Dass Hotel und Restaurant in der vorhandenen Größe oft nicht ausreichen, haben Sohn und Vater in der Vergangenheit mehrfach erfahren müssen. "Wenn wir im Haus Familienfeiern haben, dann ist es fast nicht möglich, noch À-la-carte-Gäste aufzunehmen", erzählt Christian Schulz von Problemen, die es in Zukunft nicht mehr geben soll.

Und wie die Lösung aussehen könnte, das weiß das Vater-Sohn-Gespann aus Gladigau genau. "Aus einer der letzten Brauereien in der Stadt soll wieder eine solche werden", berichtet Christian Schulz. Der Backsteinbau auf dem Hof, der bis Anfang des 20. Jahrhunderts als Brauhaus diente, wird wieder mit Leben erfüllt. Nachdem hier zu DDR-Zeiten in dem sich selbst überlassenen Haus das Dach in sich zusammengefallen und mit einem Teerdach gesichert worden war, wuchs "ein kleiner Wald" aus dem Gemäuer.

"Als wir es gekauft und zum ersten Mal in den Keller geschaut hatten, stand dieser komplett unter Wasser", erinnert sich der junge Hotelchef. Wasser, Wald und Teerdach sind mittlerweile Geschichte. Bereits 2003/2004 sicherten die beiden das Gebäude, so dass ein weiterer Verfall gestoppt wurde. Tonnenweise Schutt holten sie aus dem Keller. Das gesamte Objekt ist heute ein "hohler Vogel". "Jetzt kann es nur noch vorangehen", sagt Armin Schulz, während er im künftigen Saal steht und noch freie Sicht in den Himmel hat.

Die Pläne von Vater und Sohn sehen Folgendes vor: Im Gewölbekeller des Hauses, der von bemerkenswerter Größe und sehr gut erhalten ist, soll eine rustikale Kellerbar entstehen. Eine Etage höher, über eine breite Außentreppe zu erreichen, geht es in den Saal. "Den wollen wir für Feiern und Bankette nutzen", erklärt Christian Schulz. Das Dachgeschoss, das auch wieder errichtet werden und dem Haus damit das Bild von einst geben soll, wird den Hotelgästen als Frühstücksraum dienen.

Herzstück und Höhepunkt dieser Sanierung wird die Errichtung einer eigenen Brauerei sei. "Wir wurden schon oft danach gefragt, ob wir denn eigenes Bier hätten. Der Name Alte Brauerei lässt ja eigentlich darauf schließen", sagt der Mann aus Gladigau. Diese Frage soll künftig mit Ja beantwortet werden können. Im Erdgeschoss soll die gesamte Sudtechnik ihren Platz bekommen - offen gebaut, so dass jeder die Kupferkessel sehen kann und Führungen möglich sind. Ein Teil des großen Gewölbekellers wird als Gär- und Lagerkeller genutzt werden. Direkt aus der Anlage wird künftig das Bier gezapft.

Bis zu 60 000 Liter können künftig auf dem Neumannschen Hof hergestellt werden. "Wir planen ein ganz normales helles Pils, ein dunkles Bier und ein Saisonbier", erzählt Christian Schulz von den Brau-Plänen. Nur einen Namen für das künftige Bier vom Neumannschen Hof gibt es noch nicht. "Wir werden einen Wettbewerb starten", so die Idee von Christian Schulz.

Bei der vorhandenen Braukapazität sei es durchaus möglich, Bier auch außer Haus in Flaschen oder Fässern zu verkaufen. Naturtrüb werde das künftige Tangermünder Bier sein, ohne Konservierungsstoffe. Wie das geht, das lernen die beiden Hotel-Betreiber von Friedrich Sliva, einem Braumeister aus Magdeburg im Ruhestand. "Er berät uns in Fragen der Anlagentechnik, wird zusammen mit uns das Bier entwickeln und uns mit Rat und Tat zur Seite stehen", so Christian Schulz. "Er ist Feuer und Flamme, deshalb auch mit viel Engagement dabei."

Für die geplante Brauerei, die eine regelrechte Lebensmittelmanufaktur sein wird, ist Armin Schulz künftig der Chef. Er schult sich in allen Fragen der Brauereibranche. Läuft der Gerstensaft durch die Kupferleitungen, wird er auch Führungen und Verkostungen anbieten. "Wir denken außerdem daran, die Besucher mit einem Bierdiplom zu verabschieden", spricht Christian Schulz über seine Idee. Die Erfahrungen der vergangenen Jahre hätten die beiden gelehrt, dass Besucher, ganz gleich ob Jung oder Alt, gern etwas erleben möchten.

Mit der bereits begonnenen Investition im Herzen der Innenstadt direkt neben dem Eulenturm entstehen mindestens fünf neue Arbeitsplätze. Denn nicht nur die Brauerei entsteht komplett neu. Auch werden Hotel und Restaurant eine zusätzliche Küche bekommen. Im ehemaligen Pferdestall, in dem einst 18 Tiere untergebracht waren, kann in Zukunft gekocht werden. Hier wird für die Familienfeiern und Bankette, die im neuen Festsaal stattfinden, das Essen zubereitet werden.

Insgesamt investieren Vater und Sohn eine beträchtliche Summe in die Realisierung ihres Traums von einer eigenen Brauerei.

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